Magisterarbeit, 2007
118 Seiten, Note: 2,1
Vorwort
Einleitung
Die Moderne und die Kunst in der DDR
Die eikon Grafik-Presse und der Kunsthandel in der DDR
„Kunstschaffen“ und Kunsthandel in der DDR
Kontrolle und Sicherung des Sozialistischen Realismus
Ein „Markt“ für Grafik in der DDR?
Die Zusammenarbeit mit der Galerie Döbele: Austausch zwischen DDR und BRD
Herausgabe originalgrafischer Editionen in der DDR
Die Obergrabenpresse
Lothar Lang und die Berliner Kabinettpresse
Rudolf Mayer und die eikon Grafik-Presse
Der Verlag der Kunst
Der Herausgeber Rudolf Mayer und die Kunst in Deutschland nach 1945
Die Editionen der eikon Grafik-Presse
Alexander Rodtschenko
Zur Entstehung der Editionen: Die Wiederentdeckung der Russischen Avantgarde
Alexander Rodtschenko und die Russische Avantgarde
Linolstiche: zum kunstgeschichtlichen Hintergrund und zur Interpretation der Werke
„Alles ist Experiment“
Von der Faktur zur Komposition
Analyse der Konstruktionen
Fotografien
Zur Entstehung der Edition
Der Fotograf Rodtschenko
Plakate
Das Bild der neuen Gesellschaft: Portraitaufnahmen
Neue Perspektiven
Dokumentarisches Spätwerk
Hermann Glöckner
Rezeption und Forschungsstand
Kurzbiografie und Werkübersicht
Ausbildung
Die NS-Zeit und das Tafelwerk
Nach 1945
Die Glöckner-Editionen der eikon Grafik-Presse
Die Faltungen: Drei Phasen
Wandlungen in Raum und Fläche
Hermann Glöckner und die internationale Avantgarde
Wilhelm Müller
Forschungsstand
Biografische Skizze
Das Werk
Die Müller-Editionen der eikon-Grafik Presse
Spiel mit dem Silberstift
Papiere
Produktion der Mappe
Woldemar Winkler
Forschungsstand
Biografisches
Zum Werk
Zur Entstehung der Mappe
Interpretation der Werke
Das Formbauspiel
„Zwischen Disziplin und Freiheit“
„Verfügungen“
Klaus Dennhardt
Kurzer Überblick über Leben und Werk
Die Edition der eikon Grafik-Presse: Drei Linien in ihrer Wandlung
Die Entstehung der Edition
Interpretation der Blätter
Zusammenfassung
Exkurs I: Kunst in der DDR
Expressive Nachkriegsjahre
Formalismusdebatte in den 1950er Jahren
Bitterfelder Weg und die beginnende Rehabilitierung des Abstrakten in der angewandten Kunst
Weite und Vielfalt
Wilde Experimente in den 1980ern
Exkurs II: Ein Markt für Kunst in der DDR?
Der Verband Bildender Künstler der DDR
Die Vergabepraxis für Aufträge zur Anfertigung eines Kunstwerkes
Der Staatliche Kunsthandel der DDR
„Vermarktung“ der Kunst – Verstaatlichung der Galerien
Öffentliche und staatlich gelenkte Galerien der DDR
Exkurs III
Die Entstehung des Marktes für künstlerische Originalgrafik
Originale Künstlergrafik zu Beginn des 20. Jh.
Editionstätigkeit für Druckgrafik in Deutschland nach 1945
Protokoll des Gesprächs der Verfasserin mit Klaus Dennhardt
Protokoll des Gespräches der Verfasserin mit Hedwig Döbele
Transkription eines Briefes von Klaus Dennhardt an Rudolf Mayer
Die vorliegende Arbeit untersucht die Geschichte und Bedeutung der „eikon Grafik-Presse“, einer bedeutenden Edition von originalgrafischen Mappen, die unter der Federführung von Rudolf Mayer im Verlag der Kunst Dresden zwischen 1964 und 1992 entstand. Ziel der Arbeit ist es aufzuzeigen, wie diese Edition als Plattform für nonkonformistische Künstler fungierte und inwiefern sie einen Gegenpol zum staatlich verordneten Sozialistischen Realismus darstellte, wobei der Fokus auf den Werken von Alexander Rodtschenko, Hermann Glöckner, Wilhelm Müller, Woldemar Winkler und Klaus Dennhardt liegt.
Der Herausgeber Rudolf Mayer und die Kunst in Deutschland nach 1945
Herausgeber der Mappenwerke war der Chefredakteur der Abteilung „Bild“ des Verlag der Kunst: Rudolf Mayer. Er wurde 1928 in Süddeutschland geboren. An seiner Biografie lassen sich exemplarisch wesentliche Aspekte der Kunstentwicklung im Nachkriegsdeutschland des 20. Jahrhundert skizzieren.
Rudolf Mayer war in Stuttgart aufgewachsen und fand bereits in den 1940er Jahren Anschluss an die Gruppe um den Stuttgarter Galeristen Herbert Herrmann. Der „Ohnmacht“ der Avantgarde in der Zeit zwischen 1933 und 1945 entkommen, knüpfte er dort bereits erste Kontakte mit Willi Baumeister und auch HAP Grieshaber – eine Begegnung, die auch für die eikon Grafik-Presse von großer Bedeutung sein sollte. Wenig später, 1948, war die Galerie Schauplatz der ersten Ausstellung konkreter Kunst im Nachkriegsdeutschland unter federführender Mitwirkung des Schweizers Max Bill.
Bereits in jungen Jahren knüpfte Mayer so Kontakte zu wichtigen Vertretern der Avantgarde im Nachkriegsdeutschland. Aus seinen Aufzeichnungen in der Publikation „Der Läufer“ geht hervor, dass sich der Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart für die Gründung der Galerie einsetzte; nicht zuletzt mit dem Ziel, den einst als entartet diffamierten Künstlern einen rehabilitierenden Nährboden zu bereiten. Nicht ohne Probleme und nur mit geringem Zuspruch glückte schließlich die Eröffnung. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass auch im „Westen“ die ungegenständliche Avantgarde nicht vorbehaltlos von der Öffentlichkeit akzeptiert worden war.
Alexander Rodtschenko: Die Arbeit analysiert Rodtschenkos Bedeutung als Vorreiter der Russischen Avantgarde und untersucht seine Linolstiche und Fotografien als Ausdruck eines neuen, konstruktiven Bildverständnisses.
Hermann Glöckner: Dieses Kapitel würdigt Glöckner als eigenständigen sächsischen Konstruktivisten, dessen Faltungen und Tafelwerk einen bedeutenden Beitrag zur nonkonformistischen Kunst in der DDR leisten.
Wilhelm Müller: Die Untersuchung beleuchtet Müllers Weg vom Zahnarzt zum experimentellen Künstler, wobei seine Papiere und Silberstiftzeichnungen als individuelle Antworten auf internationale Tendenzen gewürdigt werden.
Woldemar Winkler: Der Fokus liegt auf Winklers surrealistisch beeinflusster Bildsprache und der Wiederentdeckung seines Formbauspiels, das eine Brücke zwischen den Avantgarden der 1920er Jahre und den 1980ern schlägt.
Klaus Dennhardt: Das letzte Kapitel analysiert Dennhardts Monotypien im Kontext seiner persönlichen Ausreiseerfahrung und seiner engen Verbindung zum künstlerischen Erbe Glöckners.
eikon Grafik-Presse, Verlag der Kunst, Rudolf Mayer, Avantgarde, DDR-Kunst, Sozialistischer Realismus, Alexander Rodtschenko, Hermann Glöckner, Wilhelm Müller, Woldemar Winkler, Klaus Dennhardt, Konstruktivismus, Konkrete Kunst, Informel, originalgrafische Editionen
Die Magisterarbeit untersucht die Tätigkeit der „eikon Grafik-Presse“ innerhalb des volkseigenen Verlags der Kunst in der DDR. Sie dokumentiert, wie unter schwierigen politischen Bedingungen hochwertige originalgrafische Editionen realisiert wurden, die oft abseits der offiziellen staatlichen Kunstvorgaben agierten.
Zentrale Themen sind die Rolle der Avantgarde in der DDR, die Möglichkeiten und Grenzen des inoffiziellen Kunsthandels, die Bedeutung von persönlichen Netzwerken für den Kulturaustausch sowie die künstlerische Aufarbeitung konstruktiver und informeller Tendenzen.
Das primäre Ziel ist es, die Leistungen des Verlegers Rudolf Mayer bei der Förderung nonkonformistischer Künstler zu würdigen und die Mappenwerke von Rodtschenko, Glöckner, Müller, Winkler und Dennhardt kunsthistorisch im Kontext der DDR-Kunstgeschichte einzuordnen.
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte kunsthistorische Analyse der Mappenwerke, ergänzt durch die Auswertung historischer Dokumente aus den Archiven des Verlags der Kunst sowie durch persönliche Gesprächsprotokolle mit Zeitzeugen wie Rudolf Mayer, Hedwig Döbele und Klaus Dennhardt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Kunst in der DDR sowie detaillierte Einzelkapitel zu den fünf gewählten Künstlern, in denen deren jeweiliges Werk, die Entstehungsgeschichte der zugehörigen Editionen und deren kunstgeschichtliche Rezeption analysiert werden.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie eikon Grafik-Presse, konstruktive Kunst, Informel, nonkonformistische DDR-Kunst, Editionswesen und privater Kunstaustausch beschreiben.
Mayer nutzte seine Position als Chefredakteur geschickt aus, um innerhalb eines lizenzierten Betriebes Nischen zu besetzen. Durch die offizielle Deklaration der Werke als „hochwertige grafische Editionen“ und die Kooperation mit westdeutschen Partnern konnte er künstlerische Projekte realisieren, die bei einer direkten Einreichung als „formalistisch“ abgelehnt worden wären.
Private Galeristen wie Hedwig Döbele spielten eine entscheidende Rolle für den Export und die internationale Sichtbarkeit dieser Kunst. Sie dienten als wichtige Schnittstellen, um Werke aus dem Osten, die im offiziellen DDR-Kunstmarkt kaum beachtet wurden, westlichen Sammlern und Museen zugänglich zu machen.
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