Diplomarbeit, 2022
60 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Begründung und Zielsetzung
1.2 Herangehensweise
2 Begriffsdifferenzierung und Definition
2.1 Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus
2.2 Rechtsterrorismus
2.3 Lone Actor im Rechtsterrorismus
3 Phänomenologie Lone Actor im Rechtsterrorismus
3.1 Entwicklung und Bedeutung des führerlosen Widerstandes
3.2 Täterprofil und Modus Operandi
3.3 Aktuelle strategische Denkmuster und Agitationsfelder
3.4 Das Lone Actor Phänomen als neue Welle? Eine Trendentwicklung
3.5 Zwischenfazit Phänomenologie
4 Ätiologie der Radikalisierung
4.1 Stand der Forschung und Radikalisierungsmuster
4.2 Radikalisierungsfaktor – psychische Erkrankungen
4.3 Radikalisierungsfaktor – soziale Isolation
4.4 Radikalisierungsfaktor – World Wide Web
4.5 Anwendung auf den Fall Stephan Balliet
5 Tatsächlich ein Einzeltäter? - eine Frage der Perspektive
6 Fazit
6.1 Gesamtfazit
6.2 Ausblick
Die Arbeit untersucht das Phänomen der rechtsterroristischen "Lone Actor" (Einzeltäter) in westlichen Demokratien. Das Hauptziel ist die Schaffung eines praxisnahen Verständnisses dieses Phänomens sowie die Beantwortung der Frage, ob das bisherige Einzeltäter-Verständnis durch eine soziologische Betrachtungsweise sinnvoll erweitert werden kann.
3.1 Entwicklung und Bedeutung des führerlosen Widerstandes
Im Rechtsterrorismus existieren eine Fülle von Konzepten als strategische Handlungs- und Organisationsanleitung, die sowohl im gruppenbasierten Rechtsterrorismus als auch für Lone Actor-Rechtsterroristen eine geschichtliche und wachsende Bedeutung im internationalen Kontext haben. Zu nennen sind hier insbesondere das sogenannte Werwolf-Konzept aus der Endphase des zweiten Weltkriegs, die fiktive Erzählung aus den Turner-Tagebüchern als Handlungsanleitung, der Roman Hunter als Modell des Einzeltäter-Terrorismus, das Konzept des führerlosen Widerstandes (engl.: „Leaderless Resistance“) aus dem US-Rechtsextremismus, das Blood and Honour-Konzept und die sog. Siege-Texte des US-Neonazis James Mason als Anleitung zum Rassenkrieg. Dabei besitzt vorzugsweise das Konzept des führerlosen Widerstands (engl.: „Leaderless Resistance“) einen hohen Stellenwert im Einzeltäter-Terrorismus und wird vorliegend hinsichtlich seiner Entwicklung und Bedeutung eingehender betrachtet.
Das strategisch-organisatorische Konzept des führerlosen Widerstandes ist ein alter aus dem Kriegswesen stammender Ansatz, der asymmetrischen Kriegsführung. In diesem Zusammenhang war es für schwach aufgestellte und unterlegene Kriegsparteien strategisch aussichtsreicher mittels klein organisierten Zellen dem zahlenmäßig überlegeneren Feind durch massig durchgeführte, kleinere Angriffe („Nadelstiche“) größeren Schaden zu bereiten. Dieser Ansatz geht auf den chinesischen General und Philosophen Sun Tsu zurück, der vor ca. 2500 Jahren eine erste Abhandlung darüber verfasste und den chinesischen Revolutionsführer Mao zu nicht-konventionellen Guerillataktiken inspirierte.
Das Konzept findet seit den 1990er Jahren große Verbreitung im US-amerikanischen Rechtsextremismus und wurde durch den US-Amerikanischen Aktivisten des Ku-Klux Klans und Gründer der sog. Aryan Nations, Louis Beam weiterentwickelt und popularisiert. Beam knüpfte damit u.a. an Gruppen der 1970er Jahre, wie der militanten Tierbefreiungsbewegung oder linksterroristischen Zellen an, die sich nach diesem Konzept bereits organisierten.
1 Einleitung: Begründet die Relevanz der Untersuchung des Lone-Actor-Phänomens im Rechtsterrorismus aufgrund der aktuellen Gefährdungslage und definiert die Zielsetzung.
2 Begriffsdifferenzierung und Definition: Abgrenzung der Begriffe Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus sowie Definition des Lone-Actor-Begriffs unter Rückgriff auf behördliche und wissenschaftliche Quellen.
3 Phänomenologie Lone Actor im Rechtsterrorismus: Untersuchung der Erscheinungsformen, des Konzepts des führerlosen Widerstandes sowie der aktuellen strategischen Denkmuster und der möglichen Einordnung als "fünfte Welle" des Terrorismus.
4 Ätiologie der Radikalisierung: Analyse der ursächlichen Faktoren wie psychische Erkrankungen, soziale Isolation und des Internets sowie deren Anwendung auf das Beispiel des Attentäters Stephan Balliet.
5 Tatsächlich ein Einzeltäter? - eine Frage der Perspektive: Kritische Reflexion des traditionellen Einzeltäterbegriffs und Plädoyer für eine soziologische Betrachtung der sozialen Einbettung dieser Täter.
6 Fazit: Zusammenfassende Darstellung der Erkenntnisse aus den vorangegangenen Kapiteln und Ausblick auf zukünftige Herausforderungen.
Lone Actor, Rechtsterrorismus, Rechtsextremismus, Radikalisierung, Führerloser Widerstand, Soziale Isolation, Internet, Ideologisierung, Stephan Balliet, Verschwörungstheorien, ZOG, Großer Austausch, Sicherheitsbehörden, Terrorismusforschung, Einzeltäter.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Phänomenologie von „Lone Actor“-Rechtsterroristen, die autonom agieren und nicht in klassischen, hierarchisch strukturierten Terrororganisationen organisiert sind.
Im Zentrum stehen die Erscheinungsformen (Phänomenologie) des Lone-Actor-Phänomens im Rechtsterrorismus, die Identifizierung ursächlicher Radikalisierungsfaktoren und die Untersuchung des Einflusses digitaler Räume auf diese Täter.
Das Ziel ist, ein praxisnahes Verständnis für das Phänomen zu gewinnen und zu prüfen, inwieweit das bisherige Einzeltäter-Verständnis durch soziologische Perspektiven, beispielsweise durch die Betrachtung von "Lone Acting", erweitert werden sollte.
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und wertet aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Behördenberichte aus. Zudem wird der Fall Stephan Balliet als Fallbeispiel analysiert, um die theoretischen Radikalisierungsmuster zu überprüfen.
Der Hauptteil gliedert sich in die phänomenologische Untersuchung (inkl. Täterprofilen und Strategien wie dem "führerlosen Widerstand"), eine ätiologische Analyse der Radikalisierung (World Wide Web, Isolation, Psyche) und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Einzeltäterbegriff.
Neben dem zentralen Begriff des Lone Actors im Rechtsterrorismus sind Begriffe wie "Radikalisierung", "führerloser Widerstand", "Soziale Isolation" und die Rolle des "World Wide Web" als Treiber der Ideologisierung und Kommunikation essenziell.
Balliet dient als empirisches Fallbeispiel, anhand dessen die theoretischen Erkenntnisse über Radikalisierung, soziale Isolation und die Bedeutung von Internet-Imageboards in der Praxis kritisch überprüft werden.
Die Arbeit argumentiert, dass die Bezeichnung als "Einzeltäter" oft das soziale Umfeld und die virtuelle Einbettung der Täter in "digitale Rudel" oder Anhängerschaften ausblendet. Sie plädiert daher für eine Erweiterung hin zu einer soziologischen Betrachtung des "Lone Acting".
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