Bachelorarbeit, 2020
61 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Vergebung und Versöhnung
2.1 Definitionen
2.1.1 Vergebung
2.1.2 Versöhnung
2.2 Vergebungs- und Versöhnungsmodelle
2.2.1 Prozessmodell der Vergebung
2.2.2 FREE- und REACH-Modelle
2.2.3 Bedürfnisbasiertes Modell der Versöhnung
2.3 Strukturen und Forschungsstand
2.3.1 Die Konfliktparteien: Opfer und Täter
2.3.2 Rolle einer dritten Partei
2.3.3 Empowerment und Akzeptanz
2.3.4 Kontakt und Vertrauen
2.3.5 Empathie
3 Konflikte, Vergebung und Versöhnung im Unternehmen
3.1 Konflikte am Arbeitsplatz
3.1.1 Entstehung von Arbeitsplatzkonflikten
3.1.2 Auswirkungen von unbewältigten Arbeitsplatzkonflikten
3.2 Nutzen von Vergebung und Versöhnung
4 Prospektive Evaluation I – Bedarfsanalyse
4.1 Problembestimmung
4.2 Zielgruppe
4.3 Zielbestimmung
5 Diskussion zweier Maßnahmen
5.1 Maßnahme 1: Metapherbrücke
5.2 Maßnahme 2: Reconciliation education – ein kombiniertes Programm
5.3 Vergleich
6 Prospektive Evaluation II – Konzeptionsanalyse
6.1 Implementierung der Maßnahme
6.1.1 Teil I: Informationsveranstaltung
6.1.2 Teil A: Empowerment-Übung
6.1.3 Teil B: REACH-Arbeitsheft
6.1.4 Teil C: Akzeptanzübung
6.1.5 Teil D: Kapitel 15 aus Vergebung als Chance: Neuen Mut fürs Leben finden
6.2 Wirkmodell
6.3 Rahmenbedingungen
6.3.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
6.3.2 Organisationale Rahmenbedingungen
6.3.3 Sozial-kontextuelle Rahmenbedingungen
7 Prozess- und Ergebnisevaluation
7.1 Formative Evaluation
7.2 Summative Evaluation
7.2.1 Ablauf und Hypothesen
7.2.2 Messinstrumente
8 Projektskizze
9 Diskussion
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Lücke in der betrieblichen Praxis zu schließen, indem sie eine theorie- und evidenzbasierte Interventionsmaßnahme zur Förderung der Versöhnung zweier oder mehrerer Konfliktparteien in Unternehmen entwickelt. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie etablierte Vergebungsmodelle und aktuelle Versöhnungsforschung in einem praktischen Wirkmodell kombiniert werden können, um nachhaltige Konfliktlösungen am Arbeitsplatz zu erreichen.
2.1.1. Vergebung
Eine Situation, in der sich Vergebung vollziehen kann, setzt zwei Bedingungen voraus: (1) Eine (oder mehrere) Person(en) wurde(n) von einer (oder mehreren) anderen Person(en) geschädigt oder verletzt. (2) Die Verletzung muss der (oder den) Person(en), der(die) die Verletzung erfahren hat (haben), als solche bewusst sein (Kurzynski, 1998, S. 81). Die Bereitschaft dazu entsteht durch prosoziale Veränderungen der kognitiven und emotionalen Einstellungen des Opfers. So ist Vergebung ein Prozess (z.B. Enright, 2006; Kurzynski, 1998). Dabei wird nicht nur die Schuld des Täters oder die Verletzung durch diesen berücksichtigt, sondern auch weitergehende Aspekte mit einbezogen (Rusbult, Hannon, Stocker & Finkel, 2005, S. 187). McCullough, Worthington und Rachal (1997) definieren Vergebung entsprechend als „…set of motivational changes whereby one becomes (a) decreasingly motivated to retaliate against an offending relationship partner, (b) decreasingly motivated to maintain estrangement from the offender, and (c) increasingly motivated by conciliation and goodwill for the offender, despite the offender's hurtful actions“ (S. 321-322). Es findet also eine motivationale Wandlung statt. Der Vergeltungswunsch nimmt ab und die Bereitschaft zur Wiederannäherung steigt, zugunsten Wohlwollens, Mitgefühl und Liebe (Enright, 2006, S. 38).
Worthington, van Witvliet, Pietrini & Miller (2007) unterscheiden willentliche Vergebung von emotionaler Vergebung. Bei der willentlichen Vergebung geht es um die kognitive Entscheidung, zu vergeben und sich dem Täter gegenüber wohlwollend zu verhalten (Worthington et al., 2007). Dies deckt sich mit der philosophischen Sichtweise auf Vergebung als freiem Willensakt (Kurzynski, 1998). Emotionale Vergebung meint das Ersetzen negativer Emotionen durch positive Emotionen (Worthington et al., 2007). Die dargestellten Definitionsbestandteile machen den intrapersonalen Charakter von Vergebung deutlich. Aquino, Tripp und Bies (2006, S. 645) fassen die Literatur diesbezüglich zusammen, indem sie Vergebung als inneren Akt des Aufgebens von Wut, Ressentiments und dem Wunsch, sich an dem Täter zu rächen, beschreiben.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische und wissenschaftliche Relevanz von Vergebung und Versöhnung im Kontext der Psychologie und betont den Bedarf für entsprechende Interventionen am Arbeitsplatz.
2 Vergebung und Versöhnung: Dieses Kapitel definiert und grenzt die zentralen Konstrukte ab, diskutiert prominente Prozess- und Bedürfnismodelle und fasst den aktuellen Forschungsstand zu Konfliktparteien und Einflussparametern zusammen.
3 Konflikte, Vergebung und Versöhnung im Unternehmen: Zentrale Arten von Arbeitsplatzkonflikten, deren Ursachen sowie Auswirkungen auf die organisationale und individuelle Ebene werden erörtert.
4 Prospektive Evaluation I – Bedarfsanalyse: Hier wird der Bedarf für eine Versöhnungsintervention analysiert, die Zielgruppen definiert und das übergeordnete Ziel der Maßnahmen festgelegt.
5 Diskussion zweier Maßnahmen: Zwei unterschiedliche Ansätze, die "Metapherbrücke" und das entwickelte Programm "Reconciliation education", werden gegenübergestellt und kritisch geprüft.
6 Prospektive Evaluation II – Konzeptionsanalyse: Das Kapitel detailliert die praktische Implementierung des gewählten "Reconciliation education"-Programms inklusive der einzelnen Trainingsbausteine und Rahmenbedingungen.
7 Prozess- und Ergebnisevaluation: Hier werden Konzepte zur formativen und summativen Evaluation vorgestellt, um die Wirksamkeit der Intervention zu prüfen.
8 Projektskizze: Eine kompakte Zusammenfassung des Interventionskonzepts bietet einen strukturierten Überblick über das Vorhaben.
9 Diskussion: Die Arbeit reflektiert die Ergebnisse, hinterfragt die Nachhaltigkeit betrieblicher Interventionen bei schwerwiegenden Konflikten und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsnotwendigkeiten.
Versöhnung, Vergebung, Arbeitsplatzkonflikte, Interventionsmaßnahme, Bedürfnisbasiertes Modell, Empowerment, Akzeptanz, Empathie, Konfliktmanagement, Soziale Identität, Betriebliche Psychologie, Prätest-Posttest-Design, Personalentwicklung, Bedürfnis nach Kontrolle, Organisationales Klima.
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Konzeption einer psychologischen Interventionsmaßnahme, die darauf abzielt, die Versöhnung zwischen Konfliktparteien in einem Unternehmen zu fördern.
Die Arbeit verbindet theoretische Grundlagen der Vergebungs- und Versöhnungspsychologie mit den speziellen Anforderungen eines organisationalen Arbeitsplatzumfelds.
Das primäre Ziel ist die Ableitung eines effektiven, theoriebasierten Interventionsprogramms, das unbewältigte Konflikte am Arbeitsplatz durch eine nachhaltige Wiederherstellung der Beziehung zwischen Täter und Opfer adressiert.
Die Autorin nutzt eine prospektive Evaluationsmethode nach Gollwitzer und Jäger, um eine bestehende Interventionslücke systematisch zu schließen und die Maßnahme bedarfsgerecht zu konzipieren.
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Analyse der Versöhnungsmodelle (z. B. REACH, NBMR), eine Untersuchung der Konflikteskalation am Arbeitsplatz sowie die detaillierte Vorstellung und Begründung des entwickelten "Reconciliation education"-Programms.
Wesentliche Begriffe sind Versöhnung, Vergebung, Empowerment, Arbeitsplatzkonflikte, Empathie, Akzeptanz und Konfliktmanagement.
Das Programm wird aufgrund seiner theorie- und evidenzbasierten Fundierung sowie seiner universelleren Anwendbarkeit, sowohl für akute als auch präventive Zwecke, gegenüber der erfahrungsbasierten Metapherbrücke ausgewählt.
Duals sind Parteien, die in einer Konfliktsituation gleichzeitig Opfer- und Täterrollen einnehmen, was das Bedürfnis nach Empowerment und Akzeptanz komplexer macht.
Empathie gilt als "elementarer Schritt" im Versöhnungsprozess, da sie eine Rehumanisierung der Gegenseite bewirkt und damit die Voraussetzung für prosoziales Verhalten und die Überwindung von Wut und Groll schafft.
Das Tagebuchschreiben (Journaling) soll den Teilnehmenden helfen, Fortschritte und neue Erkenntnisse individuell festzuhalten, den Transfer auf den Arbeitsalltag zu reflektieren und den persönlichen Lernprozess zu strukturieren.
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