Diplomarbeit, 2008
49 Seiten, Note: 2
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1 Einleitung
2 Der Weg in den Holocaust
2.1 Der deutsche Antisemitismus
2.2 Der Prozess der Radikalisierung 1933-1939
3 Die Ordnungspolizei im „Dritten Reich“
3.1 Geschichte und Aufbau der Ordnungspolizei
3.2 Einordnung in Himmlers »Polizeistaat«
4 Die Einsätze der Polizeibataillone
4.1 Polen 1939-1940
4.2 Der Vernichtungskrieg in der Sowjetunion
4.2.1 Bialystok Juni/Juli 1941
4.2.2 Polizeibataillone in den Einsatzgruppen
4.2.3 Unter der Führung der Höheren SS- und Polizeiführer
4.3 Im Generalgouvernement 1941-1943
5 Die Browning – Theorie
5.1 Intentionalismus und Funktionalismus
5.2 Der »Entscheidungsprozess« nach Browning
5.3 Die Motivation der Täter
5.3.1 Die Goldhagen-These
5.3.2 Der Erklärungsansatz von Browning
6 Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht die zentrale Rolle der deutschen Ordnungspolizei bei der Umsetzung des Holocaust unter besonderer Berücksichtigung der Forschungsansätze von Christopher R. Browning, um den Entscheidungsprozess zur „Endlösung“ sowie die Tatmotive der beteiligten Polizeibeamten zu analysieren.
4.2.1 Bialystok Juni/Juli 1941
Eine der ersten Mordaktionen im Krieg gegen die Sowjetunion fand am 27.06.1941 in Bialystok statt. An diesem Tag wurde das PB 309 aus Köln, das der Sicherungs-Division 221 der Wehrmacht unterstellt war, in Bialystok eingesetzt, um die Stadt von versprengten sowjetischen Soldaten zu „säubern“. Die Ordnungspolizisten erhielten somit ihre Befehle von der Wehrmacht und hatten keinen speziellen Auftrag, Juden zu ermorden. Kurz nach dem Einmarsch begannen Angehörige des PB 309 grund- und wahllos, Juden zu erschießen und Geschäfte zu plündern. Das ganze kam einem Pogrom gleich. Bezeichnend für den Judenhass als Tatmotiv ist die Tatsache, dass von den ca. 2000 Opfern über 500 Menschen, darunter Frauen und Kinder, in die Synagoge von Bialystok getrieben und bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Laut Matthäus waren die Initiatoren dieses Verbrechens Offiziere des PB 309. Ein Offiziers des PB 309 sagte nach dem Krieg aus, dass den Bataillonsangehörigen vor dem Einmarsch in die Sowjetunion durch den Kommandeur, Major der Schutzpolizei Weis, der »Kommissarbefehl« bekannt gegeben wurde. Die Offiziere wurden angehalten, gegen Juden rücksichtslos vorzugehen. Dies wurde wenige Tage später in Bialystok umgesetzt. Zu Protesten von Seiten der Wehrmacht, in der Person des Befehlshabers der Sicherungs-Division 221, General Pflugbeil, kam es nicht.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit der fortdauernden Auseinandersetzung mit dem Holocaust als zeitlose Mahnung und führt in die wissenschaftliche Fragestellung der Arbeit ein.
2 Der Weg in den Holocaust: Dieses Kapitel erörtert die historischen Wurzeln des Antisemitismus in Europa sowie die Radikalisierungsprozesse im nationalsozialistischen Deutschland zwischen 1933 und 1939.
3 Die Ordnungspolizei im „Dritten Reich“: Hier wird der organisatorische Aufbau der Ordnungspolizei und ihre Eingliederung in den Sicherheitsapparat unter Heinrich Himmler dargelegt.
4 Die Einsätze der Polizeibataillone: Das Kapitel analysiert beispielhaft die mörderischen Einsätze der Polizeibataillone in Polen, der Sowjetunion und dem Generalgouvernement sowie deren Integration in den Vernichtungsprozess.
5 Die Browning – Theorie: Dieser Hauptteil stellt den theoretischen Diskurs zwischen Intentionalismus und Funktionalismus dar und untersucht Brownings Analyse der Entscheidungsprozesse sowie der Täter-Motivationen.
6 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, die die zentrale Rolle der Ordnungspolizei im Holocaust und die Gültigkeit eines multikausalen Erklärungsansatzes für die Täter-Motivation bestätigen.
Holocaust, Ordnungspolizei, Polizeibataillone, Christopher R. Browning, Daniel Jonah Goldhagen, Antisemitismus, Endlösung, Nationalsozialismus, Vernichtungskrieg, Täterforschung, Einsatzgruppen, Generalgouvernement, Sowjetunion, Entscheidungsprozess, RSHA
Die Arbeit analysiert die „Verstrickung“ der deutschen Ordnungspolizei in den Holocaust, insbesondere durch deren Einsätze in Osteuropa, und setzt dies in Bezug zu historischen Erklärungsansätzen.
Die zentralen Themen sind die Rolle der Polizeibataillone, der Entscheidungsprozess zur „Endlösung“ und die wissenschaftliche Diskussion um die Motivation der Täter.
Das Ziel ist es, insbesondere jungen Polizeibeamten aufzuzeigen, dass Polizisten aktiv am Genozid beteiligt waren, und die Motive dieser Täter wissenschaftlich einzuordnen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung historischer Quellen und Studien, insbesondere unter Verwendung der Theorien von Christopher R. Browning.
Der Hauptteil behandelt die Organisation der Ordnungspolizei, detaillierte Beispiele ihrer Einsätze in Polen und der Sowjetunion sowie die theoretische Auseinandersetzung mit der Täter-Motivation.
Wichtige Begriffe sind Holocaust, Ordnungspolizei, Polizeibataillone, Täterforschung, Vernichtungskrieg und die Kontroverse um den Entscheidungsprozess nach Browning.
Das RPB 101 dient als zentrales Fallbeispiel für die Forschung von Browning und Goldhagen, um die Entwicklung „ganz normaler Männer“ zu Massenmördern zu untersuchen.
Sie dient als Mahnung, da das Verständnis für die Verbrechen der eigenen Vorgängerorganisationen essenziell für den Erhalt demokratischer Werte innerhalb der Polizei ist.
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