Bachelorarbeit, 2012
85 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen der Neuen Institutionenökonomik
2.1. Prinzipal-Agenten-Theorie
2.2. Market for Lemons
2.3. Transaktionskostentheorie
3. Rechtsprechung, Umfang und Auswirkung der Cyberkriminalität
3.1. Ambiguität des Cybercrime-Begriffs
3.2. Juristische Arbitrage
3.3. Forderung nach stärkerer Kooperation
3.4. Statistiken und Trends
3.5. Probleme der statistischen Erhebung
4. Märkte, Delikte und Geschäftsmodelle der Cyberkriminellen
4.1. Funktionsweise der Märkte und Marktteilnehmer
4.1.1. Zweistufiger Markt (“Two-Tier Economy”)
4.1.2. Währung und Transaktion
4.2. Delikte und Geschäftsmodelle der Cyberkriminellen
4.2.1. Kategorisierung von Delikten
4.2.2. Computer integrity crime
4.2.3. Computer-assisted crime
4.3. Kosten und Umsätze der Geschäftsmodelle
4.4. Pendants traditioneller Geschäftsmodelle im Onlinesektor
5. Kriminelle Onlineinnovation und Organisation
5.1. Definition und Arten von Innovationen
5.1.1. Innovationen der Angriffsweise
5.1.2. Geschäftsmodellinnovationen
5.1.3. Prozessinnovationen
5.2. Organisation
5.2.1. Entrepreneurship: Bildung neuer Cybercrime-Organisationen
5.2.2. Dynamik, Spezialisierung und Outsourcing
5.2.3. Organisationsformen
6. Finanzierung
6.1. Finanzierungsquellen als Differenzierungsmerkmal
6.2. Projektbasierte Finanzierung als Gemeinsamkeitsmerkmal
6.3. Effizienzanalyse der Nutzen- und Risikostruktur für Investments
6.3.1. Benefit Side: Nutzenanalyse
6.3.1.1. Investor
6.3.1.2. Investee
6.3.2. Cost Side: Kosten- und Risikoanalyse
6.3.2.1. Investor
6.3.2.2. Investee
6.4. Zusammenfassung der Ergebnisse
6.5. Lösung des Investmentproblems?
7. Fazit und Implikationen für Strafverfolgungsbehörden
Diese Bachelorarbeit analysiert die ökonomischen Strukturen hinter der Cyberkriminalität, mit einem besonderen Fokus auf Geschäftsmodelle und deren Finanzierung. Sie untersucht, warum klassische Investitionsmodelle im kriminellen Kontext aufgrund von Informationsasymmetrien und Risiko-Inkonsistenzen versagen, und leitet daraus Ansätze zur Bekämpfung durch Strafverfolgungsbehörden ab.
4.1.1. Zweistufiger Markt (“Two-Tier Economy”)
Experten zufolge hat sich ein zweistufiges System („Two-Tier Underground Economy“) herausgebildet, in dem organisierte Gangs und Allianzen eine erste Stufe bilden, den Tier-1 (Webforen, private Channels und sonstige Organisationsmethoden). Der Grad des Zusammenhalts und der Kooperation ist hierbei in jedem Forum unterschiedlich. Durch die Qualitätskontrolle und Vertrauensbasis unter den Mitgliedern organisierter Foren, tragen diese geringere Kosten und Risiken, da Betrug und Ausfälle seltener vorkommen als im öffentlichen Markt für jedermann. Somit können diese organisierten, meist spezialisierten und professionellen Kriminellen auch das größere Gewinnresiduum abschöpfen. Im freien und öffentlich zugänglichen Markt der zweiten Stufe, dem Tier-2 (IRC-Markt), tummeln sich hingegen die vergleichsweise ungeübten Neueinsteiger, die nur sehr geringe Margen realisieren können, da sie durch Betrug und Ausfälle höhere Transaktionskosten zu tragen haben. Diese Mehrkosten kommen durch eine „Betrugssteuer“ ( „Ripper Tax“) zustande, welche als eine Art Querfinanzierung der durch Betrugswilligen induzierten Qualitätsausfälle gesehen werden kann: „A seller, who does not intend to cheat, merely subsidizes those who do.“
Nach Coase (1937) führt eine Erhöhung der Transaktionskosten auf den Märkten (wie auch die Betrugssteuer) zu einer Bildung von gefestigten Geschäftsbeziehungen und resultiert in der Bildung von Firmen („Hierarchies“), da dort geringere Kosten für die Transaktionsabwicklung innerhalb der Organisation anfallen. Im Cybercrime herrscht in einer organisierten Struktur zusätzlich höhere Sicherheit und eine Art Vertrauensbasis, die die kriminellen Geschäftsabläufe erleichtert und Ausfälle minimiert. Herley und Florencio (2012) beobachten in diesem Kontext: „(...) when market transactions are taxed, expensive, or uncertain it makes sense to form groups who deal with each other regularly rather than return to the market for every resource requirement (...). After a transaction with a good seller it makes sense to deal with that seller again rather than brave the mixed pool of sellers and rippers.”
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Ökonomie der Cyberkriminalität ein und stellt das Ziel auf, Finanzierungsprobleme und Risikostrukturen mittels ökonomischer Theorien zu identifizieren.
2. Theoretischer Rahmen der Neuen Institutionenökonomik: Dieses Kapitel erläutert die Anwendbarkeit der Prinzipal-Agenten-Theorie, der Akerlofschen "Market for Lemons"-Theorie sowie der Transaktionskostentheorie auf kriminelle Handlungen.
3. Rechtsprechung, Umfang und Auswirkung der Cyberkriminalität: Hier werden die begriffliche Ambiguität, die Probleme der globalen Strafverfolgung sowie statistische Herausforderungen und Trends in der Cyberkriminalität diskutiert.
4. Märkte, Delikte und Geschäftsmodelle der Cyberkriminellen: Dieses Kapitel analysiert die zweistufige Marktstruktur und die verschiedenen Deliktsformen, inklusive Kosten- und Erlösmodellen.
5. Kriminelle Onlineinnovation und Organisation: Die verschiedenen Formen der Innovation und die Entwicklung von Organisationsformen vom "Schwarm" bis zur hierarchischen Struktur werden hier analysiert.
6. Finanzierung: Das Kernkapitel untersucht die Finanzierungsquellen und führt eine detaillierte Kosten-Nutzen-Analyse für externe Investments in kriminelle Projekte durch.
7. Fazit und Implikationen für Strafverfolgungsbehörden: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und Ansätze für Behörden formuliert, um die kriminelle Infrastruktur ökonomisch zu destabilisieren.
Cyberkriminalität, Neue Institutionenökonomik, Prinzipal-Agenten-Theorie, Transaktionskostentheorie, Geschäftsmodelle, Finanzierung, Cyber-Innovation, Marktversagen, Adverse Selection, Moral Hazard, Internetkriminalität, Online-Sicherheit, Strafverfolgung, Two-Tier Economy, Projektfinanzierung.
Die Arbeit beleuchtet die ökonomische Logik hinter kriminellen Handlungen im Internet, speziell wie diese organisiert und finanziert werden.
Die zentralen Felder sind die Anwendung institutionenökonomischer Theorien auf kriminelle Geschäftsmodelle, die Analyse von Marktstrukturen im Untergrund und die Finanzierung dieser Aktivitäten.
Das Ziel ist es, die spezifischen (Finanzierungs-)Probleme krimineller Innovationen aufzuzeigen, um daraus Vorschläge für eine effektivere Bekämpfung durch Behörden abzuleiten.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine deduktive Analyse unter Nutzung der Neuen Institutionenökonomik, wobei Modelle wie die Prinzipal-Agenten-Theorie zur Erklärung von Risikoasymmetrien modifiziert werden.
Der Hauptteil analysiert die Funktionsweise der Märkte, verschiedene Deliktarten, die Innovationsfähigkeit krimineller Organisationen sowie detaillierte Kosten-Nutzen-Analysen für potentielle Finanzierungen.
Sie wird als eine fragmentierte, aber zunehmend professionalisierte Industrie dargestellt, die aufgrund ihrer Struktur und fehlenden legalen Regulierungsmechanismen hochgradig riskant für externe Kapitalgeber ist.
Dabei handelt es sich um das zweistufige System des Untergrunds: Tier-1 umfasst organisierte, private Foren mit hoher Qualitätssicherung, während Tier-2 den unregulierten, öffentlichen Markt mit hoher Betrugsrate (Lemons) widerspiegelt.
Aufgrund extremer Informationsasymmetrien, fehlender Möglichkeiten für Monitoring und Durchsetzung von Verträgen sowie hoher Ausfallrisiken ist eine effiziente externe Finanzierung ohne operative Beteiligung kaum möglich.
Der Autor schlägt vor, die Märkte durch eine "Lemonisierung" (künstliche Induktion von Marktversagen und Misstrauen) zu schwächen, um den Nachwuchs an Neueinsteigern zu bremsen und die Szene von innen zu destabilisieren.
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