Examensarbeit, 2008
63 Seiten
1. Einleitung
2. Die sportliche Leistungsfähigkeit von Mann und Frau
2.1 Körperbau
2.2 Muskulatur
2.3 Herz-Kreislaufsystem und Atmung
2.4 Wärmeregulation
2.5 Kraft
2.6 Ausdauer
2.7 Schnelligkeit
2.8 Koordinative Fähigkeiten
2.9 Beweglichkeit
2.10 Resümee
3. Soziale Konstruktion der Geschlechter im Sport
3.1 Sport als körperzentriertes Teilsystem
3.2 Geschlechtsspezifische Identifikationszwänge
3.3 Sozialisation und Identität
3.4 Konfliktpotential für die weibliche Identität
3.5 Identität und Körper
3.6 Körperästhetik und Weiblichkeitszwang
4. Einfluss der Medien auf den Sport
4.1 Überblick über die Geschichte des Mediensports
4.2 Doing Sport – Doing Gender
4.3 Repräsentanz von Sportlerinnen und Sportlern in den Medien
4.4 Einfluss der Medien auf das Sport-Sponsoring
4.5 Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern in den Medien
4.6 Visuelle Inszenierung weiblicher Attraktivität
4.7 Die Beschreibung des Aussehens von Sportlerinnen und Sportlern
4.8 Die Optik – Selektionskriterium für die Berichterstattung
4.9 Zusammenfassung
5. Hochleistungssportlerinnen in männlich dominierten Sportarten
5.1 Frauen erobern den Männersport
5.2 Soziale Konstruktion von Geschlecht in Männerdomänen
5.3 Strukturmerkmale des Hochleistungssports
6. Auszüge aus der Untersuchung zur sozialen Konstruktion von Geschlecht von Kleindienst-Cachay & Kunzendorf (2003)
6.1 Die Kandidatinnen
6.2 Konflikthafte Geschlechterkonstruktionen
6.2.1 Das ist doch kein Sport für Frauen!
6.2.2 Die Partnersuche für Sportlerinnen
6.2.3 Die Abwertung des weiblichen Körperbildes
6.2.4 Die Abwertung der sportlichen Leistung
6.2.5 Mechanismen der Aufrechterhaltung des Sportengagements und Identitätsmanagements
6.2.6 Resümee
7. Untersuchung verschiedener Sportarten und Fazit
7.1 Die Auswahl der Sportarten
7.2 Auswertung
7.3 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Geschlechterordnung im Sport, analysiert die Einflussfaktoren auf das sportliche Handeln von Frauen und bewertet die Tendenz hinsichtlich der Geschlechterlücke (Gender Gap) im Sport. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, ob sich dieses Gap schließt oder ob Männer ihre Vorreiterrolle im Sport dauerhaft behaupten.
3.1 Sport als körperzentriertes Teilsystem
Im 18. Und 19. Jahrhundert fand europaweit die Ausdifferenzierung von Turnen, Sport und Spiel als ein Sinngefüge mit spezifischen Rollen statt. Ende des 19. Jahrhunderts etablierten sich mit dem Leistungs-, und Wettkampfsport eigenständige gesellschaftliche Teilsysteme, deren Handlungsorientierungen sich als körperbezogene Leistung und Leistungssteigerung beschreiben lassen. Mittelpunkt des sportlichen Handelns war die körperliche Leistungsfähigkeit, diese zu halten, zu steigern und zu demonstrieren. Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der Geschlechteranthropologie des 18. Und 19. Jahrhunderts und der sich daraus bildenden Geschlechterordnung war es selbstverständlich, dass Mädchen und Frauen lange Zeit aus diesem Inklusionsprozess systematisch ausgeschlossen waren.
Die Geschlechteranthropologie schuf mit anatomischen Vergleichen und den daraus resultierenden unterschiedlichen psychischen Eigenschaften der Geschlechter eine klare Differenz zwischen Mann und Frau. Männern wurde Kraft, Stärke und Aktivität zugeschrieben, Frauen hingegen Schwäche, Passivität und Emotionalität. Geschlecht hat sich bis heute als ein soziales Ordnungsmuster halten können, weil Geschlechtsmerkmale vorrangig auf biologische Voraussetzungen zurückgeführt werden können. Die Tatsache, dass es zwei Geschlechter gibt, die sich nach Anatomie, Physiologie und Leistungsfähigkeit unterscheiden, wird beim Sport sehr deutlich. Körperzentriertheit und Handlungsorientierungen im Sport prädisponieren somit die Aktualisierung von Geschlechterdifferenzen (vgl. Hartmann-Tews, 2006, S. 41-42).
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den gesellschaftlichen Wandel und dessen Einfluss auf die hegemoniale Geschlechterordnung im Sport, wobei die Forschungsfrage nach der Entwicklung des Gender Gaps im Vordergrund steht.
2. Die sportliche Leistungsfähigkeit von Mann und Frau: Dieses Kapitel stellt die biologisch bedingten Unterschiede zwischen den Geschlechtern dar, die als Grundlage für die evolutionär gewachsene sportliche Spezialisierung dienen.
3. Soziale Konstruktion der Geschlechter im Sport: Hier wird analysiert, wie Geschlecht als soziales Ordnungsmuster im Sport etabliert wurde und welche Identitätszwänge aus der binären Struktur resultieren.
4. Einfluss der Medien auf den Sport: Es wird untersucht, wie Medien durch selektive Berichterstattung und Darstellung von Athletinnen und Athleten Geschlechterrollen reproduzieren und festigen.
5. Hochleistungssportlerinnen in männlich dominierten Sportarten: Das Kapitel befasst sich mit den Ambivalenzen und Herausforderungen, denen sich Frauen ausgesetzt sehen, wenn sie in traditionelle Männersportarten eindringen.
6. Auszüge aus der Untersuchung zur sozialen Konstruktion von Geschlecht von Kleindienst-Cachay & Kunzendorf (2003): Basierend auf einer Untersuchung von 24 Leistungssportlerinnen werden praktische Erfahrungen mit Abwertung, Identitätskonflikten und Bewältigungsstrategien aufgezeigt.
7. Untersuchung verschiedener Sportarten und Fazit: Auf Basis der Analyse von 209 Sportarten und der Entwicklung von Weltmeisterschaften wird die These untermauert, dass sich die Geschlechterlücke im Sport nicht schließt, sondern eher vergrößert.
Gender Gap, Geschlechterordnung, Sportsoziologie, Doing Gender, Hochleistungssport, Identitätsentwicklung, Mediensport, Maskulinität, Femininität, Körperästhetik, Geschlechterstereotypen, Sportberichterstattung, soziale Konstruktion, Emanzipation, hegemoniale Männlichkeit.
Die Arbeit untersucht die Geschlechterverhältnisse im Sport und analysiert, warum trotz zunehmender gesellschaftlicher Öffnung Männer weiterhin eine dominierende Vorreiterrolle einnehmen.
Die Arbeit behandelt die biologischen Leistungsvoraussetzungen, die soziale Konstruktion von Geschlecht, die Rolle der Medien bei der Darstellung von Athletinnen sowie die spezifischen Konflikte von Frauen in männlich dominierten Sportarten.
Das Ziel ist es, die Geschlechterordnung im Sport zu hinterfragen und zu belegen, ob sich die Geschlechterlücke (Gender Gap) tatsächlich schließt oder ob Männer weiterhin als mächtiges Geschlecht im Sport dominieren.
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie eine eigene empirische Untersuchung von 209 Sportarten (hinsichtlich Gründer und Weltmeisterschaften) und bezieht sich ergänzend auf die Studie von Kleindienst-Cachay & Kunzendorf.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der körperlichen und sozialen Voraussetzungen sowie eine detaillierte Analyse der Medienrezeption und der realen Bedingungen für Hochleistungssportlerinnen.
Zentrale Begriffe sind das Gender Gap, die soziale Konstruktion von Geschlecht, hegemoniale Männlichkeit und das Prinzip des "Doing Gender".
Die Untersuchung zeigt, dass Athletinnen häufig mit Abwehrreaktionen, Diskriminierung und einer Infragestellung ihrer Weiblichkeit konfrontiert werden, was oft als Strategie zur Aufrechterhaltung männlicher Privilegien fungiert.
Medien fungieren als Verstärker traditioneller Rollenbilder, indem sie Frauen oft auf ihr Aussehen reduzieren, während Männer als aggressive, leistungsstarke "Helden" inszeniert werden, was den Frauensport in der öffentlichen Wahrnehmung marginalisiert.
Der Autor kommt zu einem pessimistischen Schluss: Solange die gesellschaftlichen Vorstellungen von Geschlechterstereotypen bestehen bleiben und Männer die Entwicklung neuer Sportarten dominieren, wird sich die Geschlechterlücke nicht schließen, sondern eher vergrößern.
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