Bachelorarbeit, 2008
61 Seiten, Note: 1,3
1 Problemaufriss
1.1 Creative Class, Place Branding & Competitive identities
1.2 Die Verbindung von Identität und Steuerung mit dem Stadtmarketing
1.3 Forschungsfrage
1.4 Einordnung in Forschung und Praxis
1.5 Eingrenzung des Untersuchungsgebiets
1.6 Aufbau der Untersuchung
2 Literatur & Diskurs
2.1 Stadt als Gegenstand
2.1.1 Schwierigkeit mit der Begrifflichkeit von Stadt
2.1.2 Klischees von Städten - der Blick von außen
2.1.3 Die Stadt als Prozess
2.1.4 Stadt ist kein Territorium
2.1.5 Lokalisieren von Orten und Bedeutung des Lokalen
2.1.6 Die Stadt als Akteur?
2.2 Experteninterview: Bastian Lange zum Thema Stadtbegriffe & multipli:cities
2.3 Identität in Stadt und Stadtmarketing
2.3.1 Place Branding & Competitive Identities
2.3.2 Identitätsorientiertes Stadtmarketing
2.3.3 Empirische Erkenntnisse aus den Leitbildprozessen im Projekt „Stadt 2030“
2.3.4 Kontextsensibilität von Identitätsdiskursen
2.3.5 Narrative Identitäten
2.4 Experteninterview: Ares Kalandides zum Thema Identität & Stadtmarketing
3 Netzwerktheorie: Identity & Control nach Harrison White
3.1 Identität als Verortung bei Kontingenzen
3.2 Kontext
3.3 Switiching zwischen Netdoms
3.4 Die 4 Ordnungen von Identitäten
3.5 Networks und Stories
3.6 Localities
4 Anwendung der Netzwerktheorie auf die Vorstellung von Stadtidentität
4.1 Phänomen: Was ist Identität?
4.2 Akteure: Wem oder was kann Identität zugeschrieben werden?
4.3 Kontext: Was ist „die Stadt“?
4.4 Thesen zur Stadtidentität
5 Fallbeispiel: Graz-Reininghaus
5.1 Profil und Besonderheiten
5.2 Prozess
5.3 Expertenmeinungen
5.3.1 Experteninterview: Michael Sammer zum Thema Partizipation & Entwicklungsprozess in Reininghaus
5.3.2 Experteninterview: Roland Koppensteiner zum Thema Strategie & Marketing in Reininghaus
5.4 Das Problem der Identität in Reininghaus
6 Neuformulierung von einem identitätsorientierten Stadtmarketing
6.1 Selbstverständnis
6.2 Dimensionen neuer Handlungsfelder
6.2.1 Networking
6.2.2 Switching
6.2.3 Story-telling
6.2.4 Tracing
6.3 Anwendung auf Graz Reininghaus
6.4 Ausblick
7 Schlussbetrachtung und Resultate
7.1 Zusammenfassung
7.2 Fazit zur Forschungsfrage
7.3 Kritische Würdigung und neue Fragen
7.4 Schlusswort zur Anbindung an die Praxis
Die Arbeit untersucht die theoretische Konzeption von Stadtidentität im Kontext des modernen Stadtmarketings, das im Standortwettbewerb häufig versucht, Identität als steuerbare Markeneigenschaft zu instrumentalisieren. Ziel ist es, durch die Anwendung der netzwerktheoretischen Perspektive von Harrison C. White, das Stadtmarketing von einem Kommunikator starrer Identitäten zu einem Kommunikationsermöglicher weiterzuentwickeln, der die plurale und narrative Natur städtischer Räume berücksichtigt.
3.1 Identität als Verortung bei Kontingenzen
„Identities spring up of efforts at control in turbulent context.“(1) Diese Bemühungen sind zu verstehen als das Zurechtkommen, das Umgehen mit Kontingenzen und der Auseinandersetzung in der Interaktion. Statt einer wörtlichen Übersetzung der „Kontrollbemühungen“ wird aber der Begriff der Aussteuerung im Sinne einer Verortung favorisiert, weil es sich hierbei nicht um das Dominieren von unsicheren Situationen handelt, sondern weil White hier auf das Verorten in einer sozialen Situation abstellt.
Dieses Finden eines Orientierung gebenden Fundament („footing“) kann auch als eine Position, ein Stand in Bezug zu anderen Identitäten gefasst werden kann. Umgekehrt ist deshalb diese Aussteuerungsbemühungen auch Realität für die Identitäten, auf die sich diese Aussteuerung bezieht. Eine Aussteuerung markiert hier also den Prozess des wechselseitigen Findens von Beziehung und muss dementsprechend immer zweiseitig gedacht werden.
Identitäten sind in der Generierung einer sozialen Verortung („footing“) dementsprechend sowohl Quelle als auch Resultat von Kommunikation, welcher Identitäten Bedeutung zuschreiben können (1). Ohne diesen sozialen Verortungsmechanismus, so White, „identities would jump around in a social space without meaning and thus without communication“(1). Gegenüber dem üblicherweise verstandenen Begriff der Identität als Persönlichkeit, generalisiert White Identität mit der Voraussetzung von „action“ und meint damit jede Entität, der ein Beobachter eine Bedeutung zuweisen kann, die über ihre bio-physischen Eigenschaften hinaus geht (2). So ist der Identitätsbegriff auch auf Firmen, Gemeinschaften, Gruppen usw. anwendbar.
1 Problemaufriss: Einleitung in den Standortwettbewerb von Städten und die Problematik, Identität als steuerbare Marke zu begreifen.
2 Literatur & Diskurs: Interdisziplinäre Aufarbeitung stadtsoziologischer Ansätze und Expertenmeinungen zu Identitätsdiskursen.
3 Netzwerktheorie: Identity & Control nach Harrison White: Einführung in die netzwerktheoretischen Konzepte von Harrison White, wie Verortung, Kontingenz und Netzwerk-Domains.
4 Anwendung der Netzwerktheorie auf die Vorstellung von Stadtidentität: Übertragung der abstrakten Theorie auf den spezifischen Kontext der Stadtidentität.
5 Fallbeispiel: Graz-Reininghaus: Analyse eines aktuellen Stadtentwicklungsprojekts unter Berücksichtigung der Theorieanwendung und Experteninterviews.
6 Neuformulierung von einem identitätsorientierten Stadtmarketing: Entwicklung eines neuen Selbstverständnisses des Stadtmarketings als Kommunikationsermöglicher durch Networking, Switching, Story-telling und Tracing.
7 Schlussbetrachtung und Resultate: Zusammenfassung der Ergebnisse und Beantwortung der Forschungsfrage sowie Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Stadtmarketing, Stadtidentität, Netzwerktheorie, Harrison C. White, Place Branding, Graz-Reininghaus, Kommunikation, Identitätskonstitution, Netzwerkdomain, Switching, Story-telling, Urbanität, Sozialtheorie, Standortwettbewerb, Narrative Identität.
Die Arbeit analysiert kritisch das Konzept der „Stadtidentität“ im modernen Stadtmarketing und versucht, dieses durch einen netzwerktheoretischen Ansatz neu zu formulieren.
Neben dem Stadtmarketing stehen die Netzwerktheorie nach Harrison White, der soziologische Begriff des Raumes sowie Konzepte der narrativen Identitätsbildung im Zentrum.
Die Forschungsfrage lautet: Was bedeutet die Identität einer Stadt und welche Implikationen hat dies für das Stadtmarketing?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse sowie der Auswertung narrativer Experteninterviews und der Anwendung einer netzwerktheoretischen Perspektive.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch die Soziologie und Netzwerktheorie, eine Anwendung auf den städtischen Kontext sowie die detaillierte Analyse des Fallbeispiels Graz-Reininghaus.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Stadtidentität, Netzwerktheorie, Place Branding, Switching und Kommunikation geprägt.
Graz-Reininghaus dient als exemplarisches Praxisbeispiel, um die Herausforderungen der Identitätskonstituierung in einem großen Stadtentwicklungsprojekt zu dokumentieren und zu hinterfragen.
Statt Stadtidentität als festes, zu kommunizierendes „Image“ oder Produkt zu betrachten, schlägt die Arbeit ein Verständnis als „Kommunikationsermöglicher“ vor, das auf offenen, vernetzten Prozessen basiert.
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