Examensarbeit, 2008
60 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Migration und sprachlich-kulturelle Heterogenität
2.1. Begriffsbestimmungen
2.2. Sprachlich-kulturelle Heterogenität in Deutschland
2.3. Folgen für Erziehung und Bildung
2.4. Situation von Kindern und Jugendlichen aus Migrantenfamilien im deutschen Bildungssystem
3. Sprachgebrauch von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
3.1. Familiäre Bedingungen und sprachliche Sozialisation
3.2. Mischsprachliche Varietäten bei türkischstämmigen Jugendlichen
3.2.1. Spracherhalt und Sprachwandel
3.2.2. Das Phänomen des Code-switching
3.2.3. Interferenz und Sprachmischung
3.2.4. Typische Eigenschaften des Sprachgebrauchs türkischstämmiger Kinder und Jugendlicher in Deutschland
3.2.5. Beweggründe für den Sprachgebrauch
3.3. Zusammenhang zwischen Sprache und Identität
3.3.1. Sprachmischung als Ausdruck von Identität
3.3.2. Identitätsentwicklung am Beispiel türkischstämmiger Jugendlicher
4. Mehrsprachigkeit und Schule
4.1. Zur Mehrsprachigkeit
4.2. Umgang mit Mehrsprachigkeit bzw. Heterogenität
4.2.1. Mehrsprachige Migrantenkinder im Elementarbereich
4.2.2. Mehrsprachige Migrantenkinder und -jugendliche im Schulbereich
4.2.3. Blickpunkt Lehrer/innen
4.2.3.1. Einstellungen der Lehrenden auf migrationsbedingte Heterogenität
4.3. Gründe für das Scheitern von Schüler/innen mit Migrationshintergrund an deutschen Schulen
4.4. Schulische Handlungsmöglichkeiten zur Förderung von Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit
4.5. Didaktische Ansätze für einen Deutschunterricht mit Migrantenkindern
4.6. Schulmodelle zur Förderung von Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit
4.6.1. Modelle sprachlicher Bildung
4.6.2. Modelle sprachlicher Bildung in Deutschland
4.6.3. Beispiele für verschiedene Konzepte im Ausland
5. Zukunftsperspektiven: Zum Umgang mit Mehrsprachigkeit
5.1. Zukünftige Anforderungen an den Unterricht mit mehrsprachigen Schüler/innen
5.2. Anforderungen an Lehrkräfte
5.3. Mehrsprachigkeit als soziale Realität anerkennen
6. Zusammenfassung und Fazit
Die Arbeit untersucht den Sprachgebrauch von Jugendlichen aus Migrantenfamilien und analysiert die Herausforderungen sowie Handlungsmöglichkeiten für das deutsche Bildungssystem im Umgang mit sprachlich-kultureller Heterogenität.
3.2.2. Das Phänomen des Code-Switching
Der Sprachgebrauch von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist geprägt durch das Code-switching zwischen den von ihnen beherrschten Sprachen. Mitglieder zweisprachiger Gruppen beschränken sich bei Konversationen nicht nur auf eine Sprache, sondern machen von beiden Gebrauch. Dabei nutzen sie ihre Zweisprachigkeit, indem sie innerhalb der beherrschten Sprachen hin- und herwechseln. Dieser Prozess wird in der Linguistik als Code-switching bezeichnet. Im Allgemeinen wird also unter Code-switching die Verwendung zweier oder mehrerer Sprachen innerhalb eines Gesprächs verstanden. Das „Switchen“ kann sowohl durch sprachinterne als auch durch außersprachliche Faktoren ausgelöst werden. Zu den sprachinternen Ursachen gehört das Fehlen von Begriffen innerhalb eines Gesprächs, so dass in einem deutschsprachigen Gespräch z.B. türkische Wörter benutzt werden. Zu den außersprachlichen Faktoren gehört die Anwesenheit von zwei- oder mehrsprachigen Personen, dadurch wird ein Sprachwechsel ermöglicht, um sich u. a. präziser ausdrücken zu können (vgl. Hinnenkamp, 2000).
Die Forschung zum Code-switching hat eine Anzahl von Funktionen des Sprachwechsels feststellen können. Es hat sich gezeigt, dass das zweisprachige Reden „… eine lokale Ressource des Aushandelns von sozialen Bedeutungen darstellt, neben anderen Ressourcen wie die Verwendung von Dialekten, oder wie der Einsatz unterschiedlicher Stilmittel, Modalitäten und Register.“ (Hinnenkampm, 2000, S. 99). Weiterhin ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass nicht alle Switches mit Funktionen im Aushandlungsprozess belegt werden können, das heißt, der Sprachwechsel kann durchaus an unvorhersehbaren Stellen auftreten.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der sprachlichen Vielfalt in Deutschland und die Problematik des Schulerfolgs von Migrantenkindern.
2. Migration und sprachlich-kulturelle Heterogenität: Analyse des Wanderungsgeschehens nach Deutschland und der daraus resultierenden Auswirkungen auf das Bildungssystem.
3. Sprachgebrauch von Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Untersuchung von Sprachphänomenen wie Code-switching und deren Rolle für die Identität von Jugendlichen.
4. Mehrsprachigkeit und Schule: Darstellung des Umgangs mit Mehrsprachigkeit in deutschen Schulen sowie Ansätze zur Förderung und Modellbildung.
5. Zukunftsperspektiven: Zum Umgang mit Mehrsprachigkeit: Diskussion zukünftiger Anforderungen an Lehrkräfte und Unterrichtskonzepte im Kontext einer vielfältigen Gesellschaft.
6. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse und Schlussfolgerungen zur pädagogischen Professionalisierung im Umgang mit Migration.
Mehrsprachigkeit, Migration, Code-switching, Identität, Schule, Deutsch als Zweitsprache, DaZ, Heterogenität, Sprachmischung, Sprachförderung, Interkulturelle Pädagogik, Bildungserfolg, Transmigration, Sprachsozialisation, Institutionelle Diskriminierung
Die Arbeit analysiert den komplexen Zusammenhang zwischen dem Sprachgebrauch von Jugendlichen aus Migrantenfamilien und den Bedingungen sowie Herausforderungen, denen sie im deutschen Bildungssystem begegnen.
Im Fokus stehen insbesondere die sprachliche und kulturelle Heterogenität in Deutschland, das Phänomen des Code-switching, die Entwicklung einer hybriden Identität bei Migrantenjugendlichen sowie die schulischen Förderkonzepte.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das deutsche Schulsystem mit Mehrsprachigkeit umgeht, warum Schüler mit Migrationshintergrund oft benachteiligt sind und welche didaktischen Ansätze zu einer erfolgreichen Förderung beitragen können.
Der Autor führt eine tiefgehende Literaturanalyse durch, die aktuelle Forschungsergebnisse zur Migrations- und Sprachwissenschaft sowie bildungspolitische Studien (wie PISA) synthetisiert und auf die Schulpraxis bezieht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der familiären sprachlichen Sozialisation, die Untersuchung von "Mischsprachen" und Identitätskonstruktionen sowie die kritische Auseinandersetzung mit der "monolingualen Grundorientierung" des deutschen Schulsystems.
Wichtige Begriffe sind Mehrsprachigkeit, Code-switching, Identität, institutionelle Diskriminierung, Transmigration und interkulturelle Bildung.
Code-switching ist eine sprachliche Ressource der Jugendlichen. Die Arbeit zeigt auf, dass Schulen häufig negativ darauf reagieren, anstatt die Fähigkeit zur flexiblen Sprachwahl als Kompetenz für interkulturelles Lernen zu nutzen.
Dieser Begriff beschreibt das Festhalten an der Einsprachigkeit als Ideal. Er führt dazu, dass die Mehrsprachigkeit von Schülern als Defizit statt als Potenzial wahrgenommen wird, was die Bildungschancen der Migrantenjugendlichen verschlechtert.
Die Identitätsentwicklung ist bei Migrantenjugendlichen eng mit ihrer Sprachpraxis verknüpft. Sprachmischung dient hierbei oft als funktionaler Ausdruck einer hybriden Identität, die sich zwischen der Herkunftsgesellschaft und dem deutschen Lebensumfeld bewegt.
Lehrkräfte müssen interkulturelle Kompetenzen entwickeln, Vorurteile abbauen und Mehrsprachigkeit als Ressource begreifen, um auf die vielfältigen Hintergründe ihrer Schülerschaft professionell und wertschätzend reagieren zu können.
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