Masterarbeit, 2022
61 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1. Sprache in der Coronakrise
2. Historische Semantik
2.1. Über die Bedeutung des Wortes
2.2. Bedeutungswandel und Diskurs
3. Framing – Begriff und Forschungsstand
3.1. Eine Metapher kommt selten allein
3.2. Framing als politischer Prozess
4. Methodik
5. Brisante Wörter in der Coronakrise
5.1.1. Solidarität
5.1.2. Systemrelevanz
5.1.3. Wissenschaft
5.1.4. Freiheit
5.1.5. Querdenker(n)
5.2. Zusammenfassung der Analyse
6. Schluss
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Auswirkungen der Coronakrise unter besonderer Berücksichtigung der historischen Semantik und Framing-Theorie. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie politisch und medial genutzte Begriffe als Instrumente der Deutungshoheit fungieren und den gesellschaftlichen Diskurs sowie das menschliche Denken beeinflussen.
3. Framing – Begriff und Forschungsstand
„In Worten steckt viel mehr, als wir in der Regel glauben.“ (Wehling 2016, S. 20). Um zu verstehen, wie Menschen Sprache begreifen und welchen Einfluss diese auf das Denken und Handeln hat, ist ein Einblick in die Kognitionswissenschaft unabdingbar. Sobald Menschen miteinander kommunizieren oder mit Sprache konfrontiert sind – unabhängig davon, ob es sich um gesprochene oder geschriebene Sprache handelt – werden im Gehirn ganze Vorratslager abgespeicherten Wissens abgerufen, um Wörtern eine Bedeutung zuschreiben zu können (Wehling 2016, S. 20). Diesen Prozess nennt man Framing.
Dieses Wissen rührt aus Sinnzusammenhängen, Emotionen, visuellen Erinnerungen – kurz: aus bisherigen Erfahrungen in der Interaktion mit anderen Menschen und der verwendeten Sprache. So formen Menschen ihr zukünftiges Denken, wenn ein Wort abgerufen wird. Das bedeutet, dass die soziale Wirklichkeit, in der Menschen leben, einen hohen und oftmals unterschätzten Einfluss auf die Sprache, das Handeln und Denken hat. Beim Hören oder Sprechen eines Wortes werden die Abläufe, die zum Verständnis und zur Zuschreibung einer Bedeutung eines Wortes beitragen, automatisch und unbewusst im Gehirn abgerufen. So kann Sprache schließlich bestimmen, wie Menschen ihre Umgebung wahrnehmen.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der sprachlichen Veränderungen und die Bedeutung von Sprache in dystopischen sowie realen Krisenszenarien.
1. Sprache in der Coronakrise: Beleuchtung der Entstehung eines neuen Vokabulars (Coronasprache) und dessen Einfluss auf die öffentliche Kommunikation ab März 2020.
2. Historische Semantik: Theoretische Grundlegung der historischen Semantik und Diskussion der Dichotomie von langue und parole nach Ferdinand de Saussure.
2.1. Über die Bedeutung des Wortes: Tiefere Auseinandersetzung mit der Bedeutungskomplexität und der Vieldeutigkeit von Wörtern über starre Begriffsgrenzen hinaus.
2.2. Bedeutungswandel und Diskurs: Analyse des kontinuierlichen, oft unbewussten Sprachwandels und dessen Verknüpfung mit gesellschaftlichen Diskursen.
3. Framing – Begriff und Forschungsstand: Erläuterung der Framing-Theorie als interdisziplinäres Konzept zur Untersuchung, wie Deutungsrahmen unser Weltverständnis strukturieren.
3.1. Eine Metapher kommt selten allein: Untersuchung der Rolle von Metaphern und konzeptuellen Metaphern bei der unbewussten Strukturierung des Denkens.
3.2. Framing als politischer Prozess: Diskussion über die Nutzung von Frames zur politischen Machtausübung und deren Einfluss auf die mediale Berichterstattung.
4. Methodik: Vorstellung der methodischen Herangehensweise, einschließlich der Nutzung des cOWIDplus Viewers zur quantitativen Analyse von Wortfrequenzen.
5. Brisante Wörter in der Coronakrise: Spezifische Analyse der Begriffe Solidarität, Systemrelevanz, Wissenschaft, Freiheit und Querdenker als Schlagwörter.
5.1.1. Solidarität: Untersuchung des Wandels des Solidaritätsbegriffs von einem aktiven Handeln zu passiven Verhaltensweisen unter politischem Druck.
5.1.2. Systemrelevanz: Analyse der populistischen Medien-Frames um den Begriff Systemrelevanz und dessen ausgrenzende Wirkung.
5.1.3. Wissenschaft: Untersuchung des Bedeutungswandels von Wissenschaft unter dem Einfluss von Krisennarrativen und dem Begriff Schwurbler.
5.1.4. Freiheit: Diskursanalyse über die Instrumentalisierung des Freiheitsbegriffs im Kontext von Schutzmaßnahmen und Demonstrationen.
5.1.5. Querdenker(n): Analyse der semantischen Transformation des Begriffs Querdenken durch die Protestbewegung und QAnon-Einflüsse.
5.2. Zusammenfassung der Analyse: Synthese der Ergebnisse über die strategische Nutzung von Sprache und Agenda-Setting in der Pandemie.
6. Schluss: Reflexion über die sprachlichen Herausforderungen der Coronakrise und Appell für einen pluralistischen Diskurs.
Coronakrise, Historische Semantik, Framing, Bedeutungswandel, Politische Sprache, Solidarität, Systemrelevanz, Freiheit, Querdenker, Metapher, Deutungshoheit, Diskurs, Neologismus, Agenda-Setting, Sprachwissenschaft.
Die Arbeit analysiert, wie sich der Sprachgebrauch während der Coronakrise verändert hat und wie bestimmte Begriffe als politische Schlagwörter genutzt wurden, um Wahrnehmungen zu beeinflussen.
Die zentralen Themen sind historische Semantik, Framing-Theorie, politischer Sprachgebrauch, Bedeutungswandel sowie die quantitative medienlinguistische Analyse mittels Korpusdaten.
Das Ziel ist es, die sprachliche Aufarbeitung zentraler Krisenbegriffe vorzunehmen und aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Rahmung (Framing) die Deutungshoheit in gesellschaftlichen Debatten umkämpft wird.
Es wird eine Kombination aus historisch-semantischer Begriffsanalyse, Frame-Analyse und korpuslinguistischer Untersuchung unter Einsatz des cOWIDplus Viewers des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache angewandt.
Der Hauptteil analysiert die Begriffe Solidarität, Systemrelevanz, Wissenschaft, Freiheit und Querdenker auf ihre historische Bedeutung und ihren Bedeutungswandel im Kontext der Coronakrise.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören Coronakrise, Framing, Bedeutungswandel, politische Kommunikation, Debattenkultur und Deutungshoheit.
Der Begriff wurde während der Krise zunehmend instrumentalisiert und von einem freiwilligen, aktiven Miteinander in eine Form der staatlich legitimierten passiven Befolgung von Maßnahmen umgedeutet.
Er fungierte als populistischer Frame, um eine Hierarchisierung von Berufen vorzunehmen, was zur Ausgrenzung anderer gesellschaftlicher Sektoren und zu einem Wettbewerb um die Deutungshoheit führte.
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