Masterarbeit, 2019
72 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung und Fragestellung
2 Der Wunsch nach Sicherheit
2.1 Das Gewaltmonopol des Staates
3 Private Sicherheitsdienste und die Polizei
3.1 Bestehende Kooperationen in den Bundesländern der BRD
3.2 PPP – Public Private Partnership / Police Private Partnership
3.3 Realisierungs-Modi und Erscheinungsformen
3.3.1 Die Beleihung
3.3.2 Die Luftsicherheitskontrolle
3.3.3 Die Verkehrsüberwachung
3.4 Erscheinungsbild und Auftreten der Privaten
3.5 Männlichkeitspräsentationen
3.6 Ausbildung und Studium in der Sicherheitsbranche
4 Kriminalitätsfurcht und Sicherheitsbedürfnis
4.1 Kriminalitätsfurcht in der viktimären Gesellschaft
4.2 Vor-verlagerte Prävention und neue soziale Kontrolle
4.3 Differente Kontrollkulturen
4.4 Zur öffentlichen Wahrnehmung der privaten Sicherheitswirtschaft
4.5 Zerbrochene Fenster
5 Die Sicherheitsgesellschaft
5.1 Gouvernementalität und Sicherheit
5.2 Wie funktioniert Gouvernementalität?
5.3 Risikoprävention
6 Wohlfahrtsstaat versus Neoliberalismus
6.1 Der aktivierende Sozialstaat
6.2 Welfare - Workfare - Prisonfare
6.3 Blame-the-Victim, die Rache an der gelabelten Unterschicht
6.4 Reorganisation der Verwaltung: Eine Neuausrichtung mit Folgen
7 Abschließende Betrachtung
Die Arbeit untersucht ergebnisoffen, inwieweit im Aufgabenbereich der inneren Sicherheit in Deutschland Privatisierungs- und Entgrenzungsprozesse stattfinden und welche Auswirkungen diese auf Staat und Gesellschaft haben. Dabei wird insbesondere beleuchtet, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Polizei und privaten Sicherheitsdiensten gestaltet und inwiefern der Staat sich aus seinen Kernaufgaben zurückzieht oder diese lediglich reorganisiert.
Die private Sicherheitsbranche „boomt“
Die private Sicherheitsbranche „boomt“ (vgl. Merkel, 2016: 5). Doch ist hierin folglich ein Rückzug des Staates zu sehen oder vielmehr eine Reorganisation und Veränderung der Leistungstiefe durch die Konzentration auf wesentliche Aufgaben? Kann ein Rückgriff auf Private zu einer Entlastung der Polizei führen und gleichzeitig mehr Sicherheit schaffen? Wie wird diese Sicherheit gemessen und hat sich der Blick auf Sicherheit in den vergangenen Jahren verändert? Mehrere Autoren bewerten die stattfindende Aufgabenverlagerung sehr unterschiedlich.
Seitens weiter Teile der Bevölkerung wird die Einbeziehung Privater zur Gewährleistung der inneren Sicherheit interessanter Weise mittlerweile als normal empfunden (vgl. Schoch, 2009: 15) – und unter rechtlichen und staatspolitischen Vorzeichen wird die Einbeziehung Privater in die Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben sogar als Paradigmenwechsel propagiert (ebd.), während einige Autoren die Ablösung des klassischen, staatlichen Gewaltmonopols befürchten (ebd.). Es werden Sicherheitspartnerschaften gebildet, die Ursachen abweichenden Verhaltens im kommunalen Vorfeld erkennen und nach Möglichkeit präventiv ausschalten sollen (vgl. Trube/Wohlfahrt, 2003: 12). Die Sozialarbeit wird in ihrem professionellen Handeln zum Erfüllungsgehilfen sicherheitspolitischer Konzepte, die in Abstimmung mit den Ordnungsbehörden entwickelt werden (ebd.).
Es scheint sich eine neue Arbeitsteilung zwischen Staat und Privaten im Sinne einer verstärkten, privaten Eigen- und Mitverantwortung für die Gefahrenabwehr zu ergeben und die Befürchtung besteht, dass Sicherheit zu einem „käuflichen Gut [wird] für diejenigen, die es sich leisten können“ (Sack, 1995: 453).
1 Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in die Debatte um die Privatisierung staatlicher Sicherheitsaufgaben ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2 Der Wunsch nach Sicherheit: Es wird definiert, was Sicherheit als Schutzgut bedeutet und wie sich das Sicherheitsversprechen des Staates unter dem Einfluss neuer Bedrohungsszenarien gewandelt hat.
3 Private Sicherheitsdienste und die Polizei: Dieses Kapitel analysiert Erscheinungsformen und Kooperationsmodelle zwischen staatlichen Sicherheitsbehörden und der privaten Sicherheitsbranche.
4 Kriminalitätsfurcht und Sicherheitsbedürfnis: Hier wird der Zusammenhang zwischen medialer Berichterstattung, subjektivem Sicherheitsempfinden und der Forderung nach präventiven Kontrollmaßnahmen untersucht.
5 Die Sicherheitsgesellschaft: Anhand des Konzepts der Gouvernementalität nach Foucault wird erklärt, wie Sicherheit als moderne Steuerungstechnik im liberalen Staat funktioniert.
6 Wohlfahrtsstaat versus Neoliberalismus: Dieses Kapitel beleuchtet den Wandel der sozialstaatlichen Strategien hin zu einem aktivierenden und teils repressiven System unter neoliberalem Einfluss.
7 Abschließende Betrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass kein vollständiger Rückzug des Staates stattfindet, sondern eine Reorganisation der Sicherheitsarchitektur, in der der Staat weiterhin eine zentrale steuernde Rolle einnimmt.
Privatisierung, Sicherheit, Gewaltmonopol, Polizei, Sicherheitsdienste, Kriminalitätsfurcht, Gouvernementalität, Neoliberalismus, Sozialstaat, Prävention, Sicherheitsgesellschaft, Öffentliche Ordnung, Kooperation, Risiko, Sicherheitsbranche
Die Publikation analysiert die zunehmende Beteiligung privater Dienstleister an Aufgaben der inneren Sicherheit in Deutschland und hinterfragt, ob dies einen tatsächlichen Rückzug des Staates oder eine strategische Reorganisation darstellt.
Zentrale Themen sind die Arbeitsteilung zwischen Polizei und privaten Sicherheitsfirmen, die Veränderung des Sicherheitsbegriffes durch Risikoprävention sowie die Auswirkungen neoliberaler Politik auf staatliche Institutionen.
Die Arbeit untersucht, ob und in welchen Bereichen im Sektor der inneren Sicherheit Privatisierungs- und Entgrenzungsprozesse identifizierbar sind und welche Folgen dies für das Gewaltmonopol hat.
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse, die kriminologische, soziologische und politikwissenschaftliche Konzepte (wie Foucaults Gouvernementalität) zusammenführt, um die aktuelle Sicherheitslage zu bewerten.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Analysen zur Entstehung einer Sicherheitsgesellschaft, die Rolle privater Akteure bei Veranstaltungen und im öffentlichen Raum sowie die transformationellen Auswirkungen der wohlfahrtsstaatlichen Umgestaltung.
Wesentliche Begriffe sind „Privatisierung der Sicherheit“, „Gewaltmonopol“, „Kriminalitätsfurcht“, „Gouvernementalität“ und „Neoliberaler Sozialstaat“.
Der Autor argumentiert, dass Vergleiche mit den USA aufgrund der fehlenden Sonderbefugnisse privater Sicherheitskräfte in Deutschland nur begrenzt als Bedrohungsszenario taugen, da der deutsche Staat hierzulande weiterhin die regulatorische Kontrolle behält.
Die Ausbildung, insbesondere die zunehmende Verzahnung von polizeilichen Studieninhalten und Inhalten für Sicherheitsdienstleister, wird als entscheidender Faktor für eine zukünftige, professionellere Kooperation und als Indiz für die „Entgrenzung“ staatlicher Sicherheitsaufgaben gesehen.
Die Publikation untersucht, wie durch Symbole wie die „zerbrochene Fensterscheibe“ (Broken-Windows-Ansatz) Kriminalitätsfurcht instrumentalisiert wird, um den Übergang zu einem „Risikostrafrecht“ zu legitimieren und neue, präventive Kontrollorgane (wie die Angestellten im Polizeidienst in Hamburg) zu schaffen.
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