Magisterarbeit, 2008
128 Seiten
Einleitung
I. Problemstellung
II. Forschungsstand
1. Konstruktion von Frauenbildern am Vorabend der 79er Revolution
1.1. Zur Geschlechterkonstruktion in der westlichen Philosophie
1.1.1. Geschlechtersymbolismus
1.1.2. Die Frau als Metapher
1.2. Āyatollah Morteżā Moṭaharī
1.3. Alī Schariati
1.4. Khomeini
1.5. Die Wiedereinführung des ḥeǧāb nach der 79er Revolution
1.5.1. Die verschiedenen Arten des ḥeǧāb
1.5.2. Die Legitimierung des ḥeǧāb seitens der religiös konservativen Machthaber
1.6. Fazit
2. Der Islamische Feminismus zwischen westlichem Feminismus und radikal-religiösen Kräften in Iran
2.1. Die Suche nach Gleichberechtigung
2.2. Islamische Feministinnen
2.3. Ansichten westlicher Feministinnen zur 79er Revolution
2.4. „EuroPhantasien“
2.5. Fazit
3. Gewalt und Aggressionen gegen Frauen
3.1. Jessica Benjamins Psychoanalyse
3.2. Zur Aggressionstheorie von Schipper
3.3. Fazit
4. Machttheorien und der autoritäre Charakter
4.1. Macht- und Gewalttheorien von Hannah Arendt
4.2. Theorien Adornos zum Autoritarismus in „Studien zum autoritären Charakter“
4.2.1. Definition von Autoritarismus
4.2.2. Adornos Variablen zur Messung autoritären Verhaltens mit Bezug auf iranische Verhältnisse
4.3. Fazit
5. Einzelschicksale von Frauen in Iran vor und nach der 79er Revolution
5.1. Frauenpolitische Maßnahmen der Pahlawi –Dynastie
5.1.1. Die Machtergreifung Reza Schahs
5.1.2. Die Zwangsentschleierung von Frauen
5.1.3. Reformen für Frauen unter Mohammad Reza Pahlawi
5.2. Der Kampf gegen den Schleier in der Kunst
5.3. Die Frauen in der heißen Phase der 79er Revolution
5.3.1. Die 79er Revolution
5.3.2. Der Umgang der Linken mit den Frauen
5.3.3. Einzelschicksale von Frauen und Mädchen
5.4. Frauenleben in Iran 29 Jahre nach der 79er Revolution
5.5. Die Weblog-Szene in Iran
5.6. Journalistinnen in Iran
5.7. Fazit
Zusammenfassung und Schluss
Bibliographie
Anlagen
Persische Texte
Die Arbeit untersucht die Rolle des Heǧāb als Instrument des Machterhalts der religiös-konservativen Kräfte in der Islamischen Republik Iran und analysiert die Konstruktion künstlicher Geschlechterdifferenzen zur Stabilisierung dieses patriarchalen Systems.
1.1.1. Geschlechtersymbolismus
In Grunddualismen ist die Geschlechterdifferenz immer „latent“ mitgedacht worden. Klinger schreibt, dass „in den Konzeptionen von Weiblichkeit und Männlichkeit die großen Grunddualismen des abendländischen Denkens eingeschrieben sind“. Bei Befragungen würden die Meisten die Natur den Frauen zuschreiben und den Männern das Werk der Kultur; Gefühle und Schönheit seien weiblich sowie Rationalität und Würde männlich, auch Aktivität sei männlich und Passivität weiblich. Außerdem weist Klinger darauf hin, dass es für die Meisten klar stünde, „dass Frauen ins Haus (die Privatsphäre) gehören, während dem Mann die Öffentlichkeit vorbehalten ist.“ Dies seien alles „alteingesessene, ja nahezu unausrottbar erscheinende Geschlechterklischees“8
Der Schlüssel des Schweigens des philosophischen Diskurses liegt in der „Tendenz, die ‚andere’ Seite durch Nicht-Benennen auszublenden […] Denn (Ver-)Schweigen heißt nichts anders als durch Nicht-(Be-)Nennen unsichtbar, unhörbar zu machen und somit tendenziell zum Verschwinden zu bringen.“ 9
Hier entsteht ein Widerspruch. Einerseits läuft die Geschlechterdifferenz in der Philosophie immer latent mit, andererseits wird das weibliche Geschlecht durch das Schweigen unsichtbar. Dieser Widerspruch war immer existent. Aristoteles hat die „Entstehung des weiblichen Kindes auf ungünstige Umstände zurück geführt und die Frau als missglückten Mann aufgefasst.“ Auch durch andere Beispiele wird deutlich, dass die Frau nicht wie der Mann unter den Gattungsbegriff „Mensch“ gestellt wird. Klinger beschreibt das mit dem Verhältnis „A“ zu „B“. Auch wenn hier von der gleichen Gattung gesprochen wird, ist die Frau ein „Nicht-Mann“. Sie ist vom Mann „scharf unterschieden“ und einfach nur ein „Nicht-A“. Ihr wird kein eigenständiges Dasein zugestanden, eine Existenz als B ist ihr nicht bestimmt. Die Frau ist nicht autonom oder anders. Sie ist kein eigenständiges B, sondern ein negativeres, minderes und schwächeres A, ein anderes A, also ein Nicht-A.
1. Konstruktion von Frauenbildern am Vorabend der 79er Revolution: Dieses Kapitel analysiert philosophische und theologische Grundlagen der Geschlechterrollen sowie die Instrumentalisierung des Heǧāb als Machtsymbol im Iran vor und während der 79er Revolution.
2. Der Islamische Feminismus zwischen westlichem Feminismus und radikal-religiösen Kräften in Iran: Hier wird das Spannungsfeld untersucht, in dem sich islamische Feministinnen bewegen, die eine Reform des islamischen Rechts anstreben und sich von westlichen sowie radikal-religiösen Positionen abgrenzen.
3. Gewalt und Aggressionen gegen Frauen: Dieses Kapitel befasst sich mit der psychologischen Dimension der Gewaltbereitschaft gegen Frauen im Iran und der Verknüpfung von staatlicher Repression mit der Überwachung der Kleiderordnung.
4. Machttheorien und der autoritäre Charakter: Aufbauend auf Hannah Arendt und Theodor W. Adorno wird untersucht, warum Menschen zur Stabilisierung autoritärer Systeme beitragen und wie sich dies auf die iranische Gesellschaft übertragen lässt.
5. Einzelschicksale von Frauen in Iran vor und nach der 79er Revolution: Abschließend werden konkrete Lebensgeschichten und gesellschaftliche Entwicklungen betrachtet, um die theoretischen Analysen der vorangegangenen Kapitel praxisnah zu illustrieren.
Heǧāb, Islamische Republik Iran, Geschlechterdifferenz, Feminismus, Patriarchat, Machterhalt, Scharia, Fundamentalismus, Unterdrückung, Widerstand, Shirin Ebadi, Psychoanalyse, Autoritarismus, Kleiderordnung, Frauenrechte.
Die Arbeit untersucht, wie das Tragen des Heǧāb als zentrales Symbol der Geschlechtertrennung im Iran als Mittel zum Machterhalt für die religiös-konservative Führung eingesetzt wird.
Die Themen umfassen die Konstruktion von Geschlechterrollen, die politische Bedeutung islamischer Kleidung, feministische Debatten im islamischen Kontext sowie psychologische Theorien zu Macht und Autoritarismus.
Das Ziel ist herauszufinden, welche Rolle der Heǧāb beim Machterhalt der Religiös-Konservativen spielt und ob künstlich geschaffene Geschlechterdifferenzen zur Stabilisierung des Systems beitragen.
Die Autorin verwendet eine interdisziplinäre Herangehensweise, die philosophische Machttheorien, psychoanalytische Ansätze sowie eine historische und zeitgeschichtliche Untersuchung von Frauenschicksalen und Weblogs kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Geschlechterkonstruktion, eine Analyse islamischer feministischer Strömungen, eine Untersuchung von Gewaltphänomenen, machttheoretische Analysen nach Arendt und Adorno sowie eine zeitgeschichtliche Fallstudien-Sammlung.
Wichtige Begriffe sind Heǧāb, Geschlechterdifferenz, Islamische Republik Iran, Machterhalt, Patriarchat, Feminismus, Scharia und Autoritarismus.
Die Autorin nutzt Adornos Studien zum autoritären Charakter, um zu erklären, warum Teile der iranischen Bevölkerung ein System stützen, das sie persönlich einschränkt, und wie diese psychologische Disposition die Akzeptanz staatlicher Gewalt fördert.
Islamische Feministinnen suchen nach einer Modernisierung des Islam von innen heraus, ohne das patriarchale Familiensystem grundsätzlich infrage zu stellen, während sie sich gleichzeitig von der Kritik westlicher Feministinnen abgrenzen.
Die Weblog-Szene dient als Instrument des anonymen Widerstands und bietet erstmalig einen Einblick in das Stimmungsbild der jüngeren Generation, die ihre Meinung ohne direkte staatliche Repressalien äußern kann.
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