Diplomarbeit, 2009
109 Seiten, Note: 1.0
Einleitung
1 Definitionen von Behinderung
2 Begriffsdefinition Selbstbestimmung
3 Arbeitgebermodell
3.1 Geschichtlicher Ursprung
3.2 Inhalt und Aufbau des Arbeitgebermodells
4 Zwischenmenschliche Beziehungen
4.1 Begriffsbestimmung Beziehungen und soziale Interaktionen
4.2 Das Wesen von zwischenmenschlichen Beziehungen
4.2.1 Kognitive Repräsentationen von Beziehungen
4.2.2 Strukturmerkmale von Beziehungen
4.3 Rollenbeziehungen und persönliche Beziehungen
4.4 Die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung im Arbeitgebermodell
4.5 Unterstützungsfunktionen von Beziehungen
4.6 Austauschtheoretische Ansätze zur Erklärung zwischenmenschlicher Beziehungen
4.7 Grundlegende Aspekte von zwischenmenschlichen Beziehungen
4.7.1 Interaktionen innerhalb der Beziehungen
4.7.2 Reziprozität versus Komplementarität
4.7.3 Macht
4.7.4 Intimität
4.7.5 Interpersonale Wahrnehmung
4.7.6 Commitment
4.7.7 Beziehungszufriedenheit
5 Zusammenfassung und Fragestellung
6 Methoden
6.1 Auswahl der Methode
6.2 Methodisches Vorgehen
6.2.1 Entwicklung des Interviewleitfadens
6.2.2 Erhebung
6.2.3 Auswertung
6.3 Kritische Würdigung
7 Die Interviewpaare
7.1 Bernd und Matthias
7.2 Gertrud und Sonja
7.3 Berti und Stefan
7.4 Riccarda und Anne
7.5 Andreas und Frank
8 Auswertung
8.1 Soziale Unterstützung
8.1.1 Instrumentelle soziale Unterstützung
8.1.2 Psychische soziale Unterstützung
8.2 Gewinn und Verlust
8.2.1 Gewinn und Verlust Arbeitgeberseite
8.2.2 Gewinn und Verlust Arbeitnehmerseite
8.3 Beziehungszufriedenheit
8.4 Intimität
8.5 Commitment
8.5.1 Commitment Arbeitgeberseite
8.5.2 Commitment Arbeitnehmerseite
8.6 Macht
8.6.1 Bernd und Matthias
8.6.2 Gertrud und Sonja
8.6.3 Berti und Stefan
8.6.4 Riccarda und Anne
8.6.5 Andreas und Frank
8.7 Spannungsverhältnis zwischen Macht und Intimität
8.8 Selbstbestimmung
8.9 Reziprozität und Komplementarität
8.9.1 Gegenseitiger Umgang und Wertschätzung
8.9.2 Psychische Unterstützung
8.9.3 Machtverteilung und Rollenreziprozität
9 Ergebnisse
10 Schluss und Fazit
Ziel dieser Arbeit ist die Erforschung und Analyse der zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb des sogenannten Arbeitgebermodells, bei dem behinderte Menschen die Rolle des Arbeitgebers gegenüber ihren persönlichen Assistenten übernehmen. Es soll untersucht werden, wie diese spezifische Form der berufsbezogenen Rollenbeziehung gestaltet ist, welche Machtstrukturen vorherrschen und inwieweit soziale Unterstützung stattfindet.
4.2.1 Kognitive Repräsentationen von Beziehungen
Eine dyadische Beziehung ist bei den jeweiligen Teilnehmern kognitiv repräsentiert. Baldwin (1992) hat dies als Beziehungsschema bezeichnet. Es beinhaltet das Bild der eigenen Person in der Beziehung, das Bild der Bezugsperson und die Interaktionsskripten für bestimmte Situationen, d.h. eigene Vorstellungen darüber wie Interaktionsmuster in spezifischen Situationen ablaufen bzw. ablaufen werden. Dieses jeweilige Beziehungsschema ist beziehungsspezifisch, also nicht austauschbar. (vgl. ebd., S. 4f.) Analog Asendorpfs und Banses Illustration eines Ehepaares lässt sich dies an einem Beispiel einer Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung innerhalb des Arbeitgebermodells wie folgt darstellen: Arbeitgeber Hans überschreitet zum wiederholten Male die Grenzen von Assistenzgeber Markus, indem er ihn bittet unbezahlt eine Stunde länger dazubleiben, damit Markus den VW-Bus des Arbeitgebers putzen kann.
Markus reagiert wütend und es beginnt eine Grundsatzdiskussion bzgl. Aufgaben außerhalb der Arbeitszeit. Markus verlässt schließlich wortlos die Wohnung von Hans (stabiles Interaktionsmuster). Aufgrund der Interaktionsgeschichte erwartet Markus, dass er in seinem nächsten Dienst bei Hans einige Strafarbeiten zu absolvieren hat (Interaktionsskript). Er nimmt sich in dieser Beziehung als machtlos wahr. Hans hingegen betrachtet er als den machtvollen, dominierenden Teil in der Beziehung. In seiner privaten Beziehung zu seiner Freundin Anke sieht sich Markus dagegen eher als den dominanten Teil. Seine Bilder von sich und von Hans in der Beziehung sind somit beziehungsspezifisch. (vgl. ebd., S. 5) Beziehungsschemata beinhalten potentiell auch normative Vorstellungen. (vgl. ebd., S. 5; Argyle/Henderson, 1985, S. 15) Diese Regeln werden zum einen durch Gesetze vorgegeben, andererseits bestehen aber auch informelle Regeln, die Beziehungen begleiten. Diese Regeln für die verschiedenen Beziehungen unterscheiden sich je nach Beziehungsart. Sie dienen auf der einen Seite zur Orientierung des jeweiligen Verhaltens der Bezugspartner und sorgen somit dafür, dass Beziehungen funktionieren können. Andererseits kann eine Verletzung der Regeln zu einem Zerbrechen bzw. zum Abbruch einer Beziehung führen.
1 Definitionen von Behinderung: Beleuchtung des Behindertenbegriffs aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven und Vorstellung der ICF-Klassifikation.
2 Begriffsdefinition Selbstbestimmung: Abgrenzung der Selbstbestimmung von Fremdbestimmung und Autarkie im Kontext der Behindertenpolitik.
3 Arbeitgebermodell: Darstellung des historischen Ursprungs sowie des inhaltlichen Aufbaus des Arbeitgebermodells.
4 Zwischenmenschliche Beziehungen: Theoretische Fundierung von Beziehungsaspekten wie Interaktion, Macht, Intimität und Commitment.
5 Zusammenfassung und Fragestellung: Synthese der Theorie und Herleitung der zentralen Forschungsfragen für die empirische Untersuchung.
6 Methoden: Erläuterung des qualitativen Forschungsdesigns mittels leitfadengestützter Interviews.
7 Die Interviewpaare: Vorstellung der untersuchten Assistenzverhältnisse und der beteiligten Interviewpartner.
8 Auswertung: Detaillierte Analyse der Ergebnisse zu den Themen soziale Unterstützung, Macht, Intimität und Commitment.
9 Ergebnisse: Zusammenfassende Darstellung der Erkenntnisse zum Tauschcharakter und den Beziehungsdynamiken.
10 Schluss und Fazit: Kritische Reflexion der Ergebnisse und Empfehlungen für weiterführende Beratungsangebote.
Arbeitgebermodell, Persönliche Assistenz, Behinderung, Selbstbestimmung, Zwischenmenschliche Beziehungen, Rollenbeziehung, Macht, Intimität, Soziale Unterstützung, Commitment, Beziehungszufriedenheit, Leitfadeninterview, Reziprozität, Komplementarität, Interaktionsmuster
Die Arbeit untersucht die bisher wenig erforschte Dynamik zwischenmenschlicher Beziehungen zwischen behinderten Arbeitgebern und ihren persönlichen Assistenten im Rahmen des Arbeitgebermodells.
Die Themen umfassen die Definition von Behinderung, das Konzept der Selbstbestimmung, die Theorie der zwischenmenschlichen Beziehungen sowie spezifische Aspekte wie Macht, Intimität und soziale Unterstützung.
Ziel ist es, zu analysieren, wie die Beteiligten ihre Rollen als Arbeitgeber bzw. Arbeitnehmer erleben, welche Beziehungsstrukturen sich durch die 24-Stunden-Begleitung entwickeln und wie sich dies auf die Selbstbestimmung auswirkt.
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf zehn leitfadengestützten Interviews basiert, um ein tiefgreifendes Verständnis für die individuellen Assistenzverhältnisse zu gewinnen.
Der Hauptteil analysiert die Interviews anhand von Kategorien wie soziale Unterstützung, Gewinn und Verlust, Beziehungszufriedenheit, Machtverteilung und das Spannungsfeld zwischen Macht und Intimität.
Zentrale Begriffe sind das Arbeitgebermodell, Selbstbestimmung, persönliche Assistenz, Macht, Intimität, soziale Unterstützung und das Commitment der Akteure.
Aufgrund der räumlichen Nähe entwickeln sich oft enge Bindungen, die mit den klaren hierarchischen Anforderungen des Arbeitgebermodells (Weisungsbefugnis vs. persönliche Beziehung) konkurrieren, was oft zu Rollenkonflikten führt.
Sie beschreibt die Komplexität, dass die Rollen Arbeitgeber/Arbeitnehmer mit den Rollen Assistenznehmer/Assistenzgeber verschmelzen, was die Grenze zwischen beruflicher Dienstleistung und persönlicher Beziehung schwer definierbar macht.
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