Masterarbeit, 2021
76 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Zur Bedeutung von Bildung in Deutschland
2.1. Geschichte des deutschen Schulsystems
2.2. Aktuelle Struktur des deutschen Schulsystems
2.3. Hintergrund und Entwicklung der Bildungsexpansion
3. Zum Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg
3.1. Primäre und Sekundäre Reproduktionsmechanismen
3.2. PISA- Studie
4. Schule als gesellschaftlicher Platzanweiser
4.1. Das meritokratische Leistungsprinzip
4.2. Reproduktion von Bildungsungleichheit durch Normalitätskonstruktionen
4.3. Schule als Institution der Mittelschicht?
4.4. Übergangsempfehlungen als Wegweiser des Bildungsweges
4.5. Kompositionseffekte durch Schulform und Lerngruppe
5. Theoretische Erklärungsansätze zur Reproduktion von Chancenungleichheit
5.1. Der Habitusbegriff nach Bourdieu
5.2. Habitussensibilität
5.3. Kapitalarten nach Bourdieu
5.4. Soziale Klassen nach Bourdieu
5.5. Zum Verhältnis der Theorien Bourdieus und Boudons
5.6. Kritische Überlegungen zur Theorie sozialer Machtreproduktion
6. Simulationsspiel zur Vermittlung soziologischer Theorien
6.1. Einsatz von Simulationsspielen in der empirischen Forschung
6.2. Spielaufbau
6.3. Spielverlauf
6.4. Reflexion des Simulationsspiels
6.5. Erfahrung unterschiedlicher Kapitalverfügung anhand des Simulationsspiels
7. Datenerhebung des eigenen Forschungsbeitrags
7.1. Die Gruppendiskussion
7.2. Institution und TeilnehmerInnen des Forschungsbeitrag
7.3. Die Dokumentarische Methode als Analyseinstrument
8. Forschungsbeitrag: Analyse der Gruppendiskussion
8.1. Thematische Gliederung
8.2. Detaillierte formulierende Interpretation
8.3. Reflektierende Interpretation
9. Transkript 2: Die Verknüpfung von Elternhaus und Bildungserfolg
9.1. Thematische Gliederung
9.2. Detaillierte formulierende Interpretation
9.3. Reflektierende Interpretation
10. Transkript 3: Einflussfaktoren für die Übergangsempfehlungen
10.1. Thematische Gliederung
10.2. Detaillierte formulierende Interpretation
10.3. Reflektierende Interpretation
11. Resümee des eigenen Forschungsteils
12. Interventionsmaßnahmen zum Abbau sozialer Bildungsungleichheit am Beispiel der Gesamtschule Wuppertal- Barmen
13. Fazit
Die Arbeit untersucht die Mechanismen der Reproduktion sozialer Ungleichheit im deutschen Bildungssystem, wobei ein besonderer Fokus auf der Rolle der Bildungsinstitution Schule sowie dem Konzept der Habitussensibilität liegt. Das Hauptziel der Forschungsarbeit ist die Identifikation institutioneller und individueller Faktoren, welche zur Verstärkung oder Reduzierung von Bildungsungleichheit beitragen können.
4.1. Das meritokratische Leistungsprinzip
Bildung und Leistung in der demokratisch modernen Gesellschaft bilden den zentralen und nahezu „alternativlosen“ Mechanismus, der über die Verteilung von Lebenschancen entscheidet. Güter und Belohnungen sollen demnach nach individuellen Leistungen verteilt werden, wobei Chancen beim Bildungserwerb beziehungsweise bei der Leistungsakkumulation nicht von Faktoren sozialer Herkunft abhängen dürfen. Laut Kultusministerkonferenz gilt in Deutschland das Gebot der Chancengleichheit. Zum Übergang von der Grundschule heißt es: „Jedem Kind muss - ohne Rücksicht auf Stand und Vermögen der Eltern - der Bildungsweg offenstehen, der seiner Bildungsfähigkeit entspricht“ (KMK 2003, S. 4 zit. nach Becker, Lauterbach 2007, S.244). Anhand dieser Forderung wird deutlich, dass einerseits die Unabhängigkeit von Stand und Vermögen gefordert wird, andererseits bei der Bildungsfähigkeit Differenzen vorgenommen werden. Unklar bleibt, ob eine Verbindung zwischen Bildungsfähigkeit und sozialer Herkunft besteht und inwiefern den ungleichen Voraussetzungen beispielsweise durch die Institution Schule entgegengewirkt werden soll. Die Stellungnahme des KMK stellt lediglich eine gesellschaftlich verbreitete Ideologie der Chancengleichheit dar, die der Verschleierung systemimmanenter Reproduktionsmechanismen dient.
Letztendlich handelt es sich um eine scheinbare Legitimation sozial selektiver Mechanismen, die den herrschenden Klassen dazu verhilft, ihre Macht- und Herrschaftspositionen zu festigen. Unter dem Deckmantel der Chancengleichheit werden bestehende Strukturen legitimiert und perpetuiert, indem die Verantwortung des Systems geleugnet und an die Betroffenen zurückgegeben wird (vgl. Becker 2007, S.244). Das meritokratische System gilt dabei als Rechtfertigung ungleicher Bildungsabschlüsse. Politische Slogans wie „Leistung lohnt sich“ oder „Aufstieg durch Bildung“ bilden das Versprechen der Leistungsgesellschaft. Der Begriff der Meritokratie leitet sich vom Lateinischen („meritum“: Verdienst und „kratein“: herrschen) ab. Er impliziert eine soziale Herrschaftsordnung, die sich durch die Anstrengung und Leistungsfähigkeit der Individuen legitimiert. Soziale Ungleichheiten gelten als legitim, weil sie nicht willkürlich, sondern der individuellen Leistung geschuldet sind (vgl. Hadjar 2008, S.44).
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Bildungsungleichheit und Darstellung der Forschungsrelevanz sowie der Problemstellung durch hartnäckige Reproduktionsmechanismen.
2. Zur Bedeutung von Bildung in Deutschland: Analyse der Geschichte, Struktur und Bildungsexpansion des deutschen Schulwesens sowie deren Auswirkungen auf soziale Teilhabe.
3. Zum Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg: Darstellung primärer und sekundärer Herkunftseffekte und deren Bedeutung durch soziologische Studien wie PISA.
4. Schule als gesellschaftlicher Platzanweiser: Diskussion der Selektionsfunktion der Schule, des Meritokratie-Ideals und der Normalitätskonstruktionen als Reproduktionsmittel.
5. Theoretische Erklärungsansätze zur Reproduktion von Chancenungleichheit: Fundierte theoretische Auseinandersetzung mit Bourdieus Habitus- und Kapitaltheorie im Kontrast zu Boudons Rational-Choice-Ansatz.
6. Simulationsspiel zur Vermittlung soziologischer Theorien: Beschreibung einer didaktischen Intervention zur Vermittlung soziologischer Reproduktionstheorien durch Rollen- und Planspiele.
7. Datenerhebung des eigenen Forschungsbeitrags: Erläuterung der qualitativen methodischen Vorgehensweise mittels Gruppendiskussionen mit Lehrkräften nach der dokumentarischen Methode.
8. Forschungsbeitrag: Analyse der Gruppendiskussion: Analyse und Interpretation der Gruppendiskussion bezüglich der Wahrnehmung sozialer Klassen und Kapitalausstattung.
9. Transkript 2: Die Verknüpfung von Elternhaus und Bildungserfolg: Untersuchung der Lehrerperspektive auf den Einfluss des Elternhauses als Determinante für schulischen Erfolg.
10. Transkript 3: Einflussfaktoren für die Übergangsempfehlungen: Analyse der Kriterien und subjektiven Faktoren bei der Vergabe von Übergangsempfehlungen durch das Lehrpersonal.
11. Resümee des eigenen Forschungsteils: Zusammenfassende Betrachtung der gewonnenen Erkenntnisse über Lehrerhabitus und soziale Selektivität.
12. Interventionsmaßnahmen zum Abbau sozialer Bildungsungleichheit am Beispiel der Gesamtschule Wuppertal- Barmen: Untersuchung praktischer schulischer Lösungsansätze gegen Bildungsbenachteiligung.
13. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Möglichkeiten und Grenzen schulischer Kompensationsleistungen im Hinblick auf Bildungsungerechtigkeit.
Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, Pierre Bourdieu, Habitus, Habitussensibilität, Kapitaltheorie, Schule, Meritokratie, Chancengleichheit, Bildungsreform, Reproduktion, Soziale Klasse, Übergangsempfehlungen, Gruppendiskussion, Dokumentarische Methode.
Die Arbeit befasst sich mit der fortbestehenden sozialen Bildungsungleichheit in Deutschland und analysiert, inwieweit die Schule als Institution diese Reproduktion von Klassenverhältnissen bewusst oder unbewusst unterstützt.
Im Zentrum stehen die Konzepte der sozialen Herkunft, des Habitus nach Bourdieu, das meritokratische Leistungsprinzip, die Rolle von Übergangsempfehlungen sowie die notwendige Sensibilisierung von Lehrkräften für diese Thematiken.
Die Autorin untersucht, wie Bildungsungleichheit institutionell reproduziert wird und welche Rolle der Habitus der Akteure (Lehrkräfte und Eltern) dabei spielt, um daraus Potenziale für eine habitussensible pädagogische Praxis abzuleiten.
Die Autorin verwendet eine Kombination aus einer theoretischen Aufarbeitung soziologischer Konzepte und einem qualitativen empirischen Forschungsteil, der auf einem Simulationsspiel zur Theorievermittlung und darauf aufbauenden Gruppendiskussionen mit Lehrkräften basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse von Bourdieus Kapitaltheorie und die empirische Auswertung von Gruppendiskussionen, die zeigen, wie Lehrkräfte ihre subjektive Sicht auf den Zusammenhang von Elternhaus und Bildungserfolg konstruieren.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kapitaltheorie, Habitus und Bildungsselektion charakterisieren, die zusammen das komplexe Geflecht aus institutionellen Strukturen und individuellen Handlungsmustern beschreiben.
Das Simulationsspiel dient als "Grundreiz" oder Impulsgeber, um die Lehrkräfte mit der Thematik der Kapitalverfügung und den daraus resultierenden Chancen oder Barrieren innerhalb ihrer beruflichen Rolle emotional und reflexiv zu konfrontieren.
Die Studie zeigt auf, dass Lehrkräfte bei der Vergabe von Übergangsempfehlungen neben schulischen Leistungen oft stark von Erwartungen an elterliches Engagement und einer persönlichen Einschätzung des familiären Hintergrunds beeinflusst werden, was soziale Selektivität begünstigen kann.
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