Examensarbeit, 2008
121 Seiten, Note: 3
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1. Einleitung
2. Stilvergleich
2.1. Der Ironiker
2.2. Das Rauschen
3. Vergleich der Beziehungsverläufe
4. Vergleich der Figuren und Liebesbeziehungen
4.1. Die Vernünftigen: Der Hauptmann und Marlene
4.1.1. Der Hauptmann
4.1.1.1. Der Charakter des Hauptmanns
4.1.1.2. Liebe als Hochachtung: Der Hauptmann und Charlotte
4.1.2. Marlene
4.1.2.1. Marlenes Charakter
4.1.2.2. Erst Liebe, dann Freundschaft: Marlene und Leonhard
4.1.2.3. Liebe als Mittel zur Selbstverwirklichung: Marlene und Paul
4.1.3. Zwischenresümee: Der Angepasste versus die Individualistin
4.2. Die Moralischen: Charlotte und Leonhard
4.2.1. Charlotte
4.2.1.1. Charlottes Charakter
4.2.1.2. Liebe in Erinnerung: Charlotte und Eduard
4.2.1.3. Pflicht statt Liebe: Charlotte und der Hauptmann
4.2.2. Leonhard
4.2.2.1. Leonhards Charakter
4.2.2.2. Freundschaft statt Liebe: Leonhard und Marlene
4.2.2.3. Liebe als lebensstrategisches Projekt: Leonhard und Anja
4.2.3. Zwischenresümee: Schuldgefühl versus Schuldspruch
4.3. Die Leidenschaftlichen: Eduard und Paul
4.3.1. Eduard
4.3.1.1. Eduards Charakter
4.3.1.2. Liebe aus Trotz: Eduard und Charlotte
4.3.1.3. Liebe als Selbsthingabe: Eduard und Ottilie
4.3.2. Paul
4.3.2.1. Pauls Charakter
4.3.2.2. Prestigegewinn durch Liebe: Paul und Marlene
4.3.2.3. Liebe als Heilmittel: Paul und Anja
4.3.3. Zwischenresümee: Hingabe versus Statusdenken
4.4. Die Empfindsamen: Ottilie und Anja
4.4.1. Ottilie
4.4.1.1. Ottilies Charakter
4.4.1.2. Liebe als Ausdruck vollkommener Selbstlosigkeit: Ottilie und Eduard
4.4.1.3. Selbstopfer und Heiligung: Ottilies stiller Hungertod
4.4.2. Anja
4.4.2.1. Anjas Charakter
4.4.2.2. Die Liebe einer anderen: Anja und Leonhard
4.4.2.3. Eine erpresserische Liebe: Anja und ihr Sohn Daniel
4.4.2.4. Liebeskrank: Anja und Paul
4.4.2.5. Die Sehnsucht, aufgefangen zu werden: Anjas Sprung in den Tod
4.4.3. Zwischenresümee: Die Heilige versus die Heimsuchung
5. Resümee
6. Literatur
Die vorliegende Hausarbeit untersucht vergleichend die Beziehungsverläufe und Figurenkonstellationen in Johann Wolfgang Goethes „Die Wahlverwandtschaften“ und Dieter Wellershoffs „Der Liebeswunsch“. Das primäre Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie gemeinsame Motive wie Untreue, Ehebruch und die zerstörerische Kraft der Leidenschaft in den unterschiedlichen Epochen der Klassik/Romantik und der zeitgenössischen Literatur verhandelt werden.
4.1.1.1. Der Charakter des Hauptmanns
Auch wenn der Hauptmann einen Typus darstellt, und die Grenzen der Grundidee seiner Figur nicht verlässt, so weist er doch einen vielseitigen Charakter auf. Er lässt sich von den Geschehnissen am wenigsten erschüttern, zumal er in einer eher abhängigen Position ist, in der er seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Zu seinen Stärken gehört eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit, Selbstkontrolle und Einsichtsvermögen in das Machbare und Unvermeidliche. Darüber hinaus gehören Fleiß, Bescheidenheit, Wortkargheit, Besonnenheit, Pragmatismus und Ordnungsliebe zu seinen Eigenschaften. So gehört er nicht zu den Menschen, die sich unentbehrlich machen, sondern dafür Sorge tragen, dass nach ihrem Scheiden alles weiterhin reibungslos verlaufen kann:
Denn er hatte den Grundsatz, aus einem übernommenen Geschäft nicht zu scheiden, bis er seine Stelle genugsam ersetzt sähe. Ja er verachtete diejenigen, die, um ihrem Abgang fühlbar zu machen, erst noch Verwirrung in ihrem Kreise anrichten, indem sie als ungebildete Selbstler das zu zerstören wünschen, wobei sie nicht fortwirken sollen.
Als er in das Schloss zu Eduard und Charlotte stößt, befindet er sich zunächst in einer wirtschaftlich eher misslichen Lage, weil er seit einiger Zeit keine ihm und seinen Fähigkeiten angemessene Tätigkeit finden konnte. Im Schloss kommen nun seine vielfältigen Fähigkeiten zum Einsatz. Er misst beispielsweise das Gelände aus und erstellt eine Karte, bringt die Verwaltung auf Vordermann, richtet Polizei und Wohltätigkeitseinrichtungen ein und dergleichen mehr. Zwar werden wir als Leser nicht darüber in Kenntnis gesetzt, ob der Hauptmann adelig oder bürgerlich ist, allein seine Auffassung und Handlungsweisen weisen eindeutig bürgerliche Züge auf. Denn seine Handlungen sind von Rationalität, einer pragmatischen Grundhaltung und Ordnungsliebe durchdrungen.
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur Vergleichbarkeit der Romanbeziehungen zwischen Goethe und Wellershoff und Darlegung der Untersuchungsmethodik.
2. Stilvergleich: Untersuchung der unterschiedlichen Erzählweisen, wobei Goethes ironisch-nüchterner Stil dem modernen multiperspektivischen Erzählen bei Wellershoff gegenübergestellt wird.
3. Vergleich der Beziehungsverläufe: Gegenüberstellung der fünf Beziehungsphasen in beiden Werken, die trotz ähnlicher Viererkonstellation unterschiedliche Entwicklungen aufzeigen.
4. Vergleich der Figuren und Liebesbeziehungen: Detaillierte Charakteranalyse und Einteilung der Figuren in die Kategorien Vernünftige, Moralische, Leidenschaftliche und Empfindsame.
5. Resümee: Synthese der Ergebnisse, wobei die unterschiedliche Gesellschaftskritik und die Bedeutung der Treue als zentrales Motiv hervorgehoben werden.
6. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Johann Wolfgang Goethe, Dieter Wellershoff, Die Wahlverwandtschaften, Der Liebeswunsch, Liebesbeziehungen, Leidenschaft, Ehebruch, Rationalität, Moral, Charakterstudie, Literaturvergleich, Gesellschaftskritik, Treue, Postmoderne, Klassik.
Die Arbeit vergleicht das Beziehungsverhalten und die Figurenkonstellationen in Goethes „Die Wahlverwandtschaften“ und Wellershoffs „Der Liebeswunsch“.
Zentrale Themen sind die menschliche Wahlfreiheit gegenüber dem Determinismus, die Rolle der Leidenschaft, die Bedeutung von Moralvorstellungen und das Scheitern von Lebensentwürfen.
Das Ziel ist herauszuarbeiten, welche Themen und Aussagen bei beiden Autoren in der Auseinandersetzung mit identischen Motiven wie Untreue und Ehebruch in den jeweiligen Epochen dominieren.
Es wird eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die auf der Charakterisierung einzelner Figuren und einer Gegenüberstellung von Beziehungsphasen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Stilanalyse, eine Untersuchung der Beziehungsverläufe sowie eine tiefgehende Charakterisierung und Kategorisierung der acht Hauptfiguren.
Wichtige Begriffe sind Liebesbeziehungen, Leidenschaft, Ehebruch, Rationalität, Moral, Charakterstudie und literaturwissenschaftlicher Epochenvergleich.
Anja wird als zentrale, aber hochgradig orientierungslose Gestalt bei Wellershoff gezeichnet, deren Handeln massiv durch die Abhängigkeit von ihrer Mutter geprägt ist und die letztlich am Leben scheitert.
Der Titel deutet auf die Sehnsucht nach einer Erlösung durch Liebe hin, wobei Wellershoff aufzeigt, dass dieser Wunsch in einer individualistischen Gesellschaft oft zur Selbstzerstörung führt.
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