Bachelorarbeit, 2020
37 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Zur philosophischen Wahrnehmungsentwicklung
2.1 Aristoteles weltrichtige Wahrnehmung
2.2 Anthropozentrischer Dualismus
2.3 Wiederherstellung eines wirklichkeitsverbundenen Weltbilds
2.3.1 Sekundäre Qualitäten
2.3.2 Kulturelle Wahrnehmung
2.3.3 Wechselwirkungen als Vollendung der Weltzugehörigkeit
3. Zur wirklichkeitsverbundenen Kunstentwicklung
3.1 Künstlerische Autonomie
3.2 Überwindung der ästhetischen Differenz
3.3 Varianten einer wirklichkeitsverbundenen Kunst
3.3.1 Wirklichkeitsverbundene Kunstwerke
3.3.2 Kunst und Prozessualität – eine Überwindung des Kunstwerks
3.4 Wandlung der künstlerischen Funktion
4. Realisation eines zeitgenössischen Realismus
4.1 Poststrukturalismus und Konzeptkunst
4.2 Adrian Piper – eine identitäre Unschärfe
4.3 Funk Lessons
4.3.1 Eine repräsentationskritische Analyse
4.3.2 Wirklichkeitsbezug
5. Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht, inwiefern zeitgenössische Kunst trotz ihrer historischen Autonomie eine weltverbundene und realistische Funktion einnehmen kann. Basierend auf der Theorie von Wolfgang Welsch wird analysiert, wie durch die Überwindung des dualistischen Weltbildes eine neue künstlerische Praxis entstehen kann, die nicht mehr nur ein ästhetisches Objekt schafft, sondern aktiv in die Wirklichkeitsproduktion eingreift.
3.3.2 Kunst und Prozessualität – eine Überwindung des Kunstwerks
Das Problem der vorgestellten Varianten ist, dass nach einer Produktionsphase ein für sich stehendes Kunstwerk entsteht, welches der sonstigen Wirklichkeit gegenübersteht und nicht in diese integriert ist. Es kann keine dauerhafte Naturbindung geschaffen werden, da diese durch das fertige Werk gekappt wird. „Die Verbindung mit Wirklichkeit beschränkte sich auf die Hervorbringung, sie gilt nicht mehr für das Resultat. Das fertige Werk ist von den Wirklichkeitsprozessen abgekoppelt und steht nun der Wirklichkeit […] gegenüber.“ Denn die Folge eines für sich stehenden Kunstwerks ist immer eine Aufrechterhaltung der ästhetischen Differenz, die eine Unterscheidung von Kunst und Wirklichkeit als Grundlage ansieht. Ohne ein solches oppositives Wirklichkeitsverhältnis kann diese Form von Kunst nicht existieren.
Als eine Lösung des Problems sieht Welsch es als notwendig an sich von einem Kunstwerk als Ergebnis der künstlerischen Produktion zu trennen. Er orientiert sich hierbei besonders an der Kunstform der Musik, für die sich eine Prozessualität als eine Grundlage ihrer Existenz herausstellt. Ein musikalisches Werk kann nur durch den Prozess einer Aufführung realisiert werden und muss für jede Rezeption neu erzeugt werden. „Alle Schönheit, Erschütterung, Verstörung und Beglückung entsteht und besteht nur im Verlauf im Prozess.“ Um eine absolute Verwicklung von Kunst mit Wirklichkeit zu erreichen, darf das Ziel einer künstlerischen Arbeit nicht ein für sich stehendes Kunstwerk sein. Stattdessen wird die ästhetische Differenz mit einer Fokussierung auf den Prozess überwunden.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob zeitgenössische Kunst realistisch und weltverbunden sein kann, und stellt das theoretische Fundament mittels Wolfgang Welschs Ansatz vor.
2. Zur philosophischen Wahrnehmungsentwicklung: Dieses Kapitel erläutert den Wandel vom aristotelischen objektiven Wahrnehmungsverständnis hin zu einem modernen Dualismus und der anschließenden Wiederherstellung eines wirklichkeitsverbundenen Weltbildes.
3. Zur wirklichkeitsverbundenen Kunstentwicklung: Hier wird untersucht, wie die Überwindung des dualistischen Denkens die Kunst beeinflusst, mit Fokus auf ästhetische Differenz, künstlerische Autonomie und prozessorientierte Kunstformen.
4. Realisation eines zeitgenössischen Realismus: Dieses Kapitel analysiert anhand der Performances "Funk Lessons" von Adrian Piper, wie eine weltverbundene, transformative Kunstpraxis in der Realität umgesetzt werden kann.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die prozessuale Kunstform als eine wirksame, gesellschaftlich relevante Alternative zur traditionellen autonomen Kunst.
Realismus, Zeitgenössische Kunst, Wolfgang Welsch, Philosophische Wahrnehmungsentwicklung, Künstlerische Autonomie, Ästhetische Differenz, Prozessualität, Adrian Piper, Funk Lessons, Wirklichkeitsbezug, Repräsentationskritik, Transformation, Poststrukturalismus, Weltzugehörigkeit, Sozialer Wandel.
Die Arbeit analysiert das Wechselverhältnis von Wahrnehmung, Wirklichkeit und Kunst und untersucht, wie Kunst sich von einem autonomen Modell zu einer weltverbundenen, transformativen Praxis entwickeln kann.
Die zentralen Themen sind philosophische Wahrnehmungstheorien, die Überwindung der strikten Trennung von Kunst und Wirklichkeit sowie die Rolle von künstlerischen Prozessen in der gesellschaftlichen Wirklichkeitsproduktion.
Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob zeitgenössische Kunst als "realistisch" gelten kann, wenn sie ihre Autonomie überwindet und statt statischer Objekte prozessuale Interaktionen mit der Wirklichkeit anbietet.
Es wird eine theoretische Analyse auf Basis von Wolfgang Welschs Evolutions- und Wahrnehmungstheorie durchgeführt, gefolgt von einer fallstudienbasierten Analyse des Werks von Adrian Piper.
Der Hauptteil gliedert sich in die philosophischen Grundlagen der Wahrnehmung, die theoretische kunsthistorische Überwindung von Dualismen und die detaillierte Untersuchung von Adrian Pipers Performance-Reihe "Funk Lessons".
Kernbegriffe sind Realismus, Ästhetische Differenz, Künstlerische Autonomie, Wirklichkeitsbezug, Transformation und Prozessualität.
Das Beispiel des ersten Bildes eines Schwarzen Lochs dient als wiederkehrende Metapher, um zu veranschaulichen, wie Wahrnehmung und technologische Medien unsere Welterfahrung erweitern und warum wissenschaftliche Repräsentationen aus menschlicher Sicht als "unvollständig", aber dennoch realistisch gelten können.
Pipers ethnische Vielfalt und ihre "identitäre Unschärfe" führen zu einer kritischen Reflexion über soziale Normen, wobei sie durch die "Funk Lessons" mit Leichtigkeit zwischen verschiedenen kulturellen Verfahren wechselt, um Stereotype der US-amerikanischen Gesellschaft zu hinterfragen.
Im Gegensatz zur klassischen gesellschaftskritischen Kunst, die oft urteilt, zielen Pipers Performances auf eine Transformation ab, indem sie Teilnehmer durch aktive Partizipation befähigen, ihre eigene Rolle und Identität innerhalb gesellschaftlicher Strukturen neu zu bestimmen.
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