Bachelorarbeit, 2009
37 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
I. Teil: Stand der Forschung
II. Teil: Die semiotische Fernsehlandschaft
II.1 Multikodalität am Beispiel einer Nachrichtensendung
II.1.1 Sprechsprache
II.1.2 Bewegte Bilder
II.1.3 Auditive Inserts
II.1.4 Visuelle Inserts
II.2 Audiovisuelle Einwegkommunikation
II.3 Audiovisuelle Performativität
III. Teil: Rezeption
III.1 Offene Struktur des Fernsehtextes
III.2 Passiver vs. aktiver Zuschauer
IV. Teil: Zusammenspiel der Fernsehzeichen
IV.1 Zum Begriff der Transkription
IV.2 Bedeutungskonstitution durch intermediale Transkription
Fazit
Die Arbeit untersucht die audiovisuelle Bedeutungskonstitution im Fernsehen, insbesondere am Beispiel von Nachrichtensendungen. Dabei wird analysiert, wie das Zusammenspiel von Bild und Sprache sowie die aktive Rolle des Zuschauers bei der Interpretation dieser "offenen" Textstrukturen eine spezifische Bedeutung generiert.
II.1.1 Sprechsprache
Um die Sprechsprache des Fernsehens sorgfältig zu studieren, wird an dieser Stelle der reine Sprechtext aus einer Nachrichtensendung, d.h. herausgelöst aus dem audiovisuellen Ereignis, gesondert betrachtet. Die betroffene Nachrichtensendung wurde am 06.11.2008 um 4:10 Uhr im Rahmen der Tagesschau gesendet und handelt von Barack Obamas Wahlsieg in den USA.
(1) Guten Morgen, meine Damen und Herren. (2) Nach dem Sieg bei den US-Präsidentenwahlen bereitet sich Barack Obama auf die Übernahme der Amtsgeschäfte vor. (3) Eine Gruppe von Vertrauten solle erste Gesetzesvorlagen ausarbeiten und über die Zusammensetzung der künftigen Regierung beraten, verlautete es aus Obamas Wahlkampfteam. (4) Der neue Präsident der USA wird am zwanzigsten Januar vereidigt. (5) Bei der gestrigen Wahl hatte sich Obama deutlich gegen seinen Rivalen McCain durchsetzen können. (6) Grenzenloser Jubel, ein Freudentaumel. (7) Die Westküste hatte abgestimmt, die Fernsehsender den Sieg ausgerufen, als der neue Bewohner des Weißen Hauses in Chicago vor zweihundertfünfzigtausend enthusiastischen Fans seine Siegesrede hielt. (8) Wenn es da draußen immer noch jemanden gibt, der daran zweifelt, dass in Amerika alles möglich ist, wenn da immer noch jemand glaubt, der Traum unserer Gründerväter sei nicht mehr lebendig, dann ist diese Nacht unsere Antwort darauf. (9) Ein historischer Moment, an den viele Freunde, Helfer und Wegbegleiter oft schon nicht mehr geglaubt hatten nach so vielen dramatischen Wendungen im Wahlkampf. (10) Geradezu historisch aber auch die Probleme, die der neue Präsident im Weißen Haus übernimmt. (11) Er wird eine starke First Lady brauchen.
Die Begrüßung zu Beginn des Textes lässt erahnen, dass ein Nachrichtensprecher, der sogenannte ‚Ankermann‘, das Wort hat, um den Zuschauer sachlich und distanziert in das Thema einzuführen. Vor Satz (6), (8) sowie vor Satz (9) wurde offensichtlich ein Sprecherwechsel vollzogen. Dieser Wechsel des Sprechers geht mit einem Wechsel des Sprachstils einher. So lässt sich von Satz (1) bis (5) ein relativ sachlicher Stil erkennen, welcher in Satz (6) von einem wesentlich emotionaleren Stil abgelöst wird. Die Aussagen (6) und (7) vermitteln den Eindruck, dass die berichtende Person direkt im Geschehen involviert ist, was darauf schließen lässt, dass tatsächlich ein Reporter das Wort hat, der vor Ort über das Ereignis berichtet.
I. Teil: Stand der Forschung: Der Kapitelabschnitt gibt einen Überblick über die bisherige Fernsehforschung, die lange Zeit von einem einfachen Manipulationsmodell ausging, bevor die 'Cultural Studies' die Bedeutung der aktiven Zuschauerrolle und der Textoffenheit hervorhoben.
II. Teil: Die semiotische Fernsehlandschaft: Dieser Abschnitt beschreibt das Fernsehen als multikodales und bisensuelles Medium, das durch das Zusammenspiel von gesprochener Sprache, bewegten Bildern, auditiven sowie visuellen Inserts Bedeutung konstituiert.
III. Teil: Rezeption: Hier wird thematisiert, dass Fernsehtexte eine 'offene' Struktur aufweisen, die den Zuschauer nicht als passives Opfer, sondern als aktiven Teilnehmer bei der Deutung und Lückenschließung erfordert.
IV. Teil: Zusammenspiel der Fernsehzeichen: Dieser Teil stellt die Transkriptivitätstheorie nach Ludwig Jäger vor und wendet sie auf das Fernsehen an, um audiovisuelle Bedeutung als wechselseitigen Prozess der wechselseitigen "Lesbarmachung" von Bild und Sprache zu beschreiben.
Audiovisualität, Bedeutungskonstitution, Fernsehen, Transkriptivität, Nachrichtensendung, Bild-Text-Reißverschluss, Medienforschung, Rezeption, Cultural Studies, sekundäre Oralität, Multikodalität, Semiotik, performative Dynamik.
Die Bachelorarbeit befasst sich mit der audiovisuellen Bedeutungskonstitution im Medium Fernsehen, wobei das komplexe Zusammenspiel zwischen Sprache und Bild im Zentrum steht.
Die Themen umfassen die mediale Beschaffenheit des Fernsehens, die semiotischen Zeichenkategorien (Bild, Ton, Sprache), die Rezeptionsforschung sowie die Theorie der intermedialen Transkription.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass audiovisuelle Bedeutung nicht einfach additiv entsteht, sondern in einer performativen Dynamik durch wechselseitige Transkriptionsprozesse zwischen Bild- und Sprachebene erzeugt wird.
Es wird eine medientheoretische Analyse durchgeführt, die durch ein praktisches Fallbeispiel – eine Nachrichtensendung über Barack Obamas Wahlsieg – illustriert wird.
Der Hauptteil analysiert die Bestandteile der "semiotischen Fernsehlandschaft", die Offenheit von Fernsehtexten, die Rolle des aktiven Zuschauers und die Transkriptivitätstheorie.
Besonders prägend sind die Begriffe Audiovisualität, Transkriptivität, Multikodalität und performative Dynamik.
Nach Ong und Holly ist sie sekundär, da sie auf Schriftlichkeit basiert und meist inszeniert bzw. vorbereitet ist, während primäre Mündlichkeit spontan in face-to-face-Situationen auftritt.
Es beschreibt das Verfahren, bei dem Sprache und Bild wechselseitig aufeinander Bezug nehmen, um die "Überschüsse" der jeweils anderen Zeichenart zu steuern und semantisch einzugrenzen.
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