Masterarbeit, 2022
82 Seiten, Note: 1,3
Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien
1. EINLEITUNG
2. TRUE CRIME: DEFINITION, ENTWICKLUNG UND GESCHICHTE
2.1. DEFINITION TRUE CRIME
2.2. SCHAULUST UND VERBRECHEN IM 18. UND 19. JAHRHUNDERT
2.3. VON FRÜHEN TRUE CRIME FORMEN ZUM BOOM MODERNER FORMATE
3. DIE LUST AM SCHRECKLICHEN
3.1. DAS SCHRECKLICHE IM ALLTÄGLICHEN
3.2. DIE LUST AN TRUE CRIME
3.3. FASZINATION TRUE CRIME UND DIE VERFOLGTE UNSCHULD
4. NARRATION UND MEDIENWAHRNEHMUNG
4.1. AUTHENTIZITÄT IN TRUE CRIME FORMATEN
4.2. WAHRNEHMUNG UND MEDIENÄSTHETIK
4.3. DRAMATURGIE – TENSION VS. SUSPENSE
5. ANALYSE VON TRUE CRIME FORMATEN
5.1. DIE FRAUEN DES ORGANISTEN - ANALYSE EINES ARTIKELS AUS DEM BUCH VERBRECHEN DER ZEIT
5.2. #41 STALKING - ANALYSE EINER FOLGE DES PODCASTS MORDLUST
5.3. DIE SCHILDKRÖTE UND DER ALLIGATOR - ANALYSE EINER FOLGE DER SERIE DIRTY JOHN: THE BETTY BRODERICK STORY
6. FAZIT UND AUSBLICK
Diese Arbeit untersucht die genrespezifischen, dramaturgischen und ästhetischen Mittel moderner True Crime Formate und analysiert, warum das Genre insbesondere bei Frauen eine so hohe Faszination ausübt und welche Rolle die Mechanismen der „Lust am Schrecklichen“ dabei spielen.
5.1. Die Frauen des Organisten - Analyse eines Artikels aus dem Buch Verbrechen der Zeit
„Als ihr das Messer mit einem grässlichen Geräusch in den Rücken fuhr, blieben Barbara R. noch 60 Sekunden, um die wahre Natur des Mannes zu erkennen, mit dem sie 35 Jahre verheiratet gewesen war.“135 Mit dieser Schilderung des Verbrechens beginnt der Artikel Die Frauen des Organisten der True Crime Autorin Sabine Rückert im Buch Verbrechen der Zeit. Mit der fiktionalisierten Darstellung der Details der Tat wie dem „grässlichen Geräusch“ des Messers, das dem Opfer in den Rücken gestoßen wird, bedient sich Rückert gleich zu Beginn einer Authentisierungsstrategie, welche die Ereignisse für die Rezipient*innen realer und bildhafter machen sollen. Durch die Verbildlichung werden Rezipierende bereits innerhalb des ersten Satzes mit allen Sinnen in die Erzählung gezogen und Spannung wird aufgebaut. Vor dem inneren Auge der Leser*innen formt sich das Bild des fassungslosen Ausdrucks im Gesicht des Opfers, der Klinge im Rücken, begleitet von dem reißenden Geräusch des Messer im inneren Ohr. Durch das Empfinden der damit einhergehenden Gefühle und das eigene Erleben der Situation wird die Narration real für die Rezipierenden und spielt sich zum Teil im eigenen Körper und damit in der eigenen Realität ab. Trotz – oder gerade wegen der Überzeichnung – wird das Geschehen so unmittelbar zu Beginn als authentisch eingeordnet. Auch die genaue Angabe von Sekunden und der Länge der Ehe lässt die Darstellung verlässlich erscheinen und keine Zweifel am Tathergang aufkommen. Gleichermaßen verstärkt die Abkürzung der Nachnamen und damit das Unkenntlichmachen von Täter, Opfern und Zeug*innen das Empfinden, etwas Wahres zu Lesen und unterstützt damit die Authentizität.
Durch die Vorwegnahme der Tat wird bei den Leser*innen schon nach den ersten Zeilen die Spannungsform der Suspense erzeugt. Es ist bereits klar, dass Barbara R. durch die Hand ihres Mannes, beziehungsweise ein Messer im Rücken, stirbt und dass die Tat sie völlig unvorbereitet trifft. Doch wie kam es zu dieser Eskalation? Diese Frage wird erst mit Ende des ‚vierten Aktes‘ des Artikels beantwortet, womit die Spannung bis zu ihrem Höhepunkt kurz vor dem Ende des Artikels aufrechterhalten wird.
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, warum True Crime Formate insbesondere auf Frauen eine große Faszination ausüben und welche Rolle die menschliche Psyche und mediale Dramaturgie dabei spielen.
2. TRUE CRIME: DEFINITION, ENTWICKLUNG UND GESCHICHTE: Dieses Kapitel definiert True Crime als Genre und zeichnet dessen historische Entwicklung von frühen Bänkelsängen bis hin zu modernen Massenmedien nach.
3. DIE LUST AM SCHRECKLICHEN: Auf Basis der Theorien von Edmund Burke und Sigmund Freud wird untersucht, wie kontrollierter Schrecken beim Rezipierenden Lust und Identifikation erzeugen kann.
4. NARRATION UND MEDIENWAHRNEHMUNG: Dieses Kapitel untersucht die Wirkweise von Medien, Authentizität und dramaturgischen Konzepten wie Tension und Suspense für die Analyse von True Crime.
5. ANALYSE VON TRUE CRIME FORMATEN: Hier werden drei spezifische Medienbeispiele (Magazin-Artikel, Podcast, Serie) analysiert, um die genrespezifischen Mittel und die Rezeption durch Frauen praktisch zu beleuchten.
6. FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Hypothesen zur Rolle toxischer Maskulinität und des „Imago der verfolgten Unschuld“ und zeigt Potenzial für weitere Forschung auf.
True Crime, Medienkulturanalyse, Ästhetik, Wahrnehmung, Authentizität, Dramaturgie, Täter-Opfer-Bindung, Weiblichkeit, Verfolgte Unschuld, Psychoanalyse, Spannungsaufbau, Suspense, Tension, Femizid, Medienwirkung
Die Masterarbeit untersucht die Anziehungskraft von True Crime Narrativen auf Rezipientinnen und analysiert, welche ästhetischen und dramaturgischen Mittel dazu führen, dass wahre Verbrechen als spannungsvolle und identitätsstiftende Lektüre oder Unterhaltung wahrgenommen werden.
Die Themen umfassen die Geschichte des True Crime Genres, die philosophische und psychoanalytische Betrachtung der „Lust am Schrecklichen“, die medienwissenschaftliche Analyse von Authentizität sowie die Untersuchung von Geschlechterrollen und deren Darstellung im True Crime.
Die Arbeit fragt danach, welche genrespezifischen, dramaturgischen und ästhetischen Mittel moderner Formate die Lust an diesem Genre bei Frauen als Rezipientinnen bedingen und wie diese Formate zur Auseinandersetzung mit realer Gewalt beitragen.
Die Autorin nutzt eine medienwissenschaftliche Mikroanalyse, bei der drei ausgewählte Beispiele – ein Magazin-Artikel, eine Podcast-Folge und eine Serien-Episode – hinsichtlich ihrer dramaturgischen Struktur und ihrer Wirkung auf das Publikum untersucht werden.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Grundlagenteil zur Medienästhetik und Geschichte sowie einen praktischen Analyseteil, in dem spezifische Formate wie „Verbrechen der Zeit“, der Podcast „Mordlust“ und die Serie „Dirty John“ untersucht werden.
Die wichtigsten Begriffe sind True Crime, Lust am Schrecklichen, Authentizität, Medienästhetik, verfolgte Unschuld, Psyche, toxische Maskulinität und Identifikation.
Die Autorin argumentiert, dass das tradierte Bild der „verfolgten Unschuld“ in neuen Medienformaten oft kritisch hinterfragt wird; Frauen nutzen das Genre vermehrt, um dieses stereotype Bild zu durchbrechen und aktiv Macht über ihre eigenen Lebensszenarien zu gewinnen.
Die Faszination rührt laut Arbeit daher, dass True Crime Formate keine bloßen blutigen Details liefern, sondern das „Warum“ hinter einer Tat beleuchten, was den Rezipierenden erlaubt, das unerklärliche Verhalten der Täter ein Stück weit begreifbar zu machen.
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