Examensarbeit, 2007
83 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1 Erkenntnisinteresse und Fragestellung
1.2 Forschungsstand und verwendete Literatur
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Die theoretischen Konzeptionen
2.1 Politische Kultur
2.2 Politischen Sozialisation
3. Analyse der offiziellen politischen Kultur
3.1 Das politisch-ideologische Erziehungsziel
3.2 Merkmale der sozialistischen Persönlichkeit
3.3 Das Bild des Jugendlichen in der DDR
4. Sozialisationsagenturen
4.1 Familie
4.2 Bildungssystem
4.3 Jugendorganisation FDJ
5. Der Jugendverband
5.1 Aufgaben der FDJ
5.1.1 Anbindung der FDJ an das Bildungswesen
5.1.2 Herausbildung des Kadernachwuchses
5.1.3 Betreiben massenwirksamer Politik und vormilitärische Erziehung
5.1.4 Ökonomische Aufgaben
5.1.5 Kontrolle des Freizeitbereiches
5.2 Organisationsstruktur
6. Geschichte der FDJ
6.1 Der Weg zur Freien Deutschen Jugend 1945 – 1947
6.2 Die Stalinisierung der FDJ 1948 – 1953
6.3 Revolutionäre Avantgarde oder Freizeitverband? 1954-1961
6.4 Jugendpolitik im Schatten der Mauer 1961-1976
6.5 Stagnation, Agonie und Untergang 1976-1989
7. Mitgliederstruktur der FDJ
7.1 Entwicklung der Mitgliederzahlen
7.2 Alters- und Sozialstruktur
8. Die Sozialisationsleistung der FDJ
8.1 Sozialisationserfolge
8.2 Beurteilung der Aufgabenerfüllung
8.3 Beurteilung der Struktur und Organisation der FDJ
8.4 Beurteilung der Mitgliedszahlen
8.5 Fazit
9. Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der politischen Sozialisation von Jugendlichen in der DDR durch die FDJ. Im Zentrum steht die Analyse des SED-Herrschaftsanspruchs, der mittels der Einheitsjugendorganisation die totale Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit anstrebte, um so die Stabilität des politischen Systems zu sichern.
1. Einleitung
Mit der Gründung der Freien Deutschen Jugend (FDJ) als Einheitsorganisation erfüllte sich im März 1946 die Idee der kommunistischen Exilanten, eine antifaschistische Jugendbewegung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zu gründen. Durch eine frühzeitige organisatorische Erfassung der Heranwachsenden sollte Einfluss auf die Herausbildung konkreter politischer Leitbilder und grundlegender Handlungsorientierungen ausgeübt werden. In Abstimmung mit den jugendpolitischen Zielsetzungen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) wurden dem Jugendverband bestimmte Aufgaben zugedacht und die Erziehungsziele unmittelbar aus den Aufbau-, Entwicklungs-, Stabilisierungs- und Sicherheitserfordernissen der Gesellschaft abgeleitet. Die FDJ verstand sich als sozialistischer Jugendverband an der Seite der SED, deren Führungsanspruch seit den frühen 1950er Jahren in den Statuten der Jugendorganisation festgeschrieben war.
Im Politikverständnis der DDR wurde von der Vorstellung ausgegangen, dass bei einer objektiven Verbesserung der Lebensverhältnisse die Zustimmung der Jugend zur DDR und dem Jugendverband sicher sein würde. Dabei setzte die SED mit ihren Konzeptionen auf die Unerfahrenheit der Kinder und Jugendlichen, die mit der frühzeitigen Verinnerlichung der staatstragenden Überzeugungen und Eigenschaften die für die jugendliche Altersphase typischen Verhaltensmuster, wie die Abgrenzung von der Erwachsenenwelt und die Erarbeitung eines eigenen Lebensentwurfs, gar nicht erst ausbilden können. Gleichzeitig sollte der Akt der Organisierung, gemeint ist hier das Organisiertwerden und nicht die Selbstorganisation, sowie die Zugehörigkeit zu verschiedenen Kollektiven zur sozialen Erfahrung werden.
In der DDR wurde die Funktion des Staates als Instanz der politischen Sozialisation nicht geleugnet, vielmehr diente die staatliche Sozialisation, die die Erziehung sozialistischer Persönlichkeiten zum Ergebnis haben sollte, der Integration des Individuums in das Gesellschaftssystem. Erziehung wurde demnach als ein „umfassender Prozeß der zielgerichteten Einwirkung auf die allseitige Entwicklung der sozialistischen Persönlichkeit“ verstanden.
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Erkenntnisinteresse an der politischen Sozialisation in der DDR durch die FDJ dar, formuliert Hypothesen zur Diskrepanz zwischen offizieller Zielkultur und dominanter Alltagskultur und erläutert den Aufbau der Untersuchung.
2. Die theoretischen Konzeptionen: Dieses Kapitel erarbeitet die wissenschaftlichen Grundlagen der politischen Kultur- und Sozialisationsforschung, um den theoretischen Rahmen für die Analyse staatlich gelenkter Erziehungsprozesse zu schaffen.
3. Analyse der offiziellen politischen Kultur: Hier wird das von der SED formulierte Erziehungsziel der sozialistischen Persönlichkeit untersucht, eingebettet in ein Verständnis von Jugend als Zukunfts- und Hoffnungsträger.
4. Sozialisationsagenturen: Das Kapitel beleuchtet das Zusammenspiel der Familie, des Bildungssystems und der FDJ als Instanzen, die das Individuum in das gesellschaftspolitische System der DDR integrieren sollten.
5. Der Jugendverband: Die Aufgaben und die interne Organisationsstruktur der FDJ werden analysiert, wobei besonders die Funktion des Verbandes als „Helfer der Partei“ und Instrument der Kaderrekrutierung hervortritt.
6. Geschichte der FDJ: Der historische Abriss von 1945 bis 1989 zeichnet die Transformation der FDJ von einem anfänglich breiter angelegten Jugendverband zur starr organisierten SED-Nachwuchsorganisation nach.
7. Mitgliederstruktur der FDJ: Dieses Kapitel wertet Daten zur Mitgliederentwicklung und Alters- sowie Sozialstruktur aus, um den Erfolg der Mobilisierungsstrategien quantitativ zu erfassen.
8. Die Sozialisationsleistung der FDJ: Der Hauptteil der Arbeit bewertet das Gelingen und Scheitern der FDJ, indem die Diskrepanz zwischen ideologischen Anforderungen und der tatsächlichen Lebensrealität der Jugendlichen offengelegt wird.
9. Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass die politische Sozialisation durch die FDJ letztlich gescheitert ist, da die staatliche Erziehung die individuellen Lebensinteressen ignorierte und den Rückzug der Jugendlichen ins Private förderte.
Politische Sozialisation, FDJ, DDR, SED, sozialistische Persönlichkeit, politische Kultur, Jugenderziehung, Massenorganisation, Systemstabilität, Jugendpolitik, Sozialisationsinstanzen, Indoktrination, Herrschaftssicherung, Widerstand, DDR-Geschichte.
Die Arbeit befasst sich mit der politischen Sozialisation von Jugendlichen in der DDR am Beispiel des Jugendverbandes Freie Deutsche Jugend (FDJ). Sie untersucht, wie Partei und Staat versuchten, junge Menschen zu "sozialistischen Persönlichkeiten" zu formen.
Im Zentrum stehen die Konzepte der politischen Erziehung, die Rolle der Sozialisationsagenturen (Familie, Bildung, FDJ), die historische Entwicklung der FDJ sowie die Diskrepanz zwischen der offiziellen Ideologie und der alltäglichen Lebensrealität der Jugendlichen.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, das Ausmaß der politisch-ideologischen Erziehung durch die FDJ zu bestimmen und zu bewerten, warum die geplante Verankerung der sozialistischen Lebensweise bei der Jugend letztlich nicht nachhaltig gelang.
Es handelt sich um eine historische und sozialwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung von Verfassungs- und Gesetzestexten, internen Parteidokumenten der SED, programmatischen FDJ-Statuten und empirischen Sekundärstudien der Sozialisationsforschung basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung, die Analyse der offiziellen Erziehungsziele, die Rolle der verschiedenen Sozialisationsinstanzen sowie die detaillierte Geschichte und Organisationsstruktur der FDJ bis hin zum Ende der DDR.
Kernbegriffe sind politische Sozialisation, FDJ, DDR, SED, sozialistische Persönlichkeit, politische Erziehung und die Analyse der gescheiterten systemstabilisierenden Funktion des Jugendverbandes.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das Projekt der politischen Sozialisation durch die FDJ gescheitert ist. Zwar konnten Jugendliche organisatorisch erfasst werden, doch die angestrebte Verinnerlichung der sozialistischen Ideologie blieb aus, was zu einer Doppelkultur und Rückzug ins Private führte.
Die FDJ fungierte als "Transmissionsriemen" der SED. Da sie fast alle Jugendlichen in der DDR erreichte, ist ihre Geschichte repräsentativ für den gesamten staatlichen Erziehungsanspruch und das Scheitern der totalitären Durchdringung der Gesellschaft.
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