Bachelorarbeit, 2020
41 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Reiseberichte als Untersuchungsgegenstand
3. Das Fremde im 18. Jahrhundert
4. Anthropologie im 18. Jahrhundert
4.1 Buffons Klimatheorie
4.2 Anthropologie bei Forster
4.3 Forster-Kant-Kontroverse
5. Der Topos des „Edlen Wilden“ im 18. Jahrhundert
5.1 Ambivalenz des Topos
6. Georg Forsters „Reise um die Welt“
6.1 Der „Edle Wilde“ bei Forster
7. Sexualität im 18. Jahrhundert
7.1 Die exotische Frau bei Forster
7.2 Die negativen Auswirkungen auf die erotische Südsee
8. Gebrochener Mythos des Paradieses -Verklärung vs. Aufklärung
8.1 Forsters Zivilisationskritik
9. Zusammenfassung
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Darstellung des Fremden in Georg Forsters Reisebericht „Reise um die Welt“ im Kontext des 18. Jahrhunderts. Dabei wird analysiert, inwieweit Forster den zeitgenössischen Topos des „Edlen Wilden“ durch eigene Beobachtungen bricht und inwiefern er Gesellschafts- und Zivilisationskritik an den damaligen europäischen Verhältnissen übt.
6.1 Der „Edle Wilde“ bei Forster
Georg Forster war sich darüber im Klaren, dass er keine absolut objektive Reisebeschreibung liefern könne. Wichtig war ihm daher, die „Färbung des Glases“ offenzulegen, durch das er betrachtet. Dies meint, seine Beobachtungskriterien und Bewertungskategorien zu erläutern. Er betont ausdrücklich, keine fiktiven Zusätze eingefügt zu haben (Forster 1983: S.14). Seinen Stil variiert er je nach Kontext: Obwohl er ein schmuckloses, nüchternes Stilideal propagiert, nutzt er Assoziationsketten zum Mythos des Irdischen Paradies, um die exotischen Erwartungen seines Publikums zu befriedigen. Nach Forster gäbe es keine Objektivität in der Beschreibung von Fremdenerfahrungen. Es herrsche immer eine determinierte europäische Perspektive, welche jede weitere Erkenntnis determiniere. Auch ihm gelingt es nicht, sich von einer ästhetischen Schreibweise freizumachen. Er kann nicht „hinter die Logik des Tableaus“ blicken. Auch er ist gezwungen, auf moralisch-sittliche Maßstäbe der Europäer zurückzugreifen, sodass sich bei ihm analoge Pole des doppelten Mythos vom „Edlen Wilden“ finden lassen.
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsthemas, der zentralen Fragestellung bezüglich Forsters Tahiti-Beschreibungen und der methodischen Einordnung.
2. Reiseberichte als Untersuchungsgegenstand: Analyse der Gattung Reisebericht als Mischform zwischen Literatur und Ethnographie im Zeitalter der Entdeckungen.
3. Das Fremde im 18. Jahrhundert: Untersuchung der Wahrnehmung des Fremden durch die europäische Brille und die Rolle von Stereotypen.
4. Anthropologie im 18. Jahrhundert: Darstellung wissenschaftlicher Diskurse über Menschenarten, Klimatheorien und die spezifische anthropologische Positionierung Forsters.
5. Der Topos des „Edlen Wilden“ im 18. Jahrhundert: Erörterung der kulturhistorischen Entstehung und der inhaltlichen Ambivalenz dieses Mythos.
6. Georg Forsters „Reise um die Welt“: Historische Einordnung des Werkes und kritische Analyse der Beobachtungen Forsters vor Ort.
7. Sexualität im 18. Jahrhundert: Untersuchung gesellschaftlicher Geschlechterrollen und deren Projektion auf die Südseekulturen.
8. Gebrochener Mythos des Paradieses -Verklärung vs. Aufklärung: Analyse von Forsters kritischem Blick auf Machtverhältnisse und zivilisatorische Auswirkungen in der Südsee.
9. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur doppelten Kritik Forsters an Europa und der Südsee.
Georg Forster, Reise um die Welt, Edler Wilder, Tahiti, Anthropologie, Aufklärung, Exotik, Erotik, Zivilisationskritik, Fremdwahrnehmung, Südseemythos, Sexualität, Kolonialismus, Europäische Identität, Reisender
Die Arbeit untersucht, wie der Naturforscher Georg Forster in seinem Reisebericht „Reise um die Welt“ die Bewohner Tahitis und das Konzept des „Edlen Wilden“ darstellt.
Die Schwerpunkte liegen auf der Anthropologie des 18. Jahrhunderts, der Bedeutung der Südsee als Projektionsfläche für europäische Wünsche sowie der Kritik an Zivilisation und Kolonialismus.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Forster den durch die Aufklärung geprägten Südsee-Mythos einerseits nutzt, ihn aber durch seine Beobachtungen vor Ort auch kritisch hinterfragt.
Es handelt sich um eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, die den Reisetext kritisch auf seine Entstehungsbedingungen und die europäische Weltsicht untersucht.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Anthropologie-Debatten jener Zeit (z.B. Buffon, Kant, Rousseau), die Konstruktion des „Edlen Wilden“ und die Rolle der Sexualität als kulturelles Spiegelbild.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Georg Forster, Die erotische Südsee, Anthropologie, Edler Wilder und Zivilisationskritik.
Im Gegensatz zu vielen idealisierenden zeitgenössischen Berichten legt Forster seine Beobachtungskriterien offen und reflektiert die subjektive „Färbung“ durch seine europäische Herkunft.
Tätowierungen werden als Form der Codierung analysiert, die Forster zunächst als „hässlich“ beschreibt, jedoch später als Teil des gesellschaftlichen Gedächtnisses der Insulaner erkennt.
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