Bachelorarbeit, 2022
38 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Auseinandersetzung mit dem Leistungsbegriff in schulischen Kontexten
2.1 Historische Genese der Leistungsidee
2.2 Zum Konzept Schule und der Operationalisierung von schulischer Leistung durch Noten
2.3 Sozialkonstruktivistisches Verständnis in der Soziologie
2.4 Praktische Umsetzung des Leistungskonzepts
3 Empirische Analyse: Konstruktion schulischer Leistung in der Überprüfung und Bewertung durch Lehrkräfte
3.1 Leistungsbewertung im Rahmen der Klausurkorrektur
3.2 Leistungsbewertung im Rahmen der mündlichen Abiturprüfung
3.3 Leistungsbewertung im Rahmen der Notenbesprechung mit Schüler*innen
4 Fazit
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen lehrkraftinduzierter Subjektivität auf die Bewertungspraxis in der Schule. Es wird dargelegt, dass schulische Leistung kein objektives Attribut ist, sondern erst durch die Interaktion und Bewertung von Lehrkräften aktiv konstituiert wird, was maßgeblich zur Produktion von Schulerfolg und der Reproduktion sozialer Ungleichheit beiträgt.
3.1 Leistungsbewertung im Rahmen der Klausurkorrektur
Die erste zu untersuchende Bewertungssituation soll die der Klausurkorrektur sein, wobei Kalthoffs „Zensurenpanoptikum“ (1996) als ethnographische Studie die Datengrundlage bildet. Im Rahmen der Studie wurden Lehrkräfte verschiedener Internatsschulen über einen Zeitraum von neun Monaten hinweg „bei der Korrekturarbeit von Klausuren [und] der Notenfindung“ (Kalthoff 1996: 109) begleitet und beobachtet. Dabei wurden fünf Lehrpersonen bei der Klausurkorrektur am „häuslichen Schreibtisch“ (Kalthoff 1996: 109) beobachtet und es wurde acht mündlichen Abiturprüfungen mit anschließender Notenberatung beigewohnt. Anhand des vorliegenden Materials zur Klausurkorrektur soll in diesem Kapitel analysiert werden, inwiefern die Bewertungspraxis der Lehrkräfte dem Gütekriterium der Objektivität folgt und inwiefern sie im Einzelnen die Leistung ihrer Schüler*innen konstituiert.
Während der Beobachtung der Lehrkräfte bei der Klausurkorrektur fällt auf, dass sie sich in ihrer Verwendung der Bezugsnormen der Leistungsbewertung unterscheiden (vgl. Spinath 2008: 187). Von drei möglichen werden in dieser Studie zwei Bezugsnormen in der Leistungsbewertung registriert, nämlich die „kriteriums-/lernzielorientierte“ (Kalthoff 1996: 111) bzw. kriteriale/sachliche Bezugsnorm (Spinath 2008: 187) und die „gruppenorientierte“ (Kalthoff 1996: 111) bzw. soziale Bezugsnorm (Spinath 2008: 187). Im Falle der Verwendung der kriterialen Bezugsnorm wird beobachtet, dass Lehrkräfte sich vor der Korrektur einen sogenannten Erwartungshorizont erstellen, der eine Musterlösung der Klausur darstellen soll (Kalthoff 1996: 111). Mithilfe dieses Erwartungshorizonts kann die Lehrkraft niedergeschriebenes ‚Wissen‘ kalkulierbar machen, indem sie einzelnen Aussagen oder „Wissenselemente[n]“ (Kalthoff 1996: 111) Punktzahlen zumisst, die die Ansprüche der Klausur oder ihrer einzelnen Aufgaben widerspiegelt.
1 Einleitung: Die Einleitung etabliert das Thema der schulischen Bewertung als sozialkonstruktiven Prozess und definiert das Ziel der Arbeit, die Dynamik lehrkraftinduzierter Subjektivität zu untersuchen.
2 Auseinandersetzung mit dem Leistungsbegriff in schulischen Kontexten: Dieses Kapitel erläutert die Genese der Leistungsidee und analysiert die Funktionen von Schule sowie die Rolle der Note als operationalisiertes Maß der Humandifferenzierung.
3 Empirische Analyse: Konstruktion schulischer Leistung in der Überprüfung und Bewertung durch Lehrkräfte: Das Hauptkapitel untersucht anhand empirischer Daten drei konkrete Settings – Klausurkorrektur, mündliches Abitur und Zeugnisnotenbesprechung – hinsichtlich ihrer Konstruktionsmechanismen.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und verdeutlicht, dass die schulische Subjektivität aus einem grundlegenden Spannungsfeld zwischen menschlichem Handeln und dem mechanischen Idealbild der Notengebung resultiert.
Schulische Bewertungspraxen, Leistungsbegriff, Lehrkraftinduzierte Subjektivität, Sozialkonstruktivismus, Organisation Schule, Notengebung, Doing Difference, Meritokratie, Klausurkorrektur, Mündliche Abiturprüfung, Zeugnisnotenbesprechung, Bildungssoziologie, Humandifferenzierung, Chancengleichheit, Soziale Ungleichheit.
Die Arbeit analysiert, wie schulische Noten entstehen. Dabei wird die These vertreten, dass Noten keine objektiven Abbilder von Fähigkeiten sind, sondern durch die subjektiven Handlungen und Wahrnehmungen von Lehrkräften konstruiert werden.
Zentral sind der soziologische Leistungsbegriff, die Funktionen der Schule (z.B. Enkulturation, Allokation), die Methoden der Notenvergabe sowie die Rolle der Lehrkraft als agierendes Subjekt innerhalb organisatorischer Strukturen.
Das Ziel ist es, offenzulegen, wie lehrkraftinduzierte Subjektivität in verschiedenen Bewertungssituationen wirkt und wie diese Praxis das Verhältnis zwischen institutionellem Anspruch und tatsächlicher Bewertungserbringung beeinflusst.
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse ethnographischer Studien (insbesondere Kalthoff und Breidenstein), um die Praxis der Leistungsbewertung in der Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von drei spezifischen Settings: die Klausurkorrektur, das mündliche Abitur sowie die Zeugnisnotenbesprechung mit Schüler*innen.
Wichtige Begriffe sind Leistungskonstruktion, Subjektivität, Organisation Schule, Meritokratie, Notengebung, Differenzierung und soziale Ungleichheit.
Während die Klausurkorrektur meist in der Isolation einer einzelnen Lehrperson stattfindet, unterliegt die mündliche Abiturprüfung einer Dynamik des Kollektivs (Prüfungsausschuss) sowie einer aktiven Interaktion, was die Konstruktion der Leistung deutlich komplexer macht.
Die Selbsteinschätzung dient laut der Analyse eher dazu, Schüler*innen eine vermeintliche Mitwirkung und Eigenverantwortung zu suggerieren, während ihre tatsächliche Rolle im Bewertungsprozess stark beschränkt bleibt.
Die Arbeit kritisiert, dass das Meritokratie-Prinzip, also der Aufstieg durch Leistung, durch die unvermeidliche Subjektivität der Lehrkräfte ausgehöhlt wird, was die behauptete Chancengleichheit in Frage stellt.
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