Masterarbeit, 2021
78 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Einflüsse E.T.A. Hoffmanns
1.2 Hintergrundinformationen zu den Märchen
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition des Märchenbegriffs
2.2 Identität in der Moderne
2.3 Helden in der Literatur
3 Der goldene Topf
3.1 Anselmus
3.2 Archivarius Lindhorst und das Äpfelweib
3.3 Veronika und Serpentina
4 Klein Zaches genannt Zinnober
4.1 Balthasar
4.2 Prosper Alpanus und Klein Zaches
4.3 Candida
5 Prinzessin Brambilla
5.1 Giglio Fava
5.2 Celionati
5.3 Giacinta
6 Meister Floh
6.1 Peregrinus Tyß
6.2 Leuwenhöck, Swammerdamm und Meister Floh
6.3 Prinzessin Gamaheh und Röschen
7 Zusammenfassung
7.1 Entwicklung der ironischen Distanz
7.2 Künstler versus Bürger
7.3 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion der Identität märchenhafter Figuren im Werk von E.T.A. Hoffmann. Dabei steht primär die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Hoffmann die Identitäten von Helden, schönen Frauen und Zauberern gestaltet und wie er diese Figuren nutzt, um das Verhältnis zwischen der alltäglichen Wirklichkeit und dem Wunderbaren sowie die künstlerische Identität in der Moderne zu reflektieren.
3.1 Anselmus
Der Name des Märchenhelden Anselmus ist vermutlich deswegen gewählt worden, weil er im katholischen Kalender der Heilige des 18. März ist, dem Geburtstag von Julia Mark, einer ehemaligen Gesangsschülerin Hoffmanns, in die er sich 1810 trotz des Umstands, dass sie erst 14 Jahre alt war, verliebte. Darüber hinaus bedeutet der Name der „von Gott beschützte“, was bereits die Entwicklung vorausdeutet, die er im Handlungsverlauf durchlebt. Zu Beginn wirkt er durch seine Tollpatschigkeit, die sich darin zeigt, dass er im Lauf versehentlich den Apfelkorb einer alten Frau (der Rauerin) umwirft, eher ungeschützt und auch die Nähe zu Gott, beziehungsweise einem höheren Sein im Sinne des triadischen Geschichtsmodells, wird kontrapunktiert, indem Anselmus von ebendieser Frau als „Satanskind“ bezeichnet wird und auch nur „dem Satan zum Trotz Student geworden“ ist. Insgesamt ist die Erscheinung des Protagonisten unstimmig. Sein kräftiger Wuchs und sein wohlgebildetes Gesicht stehen seinem Ungeschick gegenüber. Seine Kleidung besitzt „einen gewissen magistermäßigen Styl“ und lässt Andeutungen eines modernen Schnitts erkennen, ohne ihm jedoch zu entsprechen, wodurch er außerhalb aller Mode liegt.
Gemeinsam mit der Tatsache, dass Anselmus vom Pech verfolgt ist, was Hoffmann humoristisch damit ausführt, dass sein Butterbrot immer auf die fettige Seite fällt und er stets Flecken auf neuer Kleidung hinterlässt, ergibt sich das Gesamtbild, dass er sich in die alltägliche Welt nicht einfügen kann, was in zweierlei Hinsicht zu präzisieren ist. Zum einen ist zu betonen, dass das Anpassen tatsächlich am Können und nicht am Wollen scheitert, was daran festzumachen ist, dass er wegen der genannten Reibungspunkte unzufrieden ist. Zum anderen dürfen die Differenzen nicht so verstanden werden, dass sie das völlige Entfernen vom Bürgertum bedeuten. Im Gegenteil, Anselmus sucht die Nähe und Freundschaft der bürgerlichen Figuren Heerbrand und Paulmann, welche verschiedene Abstufungen der Wirklichkeitsebenen symbolisieren.
1 Einleitung: Dieses Kapitel verortet das Werk E.T.A. Hoffmanns innerhalb der Literaturgeschichte und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Identitätskonstruktion von Märchenfiguren sowie der Verflechtung von Wunderbarem und Alltag.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden der Märchenbegriff sowie theoretische Konzepte zu Identität und Heldenfiguren in der Moderne diskutiert, um eine Basis für die anschließende Analyse zu schaffen.
3 Der goldene Topf: Dieses Kapitel analysiert die Identitätsentwicklung von Anselmus sowie die Funktionen von Archivarius Lindhorst, dem Äpfelweib, Veronika und Serpentina innerhalb von Hoffmanns erstem Kunstmärchen.
4 Klein Zaches genannt Zinnober: Hier stehen die Charakterisierung von Balthasar, die Rolle von Prosper Alpanus und Klein Zaches sowie die Bedeutung von Candida zur Debatte, wobei der Fokus auf dem satirischen Potenzial der Erzählung liegt.
5 Prinzessin Brambilla: Kapitel 5 untersucht die Identitätsproblematik von Giglio Fava, die Funktion von Celionati als Mentor und die Entwicklung von Giacinta innerhalb dieses sogenannten „Capriccios“.
6 Meister Floh: Der letzte Abschnitt analysiert die Entwicklung von Peregrinus Tyß, das Wirken von Leuwenhöck und Swammerdamm sowie das Auftreten von Prinzessin Gamaheh und Röschen im Kontext der rationalen und magischen Welten.
7 Zusammenfassung: Dieses Kapitel synthetisiert die Ergebnisse, indem es die Entwicklung der ironischen Distanz über die verschiedenen Werke hinweg nachzeichnet und das Verhältnis von Künstler zu Bürger abschließend interpretiert.
E.T.A. Hoffmann, Identitätskonstruktion, Kunstmärchen, Wunderbares, Romantik, Aufklärung, Wirklichkeitsmärchen, Heldenfiguren, Ironische Distanz, Subjekt, Poetisches Gemüt, Literaturwissenschaft, Identitätsdiskurs, Künstlertum, Bürgerwelt.
Die Arbeit untersucht, wie E.T.A. Hoffmann in seinen Kunstmärchen Identität gestaltet und dabei das Spannungsfeld zwischen der alltäglichen bürgerlichen Welt und dem Wunderbaren ästhetisch verhandelt.
Im Fokus stehen die Identitätskonstruktion durch Auseinandersetzung mit dem Wunderbaren, die Rolle der Helden, die kritische Darstellung des Bürgertums und der Einsatz von ironischer Distanz.
Die Arbeit fragt danach, wie Hoffmann die Identität wiederkehrender Märchenfiguren (Held, schöne Frau, Zauberer) konstruiert und welche gesellschaftskritischen Potentiale sich daraus für das bürgerliche und künstlerische Selbstverständnis ableiten lassen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Primärtexte Hoffmanns textimmanent untersucht und in den theoretischen Kontext von romantischem Identitätsdiskurs und Subjektanalyse (u.a. nach Reckwitz) stellt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der vier Märchen „Der goldene Topf“, „Klein Zaches“, „Prinzessin Brambilla“ und „Meister Floh“, wobei jede Erzählung hinsichtlich ihrer Protagonisten, Mentoren und weiblichen Identitäten interpretiert wird.
Zentrale Begriffe sind Identitätskonstruktion, Wirklichkeitsmärchen, Ironie, Künstlertum, Subjektivität und das Wunderbare als literarisches und philosophisches Element.
Hoffmann nutzt diese Dichotomie, um die Spannung zwischen einem rational-nutzenorientierten bürgerlichen Leben und einem idealistisch-poetischen Künstlertum zu beleuchten, wobei er beide Weltmodelle ironisch hinterfragt.
Bei Hoffmann fungieren Zauberer oft als Mentoren, die dem Helden den Weg zum Wunderbaren ebnen. Sie besitzen dabei oft keine eigene tiefgehende Identität, sondern dienen dazu, den Helden auf seinem Weg der Identitätsfindung aktiv zu konstruieren.
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