Bachelorarbeit, 2022
55 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Transgression: Grenzen und Überschreitungen
3 Das Katabasismotiv: Die „Höllenfahrt“ als Motivkomplex der Kultur- und Mediengeschichte
4 Ebenen der Transgression in The House that Jack Built
4.1 Transgression als narrative Strategie
4.2 Räume der Transgression
4.3 Ethisch-moralische Transgressionen
5 Zusammenfassung und Ausblick
Literaturverzeichnis
Filmografie
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht das Motiv der Katabasis (Höllenfahrt) in Lars von Triers Film "The House that Jack Built" und analysiert, wie dieses Motiv als transdisziplinäres Konzept zur Darstellung von Grenzüberschreitungen dient. Dabei wird insbesondere auf narrative, räumliche und ethisch-moralische Ebenen fokussiert, um die Verbindung zwischen künstlerischem Schaffen und moralischer Tabuverletzung zu beleuchten.
1 Einleitung
Im Oktober des Jahres 1888 erhielt der Leiter des Whitechapel Vigilante Committee London einen mysteriösen Brief, der mit den Worten „From Hell“ vom Verfasser signiert worden war. Mutmaßungen zufolge stammte der Brief vom berühmt-berüchtigten Serienmörder Jack the Ripper. Die Darstellung des Serienmörders in Fiktion und Filme wurde fortan gerne mit einer Teufels- und Höllenmetaphorik versehen, um so die Monströsität des Täter:in und seiner:ihrer Taten fassbar zu machen. Doch um diesen Ort – die Hölle – zu gelangen, muss zuerst die Grenze vom Diesseits ins Jenseits überschritten werden. Richtet sich dieser Grenzübertritt nach unten, ist im medialen Kontext von einer Katabasis die Rede. Die Katabasis wird als ein aus der Literaturwissenschaft stammendes medien- und kulturgeschichtliches Motiv seit seinen Ursprüngen in antiken Epen bis heute unter anderem im Serienmörderfilm reflektiert.
Häufig spielen dabei allerdings die Ermittler:innen eine übergeordnete Rolle. Als Beispiel wären die Romanverfilmungen der Hannibal-Lecter-Reihe zu nennen. Hier müssen sich die Detektiv:innen in den Täter hineinversetzen, um ihn dingfest zu machen. Allerdings begeben sie sich häufig selbst auf den gefährlichen Pfad in die Tiefe der menschlichen Abgründe. Noch konkreter wird es im Film Se7en (USA 1995). Hier sind die beiden Detektive einem Serienmörder auf den Fersen, der jeden seiner Morde einer der sieben Todsünden nachempfindet, wodurch ähnlich wie im vorliegenden Analysegegenstand dezidiert christlich-moralische Symbolwelt eröffnet wird.
1 Einleitung: Diese führt in das Thema der Katabasis im Serienmörderfilm ein und stellt die Forschungsfrage zur Rolle der Transgression in Lars von Triers *The House that Jack Built*.
2 Transgression: Grenzen und Überschreitungen: Hier werden theoretische Grundlagen des Begriffs der Transgression sowie das Verhältnis zwischen Norm und Grenzverletzung dargelegt.
3 Das Katabasismotiv: Die „Höllenfahrt“ als Motivkomplex der Kultur- und Mediengeschichte: Dieser Abschnitt erarbeitet die kunsthistorische und intertextuelle Tradition der Höllenfahrt, von antiken Epen bis zu modernen filmischen Umsetzungen.
4 Ebenen der Transgression in The House that Jack Built: Das Kernkapitel analysiert den Film auf narrativer, räumlicher und moralischer Ebene hinsichtlich seiner transgressiven Momente.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse der Analyse synthetisiert und ein Fazit zum transgressiven Potential des Films gezogen.
Katabasis, Höllenfahrt, Transgression, Lars von Trier, The House that Jack Built, Serienmörder, Raumsemantik, Nekya, Ethisch-moralische Tabuverletzung, Intermedialität, Medientheorie, Narratologie, Jenseitsvorstellungen, Filmästhetik, Kulturgeschichte.
Die Arbeit analysiert Lars von Triers Film "The House that Jack Built" unter dem speziellen Aspekt des Katabasismotivs, also der symbolischen Höllenfahrt, und wie diese genutzt wird, um Grenzüberschreitungen auf verschiedenen Bedeutungsebenen zu inszenieren.
Zentrale Themen sind Transgressionstheorien, die Kultur- und Mediengeschichte der Höllenfahrt, narrative Strukturen im Film sowie der allgemeine Metadiskurs über Kunst und Moral.
Ziel ist es zu untersuchen, wie das Konzept der Transgression den Film "The House that Jack Built" strukturiert und durch welche filmischen Mittel die Katabasis greifbar gemacht wird.
Die Arbeit nutzt medienwissenschaftliche und kulturanalytische Ansätze, insbesondere raumsemantische Modelle (nach Juri Lotman) sowie kulturtheoretische Konzepte zur Transgression (z.B. nach Georges Bataille und Michel Foucault).
Im Hauptteil wird der Film auf drei Ebenen analysiert: narrativ (als filmische Strategie), räumlich (Topografie von Oben/Unten) und ethisch-moralisch (das Tabu als Regelverstoß).
Die Arbeit ist charakterisiert durch Schlagworte wie Katabasis, Transgression, mediale Raumsemantik, Serienmörderfilm und filmische Ästhetik des Grauens.
Der Abgrund dient als topologisches Motiv, um das Unzugängliche und die metaphysische Dimension der Höllenfahrt zu fassen, und wird im Film visuell durch technische Mittel wie Negative und Montage verdeutlicht.
Jack verkörpert das absolut Böse als Unterkategorie des Ungeheuerlichen, dessen Handlungen die gesellschaftlichen Normen durch die bewusste Auslebung verbotener Phantasien massiv transgreieren.
Nach der Analyse legitimiert die Gesellschaft Grenzen erst durch deren Verletzung; der Film thematisiert dabei die Dialektik von Negation und Affirmation der Grenze als essentiell für die performative Kraft des Films.
Zusammenfassend dient der Film als Vehikel für archetypische Topographien, wobei Jacks Weg in die Hölle stets eine bewusste Inszenierung ist, die das kulturelle Archiv (Dante etc.) kritisch reflektiert.
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