Masterarbeit, 2019
74 Seiten, Note: 1,1
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
1. Einleitung
2. Die klassische anti-kausalistische Handlungstheorie: Wittgenstein, Anscombe, Melden, von Wright
2.1. Wittgenstein
2.1.1. Willkürliche Handlungen
2.1.2. Erklärungen durch Gründe
2.2. Anscombe
2.2.1. Absichtliches Handeln und Absicht-mit-welcher
2.2.2. Praktisches Wissen, Praktischer Schluss
2.2.3. Wissen, das nicht auf Beobachtung beruht
2.3. Melden: Das „Logical Connection Argument“ (LCA)
2.4. Von Wright
3. Was sind die Antworten des Kausalismus?
3.1. Davidsons kausale Handlungstheorie
3.1.1. Davidsons Argumente gegen den Anti-Kausalismus
3.1.2. Absicht bei Davidson
3.1.3. Der praktische Syllogismus bei Davidson
3.1.4. Die Rolle von kausalen Gesetzen
3.2. Stoutlands Argumente gegen das logische Beziehungsargument
3.3. Exkurs: Bratmans Plänetheorie
4. Hat der Kausalismus die Argumente der frühen Anti-Kausalisten entkräften können?
4.1. Kritik an der kausalistischen Handlungsdefinition
4.2. Unterschiede zwischen Gründen und Ursachen
4.3. Handeln im Kontext (Verteidigung gegen Davidsons Hauptargument)
4.4. Verteidigung des logischen Verknüpfungsarguments
4.5. Verteidigung von Anscombes Begriff der Absicht
4.5.1. Der Begriff der Absicht
4.5.2. Thompson: Naive Handlungstheorie und praktisches Wissen
4.6. Sind intentionale Erklärungen kausale Erklärungen?
5. Schlussfolgerungen
Die Arbeit untersucht, ob menschliche Handlungen angemessener durch Kausaltheorien (Erklärung durch Ursachen) oder durch handlungstheoretische Ansätze (Erklärung durch Gründe) begründet werden können, und prüft kritisch, ob kausalistische Positionen – insbesondere die von Donald Davidson – die Argumente früher Anti-Kausalisten wie Wittgenstein und Anscombe erfolgreich entkräften konnten.
2.1.1. Willkürliche Handlungen
Nach Wittgenstein ist das Wollen, das sich in willentlichen Handlungen manifestiert, bzw. der Willensakt nicht ein geistiger Vorgang. Weder kann das Wollen gewollt werden, noch werden unsere Handlungen nur indirekt vermittels der geistigen Handlung des Wollens herbeigeführt. „‘Wollen‘ ist nicht der Name für eine Handlung und also auch für keine willkürliche. Und mein falscher Ausdruck kam daher, dass man sich das Wollen als ein unmittelbares, nichtkausales, Herbeiführen denken will.“ (PU § 613). Wollen ist also nicht eine Art inneres Tun und wenn Wollen überhaupt keine Handlung bezeichnet, kann man es auch nicht als „willkürlich“ bezeichnen. Aus der (falschen) Idee, dass Wollen ein inneres Herbeiführen sei, folgt, dass jede willentliche Handlung eine herbeigeführte sei. Darauf entgegnet Wittgenstein, dass ich mich nicht eines Mittels bediene, eine willkürliche Bewegung herbeizuführen (PU § 614), so wie man ein Zimmer abkühlt durch das Öffnen eines Fensters, sondern ich führe die Handlung direkt aus, ohne zu ihrer Ausführung willentlich etwas anderes tun zu müssen.
Das heisst, eine willkürliche Handlung ist nicht eine durch einen mentalen Akt verursachte Körperbewegung. Insbesondere ist der Wunsch nicht ein solches Mittel, eine Handlung herbeizuführen (PU § 614). Der Begriff des Wünschens impliziert die Möglichkeit des Zweifelns, ob der Wunsch in Erfüllung geht. Die willkürliche Bewegung schliesst diesen Wunsch im Normalfall aus: Hebe ich meinen Arm, so habe ich mir nicht gewünscht, er möge sich heben (PU § 616).
Wollen ist also kein Wünschen, Wollen ist vielmehr die Handlung selbst, aber handeln im gewöhnlichen Sinn des Wortes, das heisst, nicht nur eine Körperbewegung, die man macht, sondern gewöhnliche Handlungen wie sprechen, schreiben, ein Objekt heben oder auch sich etwas vorstellen - was gar keine Körperbewegung involviert.
1. Einleitung: Stellt die Forschungsfrage vor, ob menschliche Handlungen durch Ursachen (kausalistisch) oder durch Gründe (anti-kausalistisch) erklärt werden sollen.
2. Die klassische anti-kausalistische Handlungstheorie: Wittgenstein, Anscombe, Melden, von Wright: Präsentiert die fundamentalen anti-kausalistischen Positionen und deren Ablehnung mentaler kausaler Akte.
3. Was sind die Antworten des Kausalismus?: Untersucht Davidsons Standardmodell und dessen kausalistische Handlungserklärungen sowie die Kritik von Stoutland und Bratman.
4. Hat der Kausalismus die Argumente der frühen Anti-Kausalisten entkräften können?: Analysiert detailliert die Schwächen der kausalistischen Handlungsdefinition und verteidigt die anti-kausalistischen Konzepte der Absicht und logischen Verknüpfung.
5. Schlussfolgerungen: Fasst zusammen, dass die kausalistische Theorie die ursprünglichen Argumente der Anti-Kausalisten nicht entkräften konnte und die Gründe-Erklärung ein unverzichtbares, nicht-reduzierbares Merkmal menschlichen Handelns bleibt.
Handlungstheorie, Kausalismus, Anti-Kausalismus, Handlungsgründe, Ursachen, Wittgenstein, Anscombe, Davidson, Absicht, Teleologie, praktischer Syllogismus, Rationalisierung, Handlungsbeschreibung, logische Beziehung, mentales Ereignis.
Die Arbeit untersucht die philosophische Kontroverse darüber, ob menschliches Handeln durch kausale Gesetze oder durch rationale Gründe erklärt werden muss.
Zentral sind die kritische Analyse der kausalistischen Handlungstheorie von Davidson und die Verteidigung neo-wittgensteinianischer beziehungsweise anti-kausalistischer Ansätze.
Es soll geklärt werden, ob kausalistische Theorien die Einwände der frühen Anti-Kausalisten (wie etwa das Argument der logischen Beziehung) erfolgreich entkräftet haben.
Es handelt sich um eine philosophische Text- und Argumentationsanalyse, die zentrale Werke und Begriffe der analytischen Handlungstheorie im Detail diskutiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der klassischen anti-kausalistischen Theorien, die kausalistische Replik (Davidson) und deren detaillierte Prüfung anhand aktueller Forschungsdebatten.
Die wichtigsten Begriffe sind Kausalismus, Anti-Kausalismus, Handlungsgründe, Absicht und das Prinzip der Rationalisierung.
Wittgenstein betont, dass ein Akteur eine privilegierte Autorität besitzt, seine eigenen Gründe für eine Handlung zu benennen, ohne dass dies auf einer empirischen Beobachtung mentaler Ursachen basieren müsste.
Für Anscombe ist Absicht nicht abtrennbar von der Handlung selbst; sie ist keine kausal wirksame "innere" Entität, sondern zeigt sich im teleologischen Vollzug einer Handlung.
Davidson argumentiert, dass eine rationale Rechtfertigung (Rationalisierung) nur dann handlungserklärend ist, wenn sie gleichzeitig kausal wirksam wird, indem sie den Wunsch und die Überzeugung des Akteurs in materielle Ursachen überführt.
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