Diplomarbeit, 2009
73 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Charakteristika und Finanzintegration von emerging markets
2.1. Charakteristika von emerging markets
2.1.1. Begriffserklärung und Kennzeichen von emerging markets
2.1.2. Länderrisiko von emerging markets
2.2. Finanzintegration der emerging markets
2.2.1. Globalisierung und Liberalisierung der Finanzmärkte
2.2.2. Potentiale und Gefahren des liberalisierten Kapitalverkehrs
2.2.3. Arten der Kapitalzuflüsse in emerging markets
3. Internationale staatliche Verschuldung
3.1. Umschuldungsregimes
3.1.1. Die Rolle der öffentlichen Kreditgeber
3.1.2. Die Rolle privater Kreditgeber
3.2. Moral Hazard und Fehlanreize in Verschuldungskrisen
3.2.1. Moral Hazard auf internationaler Ebene
3.2.2. Overborrowing Effekte bei Banken und Ländern
3.2.3. Debt laffer curve und Staatsverschuldung
3.3. Potentielle Gefahren bei Umschuldungen
3.3.1. Souveränität staatlicher Schuldner
3.3.2. Heterogenität staatlicher Schulden
3.3.3. Kollektive Handlungsprobleme durch private Gläubiger
3.3.3.1 Rush to the exit
3.3.3.2 Rogue Creditors, Free Rider und Holdout Creditors
3.3.3.3 Rush to the courthouse
4. Umschuldungsprozess und Restrukturierungsvorschläge
4.1. Rahmenbedingungen der Umschuldung
4.1.1. Anreize der Schuldenrückzahlung und Sanktionsmöglichkeiten
4.1.2. Bestimmung der Schuldentragfähigkeit
4.1.3. Einordnung von heterogenen Forderungen
4.1.4. Finanzierung der Umschuldung
4.2. Diskussion bisheriger Lösungsansätze
4.2.1. Collective Action Clauses – CAC
4.2.2. Code of Conduct
4.2.3. Private Sector Involvement
4.2.4. Internationale Insolvenzrechtsverfahren – SDRM
4.2.5. Zwischenfazit
5. Analyse der Umschuldungsaktion Argentiniens
5.1. Rekordumschuldung Argentiniens
5.1.1. Argentiniens Default
5.1.2. Das Umschuldungsangebot
5.2. Argentinien - Ein riskanter Präzedenzfall?
5.2.1. Kritische Betrachtung der Umschuldung
5.2.2. Mängel im Umgang mit einem „rogue debtor“
5.2.3. Folgen auf nationaler sowie auf internationaler Basis
6. Fazit und Politikempfehlungen zur Optimierung von Umschuldungs prozessen in Schwellenländern
Die Arbeit analysiert die Problematik internationaler staatlicher Verschuldung in Schwellenländern und untersucht die Gestaltung von Umschuldungsprozessen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob eine rein marktbasierte Lösung ausreicht oder ob die Schaffung supranationaler Rahmenbedingungen eine effizientere Restrukturierung fördern kann.
3.3.3.2 Rogue Creditors, Free Rider und Holdout Creditors
Ein in der Literatur benanntes Kernproblem einer geregelten Durchführung von Umschuldungsprozessen ist das so genannte „rogue creditors“, „free-rider“ oder „holdout“-Problem. Wenn Einstimmigkeit für Entscheidungen zur Schuldenrestrukturierung gefordert wird, die für die überwiegende Mehrheit der Gläubiger vorteilhaft ist, kann eine Minderheit von Gläubigern, die rogue creditors, durch ihre Nicht-Beteiligung den Umschuldungsverlauf erheblich stören und hohe Kosten verursachen.
Unter US- oder deutschem Recht emittierte Anleihen erlauben es Minderheiten von Gläubigern, Umschuldungsübereinkommen zu blockieren, da eine Änderung der Zahlungsbedingungen Einstimmigkeit aller Gläubiger verlangt. Schuldenumwandlungen werden somit verzögert und in ihrer Effektivität unterminiert. Anne Krueger stellt fest: „...In the current environment, it may be particularly difficult to secure high participation from creditors as a group, as individual creditors may consider that their best interests would be severed by trying to free-ride...These difficulties may be amplified by the prevalence of complex financial instruments...which in some cases may provide investors to holdout...rather than in participating in a restructuring...“
Schwierig ist es insbesondere wenn rogue creditors Umschuldungsangebote ablehnen und durch ex post-Gerichtsverfahren (oder der Androhung dieser) den vollen Betrag ihrer Ansprüche durchsetzen. Dadurch wird ein starker Anreiz zum Trittbrettfahren (free-ride) für die Gläubiger gegeben, mit der Konsequenz, dass ein eigentlich für beide Seiten (Schuldner und Gläubiger) vorteilhafter Beschluss nicht ausgeführt wird. Wenn dieses Koordinationsproblem nicht gelöst werden kann, kommt es zu kostspieligen und langwierigen Umschuldungsverhandlungen, auch wenn ursprünglich das Ergebnis einer kooperativen Lösung beider Seiten ein Optimum geschaffen hätte.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Risiken der Auslandsverschuldung von Schwellenländern und die Komplexität heutiger Umschuldungsverfahren aufgrund heterogener Gläubigerstrukturen.
2. Charakteristika und Finanzintegration von emerging markets: Dieses Kapitel definiert Schwellenländer und untersucht die Chancen sowie Risiken, die mit ihrer zunehmenden Finanzintegration und dem liberalisierten Kapitalverkehr verbunden sind.
3. Internationale staatliche Verschuldung: Es werden die Rollen öffentlicher und privater Kreditgeber analysiert, Moral-Hazard-Probleme erörtert und die Schwierigkeiten durch die Heterogenität staatlicher Schulden aufgezeigt.
4. Umschuldungsprozess und Restrukturierungsvorschläge: Hier werden die Rahmenbedingungen für Umschuldungen diskutiert und verschiedene Lösungsansätze wie Kollektivklauseln (CACs), Verhaltenskodizes und internationale Insolvenzmechanismen kritisch gegenübergestellt.
5. Analyse der Umschuldungsaktion Argentiniens: Dieses Kapitel dient als Fallbeispiel, das die argentinische Rekordumschuldung analysiert, die auftretenden Mängel im Umgang mit einem "rogue debtor" beleuchtet und die nationalen sowie internationalen Folgen bewertet.
6. Fazit und Politikempfehlungen zur Optimierung von Umschuldungs prozessen in Schwellenländern: Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengefasst und Empfehlungen für effizientere, geregelte Restrukturierungsprozesse unter Berücksichtigung von Gläubiger- und Schuldnerrechten formuliert.
Schwellenländer, emerging markets, Auslandsverschuldung, Umschuldung, Argentinien, Schuldentragfähigkeit, Moral Hazard, Overborrowing, Gläubigerheterogenität, Collective Action Clauses, Code of Conduct, Private Sector Involvement, SDRM, Staatsinsolvenz, Finanzintegration.
Die Arbeit befasst sich mit der komplexen Problematik der internationalen staatlichen Verschuldung von Schwellenländern und den Herausforderungen bei der Gestaltung von Umschuldungsprozessen in einem liberalisierten Finanzumfeld.
Die Arbeit deckt Themen wie die Finanzintegration von Schwellenländern, die Rollen verschiedener Gläubigertypen, auftretende Koordinationsprobleme, Moral-Hazard-Effekte sowie Strategien zur Restrukturierung von Auslandsschulden ab.
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob marktbasierte Ansätze für Umschuldungen ausreichen oder ob supranationale Instanzen und klare rechtliche Rahmenbedingungen für eine effiziente und zeitnahe Schuldenrestrukturierung notwendig sind.
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse theoretischer Konzepte sowie eine tiefgehende empirische Fallstudie der Umschuldung Argentiniens, um die theoretischen Lösungsansätze mit der Realität zu konfrontieren.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Erläuterungen zu Verschuldungskrisen und deren Lösungsmechanismen (wie CACs, SDRM) sowie eine detaillierte Analyse der argentinischen Umschuldungsaktion inklusive deren nationaler und internationaler Auswirkungen.
Zentrale Begriffe sind neben Schwellenländern und emerging markets insbesondere Auslandsschulden, Umschuldung, Moral Hazard, Gläubigerheterogenität, Kollektivklauseln, sowie die spezifische Problematik der "rogue debtors" und "rogue creditors".
Argentinien dient als prominentes Beispiel für eine unilaterale Umschuldung, die extreme Koordinationsprobleme aufzeigte und den Mangel an einem international legitimierten Insolvenzrahmen verdeutlichte.
Während marktbasierte Ansätze wie CACs dezentral und oft nur punktuell wirken, zielt der SDRM auf einen universellen, rechtsverbindlichen Rahmen ab, der den Schuldner vor unkoordinierten Klagen schützt und alle Gläubiger gleichermaßen einbindet.
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