Diplomarbeit, 2008
128 Seiten, Note: 1,0
1 Einführung
1.1 Problemaufriss
1.2 Fragestellung, Thesen, Vorgehensweise, Zielsetzung
2 Das Empowerment-Konzept
2.1 Theoretische Verortung
2.1.1 Erste Annäherung
2.1.2 Empowerment im Sinne von Selbstbemächtigung
2.1.3 Empowerment als professionelles Unterstützungskonzept
2.1.4 Empowerment: Grundüberzeugungen/Menschenbild
2.2 Ebenen und Elemente von Empowerment-Prozessen
2.2.1 Subjektzentrierte Ebene
2.2.2 Gruppenbezogene Ebene
2.2.3 Institutionelle Ebene
2.2.4 Politische/Gesellschaftliche Ebene
2.3 Empowerment und Bildung
2.3.1 Zur Bedeutung des Bildungsbegriffs
2.3.2 Bildung von Menschen mit Behinderung
2.3.3 Empowerment-Konzept und Bildungstheorie
2.3.4 Perspektiven für die Erwachsenenbildung
2.4 Kritische Anmerkungen
2.4.1 Konzeptionelle und begriffliche Unschärfen
2.4.2 Überforderung des Subjekts
2.4.3 Fehleinschätzung von Fähigkeiten und Bedürfnissen
2.4.4 Praktische Umsetzung unpräzisiert
2.4.5 Unzureichende Reflexion gesellschaftlicher Bedingungen
2.4.6 Gesellschaftliche und politische Instrumentalisierung
2.5 Zusammenfassung: Einschätzung und Bewertung
3 Die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM)
3.1 Historische Entwicklungslinien
3.1.1 Das System der Behindertenhilfe in Deutschland
3.1.2 Zur Entwicklung der WfbM
3.2 Zur Bedeutung der WfbM
3.3 WfbM und Bildung
3.3.1 Überblick
3.3.2 Berufliche Bildung und Weiterentwicklung der Persönlichkeit
3.3.3 Organisation von Bildung in WfbM
3.4 Die WfbM als Ort von Empowerment
3.4.1 Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX)
3.4.2 Wunsch- und Wahlrecht
3.4.3 Persönliches Budget
3.4.4 Werkstättenmitwirkungsverordnung (WMVO)/Werkstattrat
3.5 Zusammenfassung
4 Das Projekt WerkstattZeitung
4.1 Grundlagen
4.1.1 Lebensweltbezug
4.1.2 Projektorientierung
4.2 Konzeption
4.2.1 Beteiligte Institutionen
4.2.2 Situationsbeschreibung
4.2.3 Zielgruppe
4.2.4 Ziele
4.3 Die WerkstattZeitung: Empowerment-Prozesse
4.3.1 Subjektzentrierte Ebene
4.3.2 Gruppenbezogene Ebene
4.3.3 Institutionelle Ebene und politische/gesellschaftliche Ebene
4.4 Fazit
4.4.1 Zur praktischen Umsetzung
4.4.2 Perspektiven
5 Schlussbetrachtungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Bildungsangeboten in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) als Ausgangspunkt für Empowerment-Prozesse, wobei insbesondere der emanzipatorische Gehalt von Bildung im Kontext der heilpädagogischen Paradigmendiskussion erörtert wird.
2.1.1 Erste Annäherung
Empowerment kann mit Selbstbemächtigung , Selbstbefähigung oder Stärkung der Eigenkräfte wörtlich übersetzt werden (vgl. Herriger 2006, 1). Es scheint also nicht abwegig, dass Galuske in seiner Einführung in die Methoden der Sozialen Arbeit mit dem Empowerment-Konzept zunächst eine „neue Runde der Selbsthilfedebatte eingeläutet (Galuske 2007, 265) sieht. Das erweist sich jedoch als zu kurz gegriffen, wenn er auf die historischen Wurzeln im Umfeld der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA, in der Debatte um Kommunitarismus, den Erfahrungen der Selbsthilfebewegung und der neuen sozialen Bewegungen (Ökologie-, Frauen-, Friedensbewegung usw.) sowie den Forschungen zu Bedingungen, Strukturen, Chancen und Grenzen sozialer Netzwerke und sozialer Unterstützungssysteme verweist (vgl. ebd., 260).
In einem Ordnungsversuch dieses Wurzelgeflechts stellt Herriger „vier Zugänge zu einer Definition von Empowerment (Herriger 1997, 5) heraus, die vielfältige Schnittstellen und fließende Übergänge aufweisen (vgl. ebd., 12ff):
1. Empowerment ist „ein konflikthafter Prozess der Umverteilung von Macht, in dessen Verlauf Menschen oder Gruppen von Menschen aus einer Position relativer Machtunterlegenheit austreten und sich ein Mehr an Macht, Verfügungkraft und Entscheidungsvermögen aneignen (ebd., 12; Hervorhebung entfernt), und fokussiert die strukturell ungleiche Verteilung von politischer Macht und Einflussnahme. In dieser Tradition sieht Herriger die radikal-politischen Bewusstwerdungskampagnen durch Erziehungs- und Alphabetisierungsprogramme (Freire), politische Gemeinwesenarbeit und radical community organization (Alinsky), die Frauenbewegung und feminist-empowerment-praxis (Bookman/Morgen; Brown), lokalpolitische Bürgerinitiativen und öffentlichkeitswirksame Kampagnen für die Beachtung von Interessen ethnischer Minderheiten und die Independent-Living-Bewegung von Menschen mit Behinderung (DeJong/Batavia; Theunissen/Plaute).
Einführung: Der Abschnitt skizziert den Problemaufriss hinsichtlich des Paradigmenwechsels in der Behindertenhilfe und definiert das Ziel, den emanzipativen Gehalt von Bildung als Empowerment-Prozess in WfbM zu untersuchen.
Das Empowerment-Konzept: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, Ebenen und kritischen Anmerkungen zum Empowerment-Ansatz sowie dessen Verschränkung mit bildungstheoretischen Diskursen.
Die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM): Hier werden historische Entwicklungslinien der WfbM nachgezeichnet und ihre Rolle als zentraler Lebensort sowie ihr Bildungsauftrag kritisch analysiert.
Das Projekt WerkstattZeitung: Das Kapitel stellt die "WerkstattZeitung" als praktisches Beispiel für Empowerment-orientierte Erwachsenenbildung vor und evaluiert dessen Umsetzung und Potenziale.
Schlussbetrachtungen: Eine abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse, die das Potenzial für einen Paradigmenwechsel in der WfbM unter Empowerment-Perspektive hervorhebt.
Empowerment, WfbM, Behindertenhilfe, Selbstbestimmung, Bildungstheorie, Emanzipation, WerkstattZeitung, Projektorientierung, Teilhabe, Erwachsenenbildung, Empowerment-Prozesse, heilpädagogische Praxis, Behindertenpädagogik.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Frage, wie durch bildungsorientierte Projekte in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) Empowerment-Prozesse initiiert werden können, die über die reine berufliche Qualifizierung hinausgehen.
Zentrale Schwerpunkte sind die theoretische Fundierung von Empowerment, der gesetzliche und strukturelle Rahmen der WfbM sowie die praktische Anwendung von projektorientiertem Lernen am Beispiel der WerkstattZeitung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bildungsangebote als „lebensweltkritische Kategorie“ genutzt werden können, um behinderten Menschen mehr Selbstbestimmung und Mitsprache in ihrem Arbeitsalltag zu ermöglichen.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse zur kritisch-konstruktiven Erziehungswissenschaft und Heilpädagogik sowie einer fallbeispielhaften Vorstellung des Projekts „WerkstattZeitung“.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Empowerment-Begriffs, die Analyse der historischen und gegenwärtigen Strukturen der WfbM und die detaillierte Darstellung des Modellprojekts „WerkstattZeitung“.
Die zentralen Charakteristika sind Empowerment, Emanzipation, Teilhabe, Selbstwirksamkeit und der kritische Blick auf die marktkonforme Ausrichtung der Werkstätten.
Sie dient als konkretes Praxismodell, um zu demonstrieren, wie redaktionelle Arbeit behinderten Menschen ermöglicht, sich journalistisch zu betätigen, soziale Netzwerke zu bilden und ihre Interessen in der Öffentlichkeit zu vertreten.
Der Autor weist auf den tiefgreifenden Konflikt zwischen dem erwerbswirtschaftlichen Verwertungsdruck der Werkstätten und dem heilpädagogischen Anspruch hin, behinderte Menschen zu Selbstbestimmung und Persönlichkeitsentfaltung zu befähigen.
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