Bachelorarbeit, 2021
84 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1. Forschungsstand und Literaturbericht
2. Drogen – Drogenkonsum – Stigma
2.1. Drogen – oder: Ein Spagat zwischen „Genussmittel“ und „Rauschgift“
2.2. Drogenkonsum
2.2.1. Verschiedene Applikationsformen für verschiedene Substanzen
2.2.2. Die Erklärung von Drogenkonsum nach dem Defizit-Paradigma
2.2.3. Drogenkonsum im Kontinuum zwischen Abstinenz und Missbrauch – Motivationen und Kontexte
2.2.4. Die „Erfindung“ der Sucht und der „Pharmakologische Calvinismus“
2.3. Stigmatisierung von Personen, die Drogen konsumieren nach Erving Goffman
3. Repressive Drogenpolitik als Herrschaftsinstrument
3.1. Die Anti-Opium-Bewegung der USA als Exklusionsstrategie
3.2. „Assassin of Youth“ – die Anti-Cannabis-Kampagne der 1930er Jahre
3.3. Der nützliche Feind – Flower-Power, Studierendenrevolte und der „War on Drugs“ unter Nixon
4. Zwischenfazit
5. Drogenpolitik in Deutschland – Entwicklungen und rechtliche Grundlagen
5.1. Die Entstehung des Reichsopiumgesetzes zur Zeit der Weimarer Republik
5.2. Der Umgang mit Süchtigen im Nationalsozialismus
5.3. Die Entstehung des heutigen Betäubungsmittelgesetzes im Zeichen der Studierendenrevolte in der BRD
6. Die heutige drogenpolitische Praxis in der Bundesrepublik Deutschland
6.1. Die vier Säulen der Drogenpolitik
6.2. Der Doppelstandard im Umgang zwischen Alkohol und illegalisierten Drogen in der staatlichen Präventionspraxis
6.3. Gesundheitliche und soziale Konsequenzen der repressiven Drogenpolitik
7. Die Rolle der Sozialen Arbeit vor dem Hintergrund von Repression und Stigmatisierung – Konsequenzen und Möglichkeiten
7.1. Drogenarbeit zwischen Akzeptanzorientierung und Augenwischerei
7.2. Wird Suchthilfe eigentlich ihrem Namen gerecht?
7.3. Stigmatisierungseffekte an Drogenkonsumierenden im Rahmen Sozialer Arbeit
7.4. Fachliche und politische Möglichkeiten der Sozialen Arbeit
8. Schlussbetrachtungen und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Stigmatisierung von Drogenkonsumierenden durch eine repressive Drogenpolitik als politisches Herrschaftsinstrument dient und welche Rolle die Soziale Arbeit in diesem Kontext spielt. Ziel ist es, die Ursprünge der Drogenkriminalisierung und Suchtstigmatisierung kritisch zu hinterfragen und Handlungsmöglichkeiten für eine entstigmatisierende und menschenwürdige Drogenhilfe aufzuzeigen.
3.2. „Assassin of Youth“ – die Anti-Cannabis-Kampagne der 1930er Jahre
Da die Veränderung des gesellschaftlichen Bilds des Alkoholkonsums und daraus folgend der Weg in die Alkoholprohibition ab 1919 in Kapitel 2.2.4. bereits behandelt wurden, erfolgt in diesem Kapitel ein Zeitsprung in die USA der frühen 1930er Jahre. Die Alkoholprohibition hatte zwar eine Reduktion von Alkoholtoten zur Folge, doch die negativen Folgen lagen auf der Hand und der steigende Einfluss mafiöser Kartelle insbesondere vor dem Hintergrund der Great Depression stellt hier nur ein Beispiel dar. Ende Dezember 1933 wurde sie unter dem neuen Präsidenten Franklin D. Roosevelt schließlich per Zusatzartikel aufgehoben.
Der Konsum von Cannabis zu Rauschzwecken hatte auch in den USA eine lange Geschichte; den US-Präsidenten George Washington, Abraham Lincoln und Thomas Jefferson war die psychoaktive Wirkung der Hanfpflanze nicht nur bekannt, sie waren auch selbst enthusiastische Genießer der Pflanze. Die Verwendung von Cannabisextrakten und -tinkturen zu medizinischen Zwecken war im 19. Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit.
Auch aufgrund des zeitgleich aktiven Alkoholverbots verbreitete sich der Konsum von Cannabis zu Freizeitzwecken in den USA in den 1920er Jahren, so waren Cannabiszigaretten („reefers“) besonders in der Jazz-Szene oder sogenannten tea pads, die als das Äquivalent zu den heutigen Coffeeshops in Amsterdam betrachtet werden und von denen es alleine in New York in den frühen 1930er Jahren 500 gegeben haben soll, zum Konsum erhältlich. Die Tatsache, dass die Prohibitionsbehörde in Folge der Aufhebung des Alkoholverbots neue Aufgabenfelder brauchte, um die dortigen Arbeitsplätze zu sichern und Rohstofflobbys ihre Finger im Spiel hatten, führte schließlich dazu, dass der Chef der US-Drogenbehörde Federal Bureau of Narcotics (FBN), Harry J. Anslinger, einen Kreuzzug gegen die Cannabispflanze begann. Seine Argumentation stützte sich unter anderem auf rassistische Denkmuster und rassenhygienische Implikationen:
„Most marijuana smokers are colored people, jazz musicians, and entertainers. Their satanic music is driven by marijuana, and marijuana smoking by white women makes them want to seek sexual relations with Negroes, entertainers, and others. It is a drug that causes insanity, criminality, and death — the most violence-causing drug in the history of mankind.“
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Drogenstigmatisierung mittels Analyse des gesellschaftlichen Bildes von der „Rauschgiftabhängigkeit“ unter Berücksichtigung popkultureller Referenzen.
2. Drogen – Drogenkonsum – Stigma: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Drogenbegriff als soziales Konstrukt, der Klassifizierung von Konsummustern und Goffmans Stigmatisierungstheorie.
3. Repressive Drogenpolitik als Herrschaftsinstrument: Historische Analyse, wie Drogenverbote in den USA zur Kontrolle und Ausgrenzung von Minderheiten instrumentalisiert wurden.
4. Zwischenfazit: Zusammenführung der Erkenntnisse über die Verknüpfung von Drogenängsten, politischem Deckmantel und Machtstabilisierung der Eliten.
5. Drogenpolitik in Deutschland – Entwicklungen und rechtliche Grundlagen: Skizzierung des deutschen Drogenstrafrechts von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis zum Betäubungsmittelgesetz von 1971.
6. Die heutige drogenpolitische Praxis in der Bundesrepublik Deutschland: Untersuchung des Vier-Säulen-Modells und des vorherrschenden Doppelstandards zwischen legalen und illegalen Drogen in der Prävention.
7. Die Rolle der Sozialen Arbeit vor dem Hintergrund von Repression und Stigmatisierung – Konsequenzen und Möglichkeiten: Kritische Reflexion der Rolle der Suchthilfe und Plädoyer für einen Paradigmenwechsel hin zu Akzeptanz, Drogenmündigkeit und Empowerment.
8. Schlussbetrachtungen und Ausblick: abschließende Synthese der Ergebnisse sowie Aufruf zu politischem Engagement zur Überwindung der repressiven Prohibitionslogik.
Drogenpolitik, Stigmatisierung, Soziale Arbeit, Prohibition, Sucht, Erving Goffman, Pharmakologischer Calvinismus, Betäubungsmittelgesetz, Akzeptanzorientierung, Drogenmündigkeit, Empowerment, Kriminalisierung, Drogenkonsum, Suchtprävention, Sozialkonstruktivismus.
Die Arbeit analysiert die soziale und politische Konstruktion des Drogenkonsums als „soziales Problem“ und wie diese Konstruktion genutzt wird, um Drogengebraucher zu stigmatisieren und repressive Maßnahmen zu rechtfertigen.
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der internationalen Drogenpolitik, die soziologische Stigmatisierungstheorie, die rechtlichen Grundlagen der deutschen Drogenpolitik sowie die professionellen Handlungsspielräume und Dilemmata der Sozialen Arbeit.
Die Arbeit zielt darauf ab zu ergründen, warum und mit welchen Mitteln Drogenkonsumierende gesellschaftlich ausgegrenzt werden und wie Institutionen der Sozialen Arbeit dieser Stigmatisierung konstruktiv begegnen können, statt sie zu reproduzieren.
Der Autor führt eine tiefgehende Analyse von wissenschaftlicher Fachliteratur durch, die mit der historischen Entwicklung und der gegenwärtigen politischen Realität verglichen wird (literaturgestützte Diskursanalyse).
Der Hauptteil beleuchtet die historischen Ursprünge der Drogenprohibition (besonders in den USA), die rechtshistorische Entwicklung in Deutschland sowie die aktuelle Praxis der Drogenhilfe, insbesondere die Spannungsfelder zwischen staatlichem Kontrolldruck und akzeptanzorientierter Hilfe.
Wesentliche Begriffe sind Stigmatisierung, Prohibition, Soziale Arbeit, Drogenmündigkeit, Machtinstrumentalisierung und das „Vier-Säulen-Modell“.
Der Autor argumentiert, dass der Suchtbegriff geschichtlich instrumentalisiert wurde, um unerwünschte Verhaltensweisen moralisch zu diskreditieren und Minderheiten als „Sündenböcke“ für umfassendere gesellschaftliche Probleme darzustellen.
Die Soziale Arbeit wird dazu aufgerufen, ihre Rolle als Ordnungsinstrument kritisch zu reflektieren, sich von Abstinenzfixierungen zu lösen und stattdessen durch Empowerment und die Förderung von Drogenmündigkeit eine emanzipatorische Praxis zu etablieren.
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