Bachelorarbeit, 2022
49 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1. Kurze Einführung Klassismus
1.1. Definition des Begriffs
1.2. Genese des Begriffs
1.3. Klassismus als Ideologie
2. Klassismus im Bildungssystem
2.1. Kapitalsorten und Habitus
2.2. Klassismus an Schulen
2.3. Klassismus an Universitäten
3. Implikationen für die Forschung
3.1. Distanzierte Objektivität als hegemoniale Illusion
3.1.1. Ein Soziologe auf Abwegen
3.1.2. Mangel an begrifflicher Konzeptionalisierung
3.1.3. Scheinevidente Dichotomien
3.2. Grenzen und Konsequenzen der hegemonialen Objektivitätsillusion
3.2.1. Die (Miss-)Deutungshoheit im Forschungsprozess
3.2.2. Rückblick auf missglückte Wissenschaft
3.2.3. Einblick in missglückende Wissenschaft
3.2.4. Die brisante Allianz aus Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik
4. Ausblicke: Möglichkeiten und Lösungsansätze
5. Fazit
Die Arbeit untersucht, wie Klassismus als Form der Diskriminierung im Bildungssystem wirkt und welche Konsequenzen dies für die wissenschaftliche Forschung hat. Ziel ist es, die unhinterfragten, klassistischen Präkonstruktionen im Wissenschaftsbetrieb aufzudecken, die zu einer einseitigen Wissensproduktion beitragen.
3.1.1. Ein Soziologe auf Abwegen
Obwohl Loïc Wacquant bereits am ersten Tag an seiner neuen Universität in Chicago dringendst davon abgeraten wird, je auch nur einen Fuß in die dortigen Armutsviertel zu setzen, bricht er mit diesem Distanzgebot und lässt genau diese zum Ziel seiner passioniert-teilnehmenden Feldstudie werden (vgl. Hegner 2013: 1-4; Wacquant 2005: 447). In einem der zu meidenden Bezirke gibt er sich als aktiver Teilnehmer dem Geschehen eines Boxvereins hin und nimmt nach einigen Jahren sogar an einem offiziellen Wettkampf teil. Seine – wenn auch nur annähernde da temporäre – Habitustransformation verursacht am Ende einen handfesten Rollenkonflikt, denn er lebt sich mit Leib und Seele in eine Kultur ein, die auf vielerlei Arten enorm von der seinen abweicht. Dabei ist er als Sozialforscher für die Akteur*innen des Feldes ebenfalls erstmal ein „alien“ (Wacquant 2005: 447), das einer „terra incognita“ (ebd.:449) entstammt (vgl. Hegner 2013:1; Wacquant 2003; Wacquant 2005: 454). Sein daraus entstandenes Buch „Leben für den Ring: Boxen im amerikanischen Ghetto“ (2003) erfreut sich größter Beliebtheit, ist in acht Sprachen verfügbar und gilt als diskurssetzend (vgl. Hegner 2013: 1ff.). Angeregt durch diese Erfahrung erweitert er anschließend Bourdieus Habitus Konzept, indem er mit einer fleischlichen Soziologie, vergleichbar mit den oben genannten körpersoziologischen Ansätzen, den Körper als klassenspezifisch geprägtes Medium des Bewusstseins unverrückbar miteinbezieht (vgl. Hegner 2013: 8, 31ff.; Wacquant 2005: 454; Wacquant 2014: 96ff.).
Einleitung: Die Einleitung etabliert Klassismus als schwerwiegende Diskriminierungsform im Bildungssystem und formuliert die Hypothese, dass klassistische Doxa auch die Forschung unobjektiv beeinflussen.
1. Kurze Einführung Klassismus: Dieses Kapitel definiert Klassismus als Ideologie und Diskriminierungsform, eingebettet in historische und aktuelle Machtverhältnisse und soziale Schichtung.
2. Klassismus im Bildungssystem: Das Kapitel analysiert die Rolle von Kapitalsorten und dem Habitus bei der Reproduktion bildungsbezogener Ungleichheit sowie die spezifischen Exklusionsmechanismen an Schulen und Universitäten.
3. Implikationen für die Forschung: Hier wird kritisch hinterfragt, inwiefern die Forderung nach distanzierter Objektivität eine Illusion ist, die das eigene, privilegierte Milieu der Forschenden unhinterfragt lässt.
4. Ausblicke: Möglichkeiten und Lösungsansätze: Das Kapitel diskutiert Wege zu einer diskriminierungssensiblen Forschung durch Selbstreflexion, die Einbeziehung betroffener Perspektiven und die Aufhebung starrer Subjekt-Objekt-Trennungen.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Notwendigkeit einer soziologischen Praxis, die ihre eigene Verortung innerhalb gesellschaftlicher Machtstrukturen erkennt und kritisch hinterfragt.
Klassismus, Bildungsungleichheit, Habitus, Bourdieu, Meritokratie, Soziale Scham, Distanzierte Objektivität, Hegemoniale Illusion, Soziale Forschung, Reflexivität, Mittelschichtsbias, Diskriminierung, Situiertes Wissen, Machtstrukturen, Bildungsaufstieg
Die Arbeit untersucht Klassismus als eine weitgehend ignorierte, aber tief im Bildungssystem und in der wissenschaftlichen Forschung verwurzelte Form der sozialen Diskriminierung.
Die Arbeit fokussiert sich auf das neoliberale Meritokratie-Ideal, die Rolle des kulturellen Kapitals, Bildungsexklusion sowie die epistemologischen Grenzen der wissenschaftlichen Objektivitätsforderung.
Das Ziel ist es, den Scheinwerfer auf die unreflektierten, klassistischen Grundannahmen im Wissenschaftsbetrieb zu lenken und aufzuzeigen, wie diese die Erkenntnisgewinnung beeinflussen.
Es handelt sich um eine literaturbasierte, theoretische Arbeit, die soziologische Theorien (vor allem nach Pierre Bourdieu) nutzt und durch Erfahrungen von Bildungsaufsteiger*innen kontextualisiert.
Diskutiert werden institutionelle Barrieren im Bildungssystem, die Verfestigung von Privilegien durch einen bildungsbürgerlichen Habitus und die Gefahr der Instrumentalisierung wissenschaftlicher Ergebnisse.
Klassismus, Habitus, Meritokratie, Bildungsgerechtigkeit und die kritische Selbstreflexion der Sozialforschung sind zentrale Begriffe.
Die Arbeit geht über die übliche Kritik hinaus und argumentiert, dass die methodische Distanz der Forschung oft eine unbewusste, privilegierte Nähe zum akademischen Milieu maskiert.
Nein. Forschung wird immer als subjektiver, durch die Lebenswelt der Forschenden geprägter Selektionsprozess verstanden, der sich einer absoluten Neutralität entzieht.
Sie gilt als einer der Motoren der Habitustransformation, die Bildungsaufsteiger*innen unter psychischem Druck erzwingen, um in akademischen Räumen Anerkennung zu finden.
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