Bachelorarbeit, 2019
62 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung, Relevanz und Problemstellung
2 Stand der Forschung
3 Theoretischer Rahmen: Der Multiple-Streams-Ansatz
3.1 Das Garbage Can Model
3.2 Prämissen und Grundannahmen des Multiple-Streams-Ansatzes
3.3 Die Erweiterung des Ansatzes durch Nikolaos Zahariadis
4 Methodik und Hypothesen
5 Fallauswahl und Vergleichbarkeit
6 Operationalisierung und Konzeptualisierung
7 Analyse
7.1 Fall 1 – Der Prozess im Zeitraum von 2001 bis 2004
7.2 Fall 2 – Der Prozess im Zeitraum von 2004 bis 2006
7.3 Vergleich der Untersuchungszeitpunkte
8 Diskussion der Ergebnisse und Grenzen des Multiple-Streams-Ansatzes
8.1 Diskussion der Ergebnisse und Beantwortung der Forschungsfrage
8.2 Der Multiple-Streams-Ansatz: Grenzen und Kritik
9 Fazit
Die Arbeit untersucht, unter Anwendung des Multiple-Streams-Ansatzes von John W. Kingdon und dessen parlamentarischer Erweiterung durch Nikolaos Zahariadis, warum die Föderalismusreform 1 im Jahr 2006 erfolgreich umgesetzt werden konnte, während ein früherer Reformversuch im Zeitraum von 2001 bis 2004 scheiterte.
3.1 Das Garbage Can Model
Das Garbage Can Model, zu Deutsch oft mit „das Mülleimer-Modell“ übersetzt, stellt den Ausgangspunkt der nachfolgenden Arbeiten von Zahariadis und Kingdon dar.
Es beschreibt, wie komplexe Entscheidungen innerhalb von Organisationen getroffen werden. In dem Originaltext aus dem Jahr 1972 bezeichnen die Autoren Organisationen als „organisierte Anarchien“. Dabei sind vor allem drei Annahmen von ausschlaggebender Bedeutung: (1) Präferenzen bilden sich erst während des Entscheidungsprozesses aus. Policy Making kann folglich nicht auf festgelegten Präferenzen und rationalen Problemlösungsprozessen basieren. Dazu heißt es im Originaltext:
The organization operates on the basis of a variety of inconsistent and ill-defined preferences. It can be described better as a loose collection of ideas than as a coherent structure; it discovers preferences through action more than it acts on the basis of preferences. (Cohen et al. 1972, 1)
Zudem muss von (2) unklaren Technologien innerhalb einer Organisation ausgegangen werden. Demnach wüssten die Mitglieder einer Organisation nicht, wie die internen Prozesse der Organisation strukturiert seien. Vielmehr werde nach einer „trial-and-error procedure“ gearbeitet, bei der Rückschläge hingenommen würden, um aus ihnen zu lernen (vgl. ebd.) (3) Weiter handelt es sich bei den Mitgliedern einer Organisation um eine sich in Bewegung und Austausch befindende Masse an partizipierenden Menschen. „Participants vary in the amount of time and effort they devote to different domains; involvement varies from one time to another” (ebd.). Deshalb sei die interne Struktur einer Organisation von stetiger Unsicherheit geprägt (vgl. ebd.).
1 Einleitung, Relevanz und Problemstellung: Das Kapitel führt in die Thematik der föderalen Staatsordnung ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der erfolgreichen Implementation der Föderalismusreform 1.
2 Stand der Forschung: Dieser Abschnitt ordnet die Arbeit in den bestehenden Forschungsdiskurs zu Verfassungsänderungen und dem Multiple-Streams-Ansatz ein.
3 Theoretischer Rahmen: Der Multiple-Streams-Ansatz: Das Kapitel erläutert das methodische Instrumentarium, das auf dem Garbage Can Model aufbaut und um die spezifische Anwendung auf parlamentarische Systeme ergänzt wird.
4 Methodik und Hypothesen: Hier wird die Wahl der Prozessanalyse (process tracing) begründet und die der Arbeit zugrunde liegenden Annahmen werden formuliert.
5 Fallauswahl und Vergleichbarkeit: Der Abschnitt erläutert die Kriterien der Fallauswahl mittels des „most similar system design“ für die beiden untersuchten Zeiträume.
6 Operationalisierung und Konzeptualisierung: Es werden die messbaren Konzepte aus dem Multiple-Streams-Ansatz für die nachfolgende Analyse definiert.
7 Analyse: Das Kapitel führt die detaillierte Prozessanalyse der zwei Fälle sowie deren direkten Vergleich durch.
8 Diskussion der Ergebnisse und Grenzen des Multiple-Streams-Ansatzes: Die Ergebnisse werden synthetisiert, die Forschungsfrage beantwortet und die Schwachstellen des gewählten theoretischen Modells kritisch hinterfragt.
9 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt die Relevanz der Reife der drei Streams sowie der Arbeit der Policy Entrepreneurs für den Erfolg der Reform.
Föderalismusreform, Multiple-Streams-Ansatz, Policy Entrepreneurs, Agenda Setting, Prozessanalyse, Politikverflechtungsfalle, Verfassungsänderung, Garbage Can Model, Policy Communities, parlamentarisches System, Kopplung, Gelegenheitsfenster, politische Entscheidungsprozesse.
Die Arbeit analysiert, warum die als notwendig erachtete Föderalismusreform 1 in Deutschland erst im Jahr 2006 erfolgreich implementiert werden konnte, nachdem ein vorangegangener Anlauf zwischen 2001 und 2004 gescheitert war.
Im Zentrum stehen die Reform der Bund-Länder-Beziehungen, die Funktionsmechanismen des deutschen Föderalismus sowie die Theorie des Agenda Settings in parlamentarischen Systemen.
Ziel ist es, die politischen Kausalmechanismen zu identifizieren, die zu unterschiedlichen politischen Ergebnissen – Scheitern versus Erfolg – bei demselben Vorhaben geführt haben.
Die Arbeit verwendet eine qualitative Prozessanalyse (process tracing), kombiniert mit einer vergleichenden Politikfeldanalyse, um die beiden Reformprozesse strukturiert gegenüberzustellen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch den Multiple-Streams-Ansatz, die methodische Einordnung und die detaillierte empirische Untersuchung der Ströme (Problem-, Policy- und Politics-Stream) in den zwei betrachteten Zeiträumen.
Die zentralen Begriffe sind Föderalismusreform, Multiple-Streams-Ansatz, Policy Entrepreneurs, Agenda Setting und Politikverflechtungsfalle.
Der zweite Anlauf (2004–2006) war erfolgreich, da hier im Gegensatz zum ersten Anlauf eine Reife aller drei Streams vorlag, ein politisches Gelegenheitsfenster geöffnet war und die Policy Entrepreneurs die Kopplung der Ströme erfolgreich vollziehen konnten.
Dem ersten Versuch fehlte es an einem reifen Policy-Stream mit tragfähigen Reformoptionen sowie an einem ausreichend geöffneten Gelegenheitsfenster für einen nachhaltigen Agenda-Wandel.
Sie fungieren als Akteure, die versuchen, ihre Reformziele durch die Kopplung der drei Ströme (Problem, Policy, Politics) voranzutreiben, sobald sich ein günstiges Gelegenheitsfenster bietet.
Der Regierungswechsel hin zur Großen Koalition schuf ein politisch günstiges Klima und ein neues "political window", wodurch das Reformvorhaben fest im Koalitionsvertrag verankert und damit erfolgreich auf die Entscheidungsagenda gesetzt werden konnte.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

