Magisterarbeit, 2002
64 Seiten, Note: 1,0
1 Einführung
2 Biographische Anmerkungen zu Erich Mühsam
2.1 Jugend und Kindheit
2.2 Der Bohemien Erich Mühsam
2.3 Erste Kontakte mit (individual-)anarchistischen Ideen
2.4 Erste politische Aktivitäten
2.5 Der erste Weltkrieg
2.6 Die Novemberrevolution
2.7 Räterepublik und Konterrevolution
2.8 Die Weimarer Republik
2.9 Gefangenschaft und Tod
3 Die Freivermählten
3.2 “Ganz bestimmte revolutionäre Ansichten“
3.2.1 Die Kritik an der Ehe als Kritik an der Monogamie:
3.2.2 Die Frauenfrage als Mutterfrage oder: Die Mutterrechtsfrage als Gebärmutterfrage
3.2.3 Die staatsidealistischen Argumente des Erich Mühsam
4 Exkurs: Das Gutachten
5 Mühsams „Gesamtbild künftiger Gesellschaftsordnung“ und der Weg dorthin
5.1 Mühsams Menschenbild
5.2 Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat
5.2.1 Anarchistische Grundforderungen
5.2.2 Das Wesen des Menschen und seine Gründe
5.2.3 Der anarchistische Widerspruch
5.2.4 Wozu die Ehe verpflichtet
6 Der Konflikt mit Landauer
7 Die Freivermählten in der Sekundärliteratur
8 Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht das Theaterstück „Die Freivermählten“ von Erich Mühsam vor dem Hintergrund seiner anarchistischen Gesellschaftskritik. Ziel der Analyse ist es, die in dem Stück verhandelten Widersprüche – insbesondere zwischen individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Forderungen von Liebe, Ehe und Moral – aufzudecken und zu klären, welche spezifischen Standpunkte Mühsam in der Debatte um Frauenfrage und Mutterschaft vertritt.
3.1 Bemerkungen zum Inhalt
Geschrieben 1909, gedruckt 1914 mit der Widmung „Dem Hidalla-Dichter Frank Wedekind in Verehrung zugeeignet“, sind Die Freivermählten ein Stück mit eindeutig agitatorischer Intention: Im Juni 1914 schreibt Mühsam in seiner Einführung zu der im Kain-Verlag erschienenen Ausgabe des Stücks:
Das vorliegende Werk ist ein Tendenzstück. Es ist mit der Absicht geschrieben worden, durch Rede und Beispiel Stimmung zu machen für ganz bestimmte revolutionäre Ansichten.
Seinen Zweck hat Mühsams Theaterstück nicht erfüllen können: Bis heute wurde es vermutlich an keinem größeren Theater aufgeführt. Im Mühsam-Magazin vom Januar 1999 schreibt Arne Drews in seinem Aufsatz „Von der Verzweiflung des Theater- und Literaturkritikers Ferdinand Hardekopf“ über die zeitgenössische Rezeption der Freivermählten:
Mühsams zweites Theaterstück Die Freivermählten ist nur viermal von der zeitgenössischen Presse wahrgenommen worden. Zweimal direkt als Theaterkritik und zweimal innerhalb von Portraits zu Erich Mühsam. Alle vier stammen von seinem engen Freund Ferdinand Hardekopf.
Einführung: Der Autor führt in das vergessene Werk Erich Mühsams ein und skizziert die Fragestellung nach der Kritik an bürgerlichen Moral- und Ehevorstellungen in dem Stück.
Biographische Anmerkungen zu Erich Mühsam: Dieser Abschnitt beleuchtet den Lebensweg Mühsams, seine Hinwendung zum Anarchismus und die Entwicklung seiner politischen sowie literarischen Tätigkeit bis zu seinem Tod.
Die Freivermählten: Eine inhaltliche Analyse des Dramas, die Mühsams Ansichten zu Ehe, Monogamie und gesellschaftlicher Konvention anhand der Hauptfiguren untersucht.
Exkurs: Das Gutachten: Die Analyse der Erzählung „Das Gutachten“ erweitert das Verständnis von Mühsams Eifersuchts- und Moralkritik und stellt Bezüge zur Psychoanalyse von Otto Gross her.
Mühsams „Gesamtbild künftiger Gesellschaftsordnung“ und der Weg dorthin: Hier wird Mühsams theoretisches Fundament des kommunistischen Anarchismus erläutert und mit seinem konkreten Verhalten in politischen Fragen in Beziehung gesetzt.
Der Konflikt mit Landauer: Eine Darstellung der theoretischen Differenzen zwischen Mühsam und seinem Mentor Gustav Landauer insbesondere hinsichtlich ihrer Ehe- und Familienmodelle.
Die Freivermählten in der Sekundärliteratur: Ein Überblick darüber, wie Literaturwissenschaftler Mühsams Stück bisher beurteilt und eingeordnet haben.
Resümee: Abschließende Reflexion über die Widersprüchlichkeit zwischen Mühsams Idealismus und seiner praktischen Kritik sowie die bleibende Relevanz seiner Thesen.
Erich Mühsam, Die Freivermählten, Anarchismus, Ehekritik, Monogamie, Frauenfrage, Mutterschaft, Gustav Landauer, Lebensreform, Sexualmoral, Individualanarchismus, Sozialistische Gesellschaft, Eifersucht, Literaturkritik, politisches Theater.
Die Magisterarbeit untersucht das Theaterstück „Die Freivermählten“ als Ausdruck der anarchistischen Gesellschaftskritik Erich Mühsams vor dem Ersten Weltkrieg.
Zentrale Themen sind die Kritik an der bürgerlichen Ehe, die Rolle des Staates, die Entwicklung des Anarchismus, die Frauen- und Mutterfrage sowie die Problematik der Eifersucht.
Es soll analysiert werden, wie Mühsam seine politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen in dem Drama verarbeitet und warum er gleichzeitig andere, für seine Theorie bedeutsame Fragen unbeantwortet lässt.
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Analyse des dramatischen Textes unter Heranziehung von Mühsams publizistischen Schriften und zeitgenössischer Sekundärliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Vorstellungs des Theaterstücks, eine theoretische Einordnung in Mühsams Gesamtwerk sowie eine Auseinandersetzung mit seinem Mentor Gustav Landauer.
Die Kernthemen werden durch Begriffe wie Anarchismus, bürgerliche Ehe, sexuelle Selbstbestimmung, Klassenkampf und Geschlechterrollen definiert.
Für Mühsam stellt das Mutterrecht eine „natürliche Bestimmung“ dar, die sich aus der biologischen Beschaffenheit der Frau ableitet; diese biologische Sicht ist zentral für sein Verständnis einer kommenden befreiten Gesellschaft.
Mühsam lehnt zwar staatliche Institutionen wie die Ehe ab, fordert jedoch gleichzeitig vom Staat konstruktive Reformen, etwa die Streichung von Abtreibungsparagraphen, was zu seinem erklärten anarchistischen Staatsverständnis in Kontrast steht.
Die Psychoanalyse, insbesondere durch Bezüge zu Otto Gross, wird genutzt, um Mühsams Umgang mit Themen wie Eifersucht und menschlichem „Fehlverhalten“ gegenüber der Natur zu erklären und zu kontextualisieren.
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