Diplomarbeit, 2003
118 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
1.1. Automatismus der Medienschelte
1.2. Theoretische Vorannahmen
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Soziale Probleme
2.1.1. Sachverhalt und Problemmuster
2.1.2. Bedingungen einer Problemkarriere
2.2. Diskurstheorie
2.2.1. Foucaults Diskursbegriff
2.2.2. Macht
2.3. Anknüpfungspunkte beider Theorien
2.4. Medientheoretische Überlegungen
3. Bisheriger Forschungsstand
3.1. Kampagnen
3.2. Wirkungen
3.2.1. Die "naiven" Theorien
3.2.2. Katharsisthese
3.2.3. Inhibition und Habitualisierung
3.2.4. Lerntheorie
3.2.5. Folgerung
4. Gesellschaftliche Bedingungen
4.1. Der "alte" Schunddiskurs
4.2. Comics in den USA
4.3. Die Nachkriegszeit
4.4. Jugendkriminalität
4.4.1. Statistische Zusammenhänge
4.4.2. Ursachen
4.4.3. Rolle der Medien
4.4.4. Sonderfall: "Halbstarke"
5. Der Schundkampf
5.1. Der Schund
5.1.1. Groschenhefte
5.1.2. Comics
5.1.3. Film
5.1.4. Illustrierte
5.1.5. Fernsehen
5.1.6. Rock'n'Roll
5.2. Argumentation
5.2.1. Allgemeine Wirkungen
5.2.1.1. Kulturelle Entwöhnung
5.2.1.2. Moralische Desorientierung
5.2.1.3. Affektive Überladung
5.2.2. Spezielle Wirkungen der Gewaltdarstellungen
5.2.2.1. Nachahmung
5.2.2.2. Einfluß bei Vorbelastung
5.2.2.3. Desensibilisierung
5.2.3. (Anti-)Amerikanismus
5.2.4 Jungen und Mädchen
5.2.5. Gegenvorstellungen
5.2.5.1. Gewaltfreiheit?
5.2.5.2. Gut und Böse
5.2.5.3. Ehe und Familie
5.2.5.4. Autoritäten
5.2.5.5. Religion
5.2.6. Das Bild der Jugend
5.2.6.1. Die Voraussetzung
5.2.6.2. Jugendliche Medienrezeption
5.2.6.3. Rebellion
5.2.6.4. Die schreckliche Generation?
5.3. Strategien
5.3.1. Fremdheit des Mediums
5.3.2. Vertrautheit des Grundmusters
5.3.3. Verbreitung des Mediums
5.3.4. Starke Metaphern
5.3.5. Einzelfälle
5.3.5. Einordnung der Fachdiskurse
5.3.6. Polarisierung der Notwendigkeiten
5.4. Interdiskurs
5.4.1. die wissenschaftlichen Perspektiven
5.4.1.1. Psychologie
5.4.1.2. Pädagogik
5.4.1.3. Kriminologie
5.4.1.4. Justiz
5.4.2. Buchwesen
5.4.3. Kirchliche Organisationen
5.4.4. Politik
5.4.5. Jugendschutz
5.4.6. Gegenstimmen
5.5 Versäumnisse des Schundkampfes
6. Das Schundkampf-Dispositiv
6.1. Moralisch-ethische Verwirrung und Gewalt
6.2. Diskursive Verknüpfung von Gewalt und Medien
6.3. Gefährliche Jugend?
Die Arbeit untersucht das sogenannte "Schundkampf-Dispositiv" der 1950er Jahre in Deutschland. Ziel ist es, die diskursive Konstruktion von Jugendkriminalität und Medienwirkung zu analysieren und aufzuzeigen, wie durch die öffentliche Thematisierung von "Schund" gesellschaftliche Normen und moralische Geltungsansprüche festgeschrieben wurden.
1.1. Automatismus der Medienschelte
Wenn den Berichten über Verbrechen an Schulen geglaubt werden darf, ist der gewaltfördernde Einfluß von Massenmedien eine ausgemachte Sache. Die bloße Verfügbarkeit gewalthaltiger Medien im Umfeld des Täters erscheint als hinreichende Bedingung, um die Verantwortung für die Tat diesen Medien zu übertragen.
Tatsächlich ist das Erklärungsmuster "Medieninduktion" so stark, daß es geeignet ist, alternative Erklärungen zu verdrängen oder zumindest zu relativieren. So wurden anläßlich des jüngsten "Amoklaufs" in Erfurt zunächst noch die auswegslose schulische Situation des Täters und das strenge Schulsystem Thüringens als Tathintergründe mit thematisiert, aber nach kurzer Zeit wurde dieser Diskurs völlig von der Diskussion über Medieninduktion und ein neues Jugendschutzgesetz überlagert..
Der sogenannte "Amoklauf von Bad Reichenhall" 1999 verdrängte in den Medien nicht nur ein gleichzeitiges, ebenso schlimmes Verbrechen, das sich weniger leicht deuten ließ, (vgl. Grimm 2002, S. 160) sondern der leicht hergestellte Bezug zu Gewaltmedien ließ andere signifikante Aspekte verblassen, von denen das Portrait Adolf Hitlers im Zimmer des Schützen (vgl. Gieselmann 2000, S. 132) nur einer der offensichtlichsten Hinweise ist.
1. Einleitung: Problematisierung des automatischen Rückgriffs auf Medien als Erklärung für Jugendgewalt und Vorstellung des "Schundkampf-Dispositivs".
2. Theoretische Grundlagen: Erläuterung der soziologischen Ansätze zu sozialen Problemen und der Foucaultschen Diskurstheorie zur Analyse von Machtverhältnissen.
3. Bisheriger Forschungsstand: Überblick über existierende Studien zu Medienwirkungen und die zyklische Natur von Medienkampagnen.
4. Gesellschaftliche Bedingungen: Analyse der Nachkriegssituation, Jugendkriminalität und der Rolle der Familie als Kontext der Schunddiskussionen.
5. Der Schundkampf: Detaillierte Untersuchung verschiedener Medien (Comics, Film, Rock'n'Roll), der verwendeten Argumentationsmuster und der beteiligten gesellschaftlichen Institutionen.
6. Das Schundkampf-Dispositiv: Zusammenfassende Betrachtung der diskursiven Verknüpfung von Gewalt und Medien sowie der dauerhaften institutionellen Folgen.
Schundkampf, Dispositiv, Medienwirkung, Jugendkriminalität, Diskurstheorie, Gewaltinduktion, Jugendschutz, 1950er Jahre, Moral, Mediensoziologie, Kriminalisierung, Foucault, Massenmedien, Pädagogik, Sozialwissenschaft.
Die Arbeit untersucht, wie in den 1950er Jahren in Deutschland der öffentliche Diskurs über "Schundliteratur" und "Schundfilme" genutzt wurde, um gesellschaftliche Krisen und Ängste vor Jugendkriminalität zu bewältigen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Soziologie sozialer Probleme, der Diskurstheorie von Michel Foucault, der historischen Analyse von Jugendmedien sowie der Rolle von Fachdisziplinen wie Pädagogik und Kriminologie im Jugendschutz.
Das Ziel ist die Konstruktion einer theoretisch verdichteten Beschreibung des "Schundkampf-Dispositivs", das gesellschaftliche Wahrnehmungen von Jugend, Gewalt und Medienwirkung maßgeblich geprägt hat.
Der Autor nutzt eine diskursanalytische Vorgehensweise, gestützt auf eine umfangreiche Recherche von Fachzeitschriften der 1950er Jahre, um qualitative Aussagemuster zu identifizieren.
Der Hauptteil analysiert die historischen Bedingungen (Nachkriegszeit), die spezifische "Schund"-Bekämpfung in verschiedenen Medien (Comics, Filme) sowie die institutionalisierten Strategien, mit denen das "Schund"-Problem als soziales Risiko etabliert wurde.
Wichtige Begriffe sind Dispositiv, Kriminalisierung, Medienschelte, gesellschaftlicher Konsens, Sittenverfall und die diskursive Verknüpfung von Medieninhalten mit asozialem Verhalten.
Die "Halbstarken" fungierten als sichtbarer Beweis für die befürchtete moralische Verwahrlosung; ihr Verhalten wurde diskursiv mit Massenmedien verknüpft, um Notwendigkeiten für härtere Jugendschutzmaßnahmen zu rechtfertigen.
Die Unsicherheit nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus führte zu einem Bedürfnis nach neuer Sinnstiftung, wobei der "Schund" als äußeres Symbol für gesellschaftlichen Zerfall und moralischen Wandel instrumentalisiert wurde.
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