Bachelorarbeit, 2020
42 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Vorstellung des Unternehmens „LEGO Group“
3. Das theoretische Konzept der sektoralen Adaptionsfähigkeit
4. Analyse der Digitalisierungsmaßnahmen der LEGO Group anhand der sektoralen Adaptionsfähigkeit
4.1 Erste Reaktionen auf die Digitalisierung und darauf folgende Krise
4.2 Strategie „Gemeinsame Vision“
4.2.1 Überleben und Rückbesinnung auf das Kerngeschäft
4.2.2 Wachstum
4.3 Strategie „Leveraging Digitalization“
5. Kritische Reflexion des theoretischen Konzepts der sektoralen Adaptionsfähigkeit
6. Fazit und Forschungsausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Krisenmanagement und die strategische Neuausrichtung der LEGO Group im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung. Ziel ist es zu analysieren, ob und inwieweit die ergriffenen Digitalisierungsmaßnahmen maßgeblich zum erfolgreichen Ausweg aus der existenzbedrohenden Unternehmenskrise der frühen 2000er-Jahre beitrugen, betrachtet durch die Linse des soziologischen Konzepts der sektoralen Adaptionsfähigkeit.
4.1 Erste Reaktionen auf die Digitalisierung und darauf folgende Krise
Die erste zu untersuchende historische Phase der LEGO Group bezieht sich auf den Zeitraum zwischen den 1990er-Jahren und dem Jahr 2004. Dieser zeitliche Abschnitt zeichnet sich besonders dadurch aus, dass die LEGO Group die technologische Innovation der Digitalisierung gänzlich fehl einschätzte, auf Grundlage dieser Fehleinschätzung überexpandierte und sich deshalb schließlich an den Rand der Insolvenz brachte. Wie es zu dieser existenzbedrohenden Krise der LEGO Group kam, soll im Folgenden detailliert erläutert werden.
Seit ihrer Gründung verzeichnete die LEGO Group jahrzehntelang ständig steigende Verkaufszahlen sowie ein stetiges Umsatzwachstum (vgl. Robertson und Breen 2014, S. 46). So erreichte die LEGO Group im Jahr 1978 einen Umsatz von etwa einer Milliarde dänischer Kronen und konnte diesen Umsatz bereits zehn Jahre später verfünffachen (vgl. Lombriser und Abplanalp 2010, S. 550). Ab Beginn der 1990er-Jahre kam die bemerkenswerte Phase zweistelliger Wachstumsraten jedoch zum Stillstand (vgl. Robertson und Breen 2014, S. 52). Auslöser für diese Stagnation gab es zahlreiche: Zum einen liefen im Jahr 1988 die letzten Patente der LEGO Group für den zusammensteckbaren Plastikspielstein aus (vgl. Robertson und Breen 2014, S. 52). Dies hatte zur Folge, dass Konkurrenten den Spielwarenmarkt mit billigen Spielsteinimitaten überfluteten (vgl. Einwächter und Simon 2017, o.S.) und die LEGO Group das langjährige Monopol auf den Noppen-und-Röhren-Baustein verlor (vgl. Robertson und Breen 2014, S. 52).
Zum anderen sanken die Geburtenraten in den Hauptabsatzmärkten Westeuropa und Nordamerika, was mit abnehmenden Haushaltsausgaben für Spielwaren einherging (vgl. Rivkin et al. 2013, o.S.). Ein weiterer Trend, der sich auf die LEGO Group auswirkte, war das sogenannte „Kids Getting Older Younger (KGOY)-Phänomen“. Kinder wuchsen demzufolge in immer jüngerem Alter zu Jugendlichen heran, was die Zeitspanne für die Nachfrage nach Kinderspielzeug verkürzte (vgl. Hjarvard 2004, S. 52). Hinzu kam die Problematik, dass Kinder der Mittelschicht in ihrer Freizeitgestaltung unter zunehmendem Zeitdruck standen und somit weniger Zeit für das Spielen mit LEGO-Spielsteinen übrig blieb (vgl. Robertson und Breen 2014, S. 53f.).
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsgegenstandes LEGO Group, Herleitung der Forschungsfrage sowie Erläuterung der soziologischen Perspektive durch das Konzept der sektoralen Adaptionsfähigkeit.
2. Vorstellung des Unternehmens „LEGO Group“: Historischer Abriss zur Entwicklung des Unternehmens, der Innovation des Klemmbausteins und dem krisenhaften Vorstoß in neue, digitale Marktsegmente.
3. Das theoretische Konzept der sektoralen Adaptionsfähigkeit: Theoretische Fundierung der Arbeit durch das Konzept nach Dolata, welches drei Varianten sektoraler Adaption bei technologischem Wandel definiert.
4. Analyse der Digitalisierungsmaßnahmen der LEGO Group anhand der sektoralen Adaptionsfähigkeit: Empirische Untersuchung der verschiedenen Unternehmensphasen, vom Scheitern in den 90ern über die Sanierung durch die „Gemeinsame Vision“ bis zur modernen Digitalisierungsstrategie.
4.1 Erste Reaktionen auf die Digitalisierung und darauf folgende Krise: Analyse der Phase der Überexpansion und der krisenhaften Fehleinschätzung des digitalen Wandels bis zum Jahr 2004.
4.2 Strategie „Gemeinsame Vision“: Darstellung der Rettungsmaßnahmen unter Jørgen Vig Knudstorp, mit Fokus auf die Stabilisierung des Kerngeschäfts.
4.2.1 Überleben und Rückbesinnung auf das Kerngeschäft: Untersuchung der Phase der radikalen Kostensenkungen und der Konzentration auf die klassischen Plastikspielsteine.
4.2.2 Wachstum: Erläuterung der Phase der organischen Wachstumsstrategie und der schrittweisen Rückkehr zu digitalen Innovationen.
4.3 Strategie „Leveraging Digitalization“: Untersuchung der modernen Phase, in der die Digitalisierung als integraler Bestandteil der gesamten Unternehmensstrategie verankert wurde.
5. Kritische Reflexion des theoretischen Konzepts der sektoralen Adaptionsfähigkeit: Zusammenführende Diskussion der Anwendbarkeit des theoretischen Modells auf den konkreten Fall der LEGO Group.
6. Fazit und Forschungsausblick: Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf zukünftige Studienbedarfe im Kontext von Sektor-Adaptionen.
LEGO Group, Digitalisierung, Sektorale Adaptionsfähigkeit, Unternehmenskrise, Strategie, Transformation, Kerngeschäft, Open Innovation, Crowdsourcing, Hybride Produkte, Soziologische Analyse, Spielwarenbranche, Jørgen Vig Knudstorp, Unternehmenswandel.
Die Arbeit analysiert, wie die LEGO Group als Weltmarktführer der Spielwarenbranche auf den disruptiven technologischen Wandel durch die Digitalisierung reagiert hat und welche Rolle diese Strategien bei der Überwindung der Unternehmenskrise Anfang der 2000er-Jahre spielten.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der LEGO-Unternehmensführung, Konzepte soziologischer Innovationsanalyse, Strategien der Geschäftstransformation (Diversifikation vs. Fokus auf Kerngeschäft) sowie Kooperationsmodelle mit Fananwendern.
Die Forschungsfrage lautet: „Waren die diversen Digitalisierungsmaßnahmen, welche die LEGO Group aufgrund der drohenden Insolvenz ergriff, der erfolgreiche Ausweg aus der Krise?“
Als methodischer Ausgangspunkt dient eine umfassende Literaturrecherche. Zur Analyse wird der empirische Fall der LEGO Group mit dem soziologischen Konzept der „sektoralen Adaptionsfähigkeit“ nach Ulrich Dolata verknüpft.
Der Hauptteil gliedert die Unternehmenshistorie in drei klare Phasen: Die krisenhafte Phase der gescheiterten Diversifikation, die Sanierungsphase der „Gemeinsamen Vision“ und die moderne Phase der „Leveraging Digitalization“-Strategie.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „Sektorale Adaptionsunfähigkeit“, „Open Innovation“, „Hybrides Spielen“ und „Strategische Neuausrichtung“ charakterisieren.
Die Strategie führte von einer sehr inhouse-orientierten Arroganz („LEGO weiß es am besten“) hin zu einer offenen Unternehmenskultur, die durch Crowdsourcing und die Einbindung der Fan-Community aktiv zur Innovation beiträgt.
Die Autorin argumentiert, dass bisherige Literatur den Fall oft rein unter ökonomischen Kennzahlen betrachtet. Der soziologische Ansatz ergänzt dies um das tiefere Verständnis von „soziotechnischen Matches“, also wie sich Organisationen kulturell und strukturell mit neuen Technologien verflechten.
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