Bachelorarbeit, 2022
62 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Forschungsfrage und Gang der Untersuchung
2 Pfadabhängigkeit - Theoretische Grundlage
2.1 Pfadabhängiger Prozess der Genderrepräsentation
2.2 Pfadabhängigkeit des Verkehrssektors aus umweltorientierter Sicht
3 Forschungsdesign
3.1 Datenerhebung durch die Qualitative Sekundäranalyse
3.2 Auswertung mittels der 4 R Methode
4 Einordnung des Politikfelds umweltorientierte Verkehrspolitik auf Bundesebene
5 Analyse mittels der 4 R Methode
5.1 Repräsentation
5.2 Ressource
5.3 Realität
5.3.1 Verkehrsvermeidung
5.3.2 Geringere Nutzung des MIVs
5.3.3 Elektromobilität und Sharing-Angebote
5.4 Realisation
6 Fazit und Ausblick
Diese Arbeit untersucht die Umsetzung des Gender Mainstreamings in der umweltorientierten Verkehrspolitik auf Bundesebene während der Legislaturperiode von 2017 bis 2021, um die Geschlechtergerechtigkeit in diesem Sektor zu analysieren und notwendige Veränderungen aufzuzeigen.
2 Pfadabhängigkeit - Theoretische Grundlage
Die theoretische Basis für die vorliegende Arbeit ist das Konzept der Pfadabhängigkeit. Das Konzept bietet Erklärungskraft für ineffiziente Zustände der Gegenwart, welche durch vergangene Prozesse eingetreten sind. In einem ersten Schritt wird die allgemeine Theorie der Pfadabhängigkeit und deren Ursprung vorgestellt und anschließend die relevantesten Ansätze zur Beantwortung der Forschungsfrage skizziert. Daraufhin werden die Stärken und Schwächen des Konzepts knapp erläutert. In zwei Unterkapiteln erfolgt die Konkretisierung der zugrundeliegenden Pfadabhängigkeiten. Die Forschungsfrage hat das Ziel herauszufinden, ob GM in der u V berücksichtigt wird. Dem zugrunde liegen zwei pfadabhängige Prozesse, die bei der Untersuchung berücksichtigt werden müssen. Einmal ist Pfadabhängigkeit bei der Repräsentation der Geschlechter evident, weshalb GM politisch verankert wurde. Es gilt demzufolge zu untersuchen, warum besonders Frauen strukturell benachteiligt sind. Die zweite Pfadabhängigkeit liegt im Verkehrssektor vor und bezieht sich somit auf den zweiten Teil der Forschungsfrage – der u V. In diesem Kapitel wird beleuchtet, warum eine u V von Nöten ist und was die Gründe für die bisherige Priorisierung des Autos sind.
Die Pfadabhängigkeit ist ein Konzept zur Beschreibung von Prozessen und wird sowohl in verschiedenen Disziplinen der Sozialwissenschaften (Bebchuk & Roe 1999; Beyer 2005; Boas 2007) als auch Naturwissenschaften (Durand & Mendel 1979; Simon & Bernazzini 2006) diskutiert. Auch in der Policy-Forschung findet das Konzept Anwendung. Im Kern besagt der Ansatz, dass Prozesse durch Ereignisse in der Vergangenheit beeinflusst oder bestimmt werden. Es gibt divergierende Phänomene, die bei Prozessen zu Pfadabhängigkeit führen können. Diese sind vor allem (1) prägende Ereignisse als Ausgangsbedingung – initial conditions, (2) zufällige, kleine Ereignisse, welche eine unvorhersehbare hohe Bedeutung erhalten haben – small events, (3) die Aufrechterhaltung von mehreren Gleichgewichtszuständen – multiple equilibria, (4) an kritischen Zeitpunkten der Entwicklung verschiedene Wege einzuschlagen – critical juncture, (5), in suboptimalen oder ineffizienten Zuständen zu verharren – inefficiency, (6) sich nicht von Gleichgewichtszuständen abzuwenden – lock-in, (7) oder einmal eingeschlagene Wege nicht mehr verlassen zu können und dadurch eine sich selbstverstärkende, reaktive Abfolge zu erzeugen – self-reinforcement (Beyer 2015: 149 - 150).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der umweltorientierten Verkehrspolitik für den Klimaschutz ein und problematisiert die bisherige Vernachlässigung geschlechtsspezifischer Mobilitätsbedürfnisse.
2 Pfadabhängigkeit - Theoretische Grundlage: Es wird das theoretische Konzept der Pfadabhängigkeit analysiert, um die historischen Ursachen für ineffiziente Strukturen in der Genderrepräsentation und im Verkehrssektor zu erklären.
3 Forschungsdesign: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, welches auf einer qualitativen Sekundäranalyse und der Anwendung der 4 R Methode zur Gleichstellungsbewertung basiert.
4 Einordnung des Politikfelds umweltorientierte Verkehrspolitik auf Bundesebene: Hier wird der politische Rahmen der Verkehrspolitik auf Bundesebene beleuchtet, wobei Machtstrukturen und konkurrierende Politikinstrumente untersucht werden.
5 Analyse mittels der 4 R Methode: In diesem Hauptteil wird das deutsche Verkehrssystem in den Kategorien Repräsentation, Ressource, Realität und Realisation auf die Anwendung von Gender Mainstreaming hin geprüft.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die aufgestellten Hypothesen hinsichtlich der männlichen Dominanz in der Verkehrspolitik und gibt Empfehlungen für eine notwendige Transformation.
Gender Mainstreaming, Verkehrspolitik, Pfadabhängigkeit, Klimaschutz, Mobilität, 4 R Methode, Geschlechtergerechtigkeit, Verkehrswende, Motorisierter Individualverkehr, Gleichstellung, Nachhaltigkeit, Verkehrsplanung, Gender Data Gap, Repräsentation, Politikwissenschaft.
Die Arbeit untersucht, inwiefern das politische Leitprinzip Gender Mainstreaming (GM) in der deutschen Verkehrspolitik auf Bundesebene Anwendung findet, da dieser Sektor stark von pfadabhängigen Strukturen geprägt ist.
Die zentralen Themenfelder sind die Wechselwirkungen zwischen Gender und Mobilität im Kontext der Verkehrswende, die Bedeutung von Pfadabhängigkeit in politischen Institutionen sowie die Analyse des motorisierten Individualverkehrs.
Die Forschungsfrage lautet: „Inwiefern wird GM in der umweltorientierten Verkehrspolitik (u V) auf Bundesebene in der Legislaturperiode von 2017 bis 2021 umgesetzt?“
Die Arbeit nutzt als methodischen Rahmen eine qualitative Sekundäranalyse kombiniert mit der „4 R Methode“, einem spezifischen Analyseinstrument aus der Gender-Analyse.
Der Hauptteil evaluiert anhand der 4 R Schritte (Repräsentation, Ressource, Realität und Realisation) die Verkehrspolitik des Bundes, um aufzudecken, wo die geschlechtsspezifische Perspektive fehlt.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gender Mainstreaming, Verkehrswende, Pfadabhängigkeit, Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit charakterisiert.
Das Konzept hilft zu erklären, warum ineffiziente Mobilitätsmuster wie die starke Priorisierung des Autos trotz ökologischer Notwendigkeiten der Verkehrswende historisch verfestigt und politisch schwer zu ändern sind.
Die Arbeit zeigt auf, dass Mobilitätsverhalten nicht naturgegeben, sondern durch gesellschaftliche Zuschreibungen und Rollenbilder (z.B. Erziehung zu Technikinteressen bei Jungen) geprägt ist, was Männer eher zu umweltschädigenden Mobilitätsformen führt.
Die Analyse verdeutlicht, dass das Verkehrsministerium in der untersuchten Periode durch eine männliche Dominanz in den Führungspositionen geprägt war, was eine androzentrische Sichtweise in der Verkehrsplanung begünstigt hat.
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