Bachelorarbeit, 2022
40 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die Dichotomie zwischen der Notwendigkeit einer begrifflichen Definition des Nihilismus und dessen Unbestimmbarkeit
2.1 Versuch einer Definition des Nihilismus oder die Genealogie des Nihilismus
3. Der ontologische Nihilismus
3.1 Platon und die zwei Arten des Seienden
3.2 Jacobi, Fichte und die Geburt des ontologischen Nihilismus
3.3 Schopenhauer, Nietzsche und das Leben als Leiden
4. Der epistemologische Nihilismus oder die Verwerfung der Metaphysik bei Nietzsche
5. Freie Geister und die Moral bei Nietzsche
5.1 Herrenmoral, Sklavenmoral und der Wille zum Nichts
5.1.1 Herrenmoral und Sprache als Machtäußerung
5.1.2 Sklavenmoral und die Bedeutung des Ressentiments
6. Heidegger, der Wille zur Macht und der aktive Nihilist der Tat
7. Der Tod Gottes
8. Nihilismus in der Gegenwart
9. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und die Extensionen des europäischen Nihilismus ausgehend von der Philosophie Friedrich Nietzsches. Ziel ist es, den Begriff des Nihilismus im Hinblick auf seine ontologischen, epistemologischen und moralischen Dimensionen zu definieren und zu hinterfragen, inwiefern der Nihilismus im 21. Jahrhundert eine aktuelle Problematik darstellt und welche Erscheinungsformen er annimmt.
4. Der epistemologische Nihilismus oder die Verwerfung der Metaphysik bei Nietzsche
Trotz der zuvor genannten Überschneidungspunkte zwischen der Philosophie Schopenhauers und der Nietzsches, findet sich bei Schopenhauer noch ein metaphysisches Prinzip, welches die Welt (die laut ihm Vorstellung ist) durchzieht und sich durch sie offenbart – den Willen.
Für Nietzsche gilt es hingegen, den metaphysischen Vorurteilen zu entgehen, durch die philosophische Urteile und Fehlschlüsse zuvor bestimmt wurden. Für Nietzsche ist der Schwerpunkt des Begriffes Metaphysik primär „die Annahme einer wahren, jenseitigen und ewigen Welt über der scheinhaften, diesseitigen und zeitlichen.” Diese Überzeugung, welche ihren Ursprung in der Grundkonzeption Platons hat und sich historisch besonders im Raum des Christentums ausprägte, stellt für Nietzsche den gegensätzlichen Pol zu dem Ansatz dar, welcher den Kern seiner Philosophie ausmacht. Die Schärfe seiner Kritik wird deutlich, wenn man sich seine Beschreibung der – salopp gesagt – Spitze des metaphysischen Eisbergs anschaut, die von den Begriffen „»Gott«”, »Erlösung«, »Ewigkeit«” konstituiert wird. Das Pathos, welches in diesen Wörtern kulminiert, „heißt sich Glaube: das Auge ein für alle Mal vor sich schließen, um nicht am Aspekt unheilbarer Falschheit zu leiden. Man macht sich eine Moral, eine Tugend, eine Heiligkeit aus dieser fehlerhaften Optik zu allen Dingen, man knüpft das gute Gewissen an das Falschsehen”.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die thematische Relevanz des Nihilismus ein und verdeutlicht die Notwendigkeit, Nietzsches Umbruch in der Philosophie als Reaktion auf den "Tod Gottes" zu betrachten.
2. Die Dichotomie zwischen der Notwendigkeit einer begrifflichen Definition des Nihilismus und dessen Unbestimmbarkeit: Dieses Kapitel thematisiert die Schwierigkeiten, eine präzise Definition des mehrdeutigen Nihilismus-Begriffs zu finden, ohne ihn auf einzelne Strömungen zu reduzieren.
3. Der ontologische Nihilismus: Es wird die historische Entwicklung ontologischer Fragestellungen von Platon über Fichte bis hin zu Schopenhauer dargestellt, um das Fundament von Nietzsches späterem Denken zu beleuchten.
4. Der epistemologische Nihilismus oder die Verwerfung der Metaphysik bei Nietzsche: Der Autor erläutert Nietzsches scharfe Kritik an metaphysischen Vorurteilen, wobei er Wahrheit als moralisch motiviertes "Falschsehen" entlarvt.
5. Freie Geister und die Moral bei Nietzsche: Das Kapitel analysiert, wie Nietzsche mittels der "10 Gebote des Freigeistes" Kompetenzen zur Selbstüberwindung und Autonomie definiert, welche zur Loslösung von konventionellen Moralvorstellungen führen.
6. Heidegger, der Wille zur Macht und der aktive Nihilist der Tat: Heideggers Nietzsche-Interpretation wird herangezogen, um den "aktiven Nihilismus" als notwendige Voraussetzung für die Umwertung alter Werte zu definieren.
7. Der Tod Gottes: Die berühmte Parabel des "tollen Menschen" dient hier als Ausgangspunkt, um die tiefe Erschütterung des menschlichen Selbstverständnisses nach dem Wegfall göttlicher Sinnstiftung zu untersuchen.
8. Nihilismus in der Gegenwart: Dieses Kapitel prüft die Aktualität des Nihilismus durch eine Analyse der modernen Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft sowie der Rolle digitaler Technik auf das menschliche Wohlbefinden.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass der Nihilismus keine abgeschlossene historische Lehre ist, sondern als reale Gefahr in der modernen Gesellschaft fortbesteht.
Nihilismus, Friedrich Nietzsche, Ontologie, Metaphysik, Tod Gottes, Moral, Herrenmoral, Sklavenmoral, Wille zur Macht, Existenzialismus, Sinnverlust, Leistungsgesellschaft, Heidegger, Schopenhauer, Ressentiment.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Charakterisierung des Nihilismus aus der Perspektive Friedrich Nietzsches und analysiert, wie dieser Begriff in ontologischer, moralischer und epistemologischer Hinsicht zu verstehen ist.
Zu den Kernbereichen gehören die Kritik an der Metaphysik, der Tod Gottes als Ausgangspunkt für einen Sinnverlust, die Differenzierung von Herren- und Sklavenmoral sowie die Frage, wie der Einzelne in einer nihilistischen Welt neue Werte schaffen kann.
Das Hauptziel ist es, ein Kriterienraster für den Nihilismus zu entwickeln, mit dessen Hilfe sich beurteilen lässt, ob und wie nihilistische Tendenzen in der gegenwärtigen 21. Jahrhundert-Gesellschaft existieren.
Die Arbeit nutzt einen ideengeschichtlichen und philosophisch-analytischen Ansatz, indem sie Nietzsches Schriften und philosophische Interpretationen (insbesondere durch Heidegger und neuere Fachliteratur) systematisch zueinander in Bezug setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des ontologischen Nihilismus (Platon, Fichte, Schopenhauer), die epistemologische Kritik Nietzsches an der Metaphysik, die Analyse von Moralvorstellungen und schließlich eine Übertragung dieser Konzepte auf die heutige Zeit.
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Nihilismus, Wille zur Macht, Sklavenmoral, Ressentiment und die existenzielle Krise nach dem Tod Gottes geprägt.
Der aktive Nihilismus (Stärke) nutzt die erkenntnisbedingte Zerstörung alter Werte, um schöpferisch eigene neue Werte zu setzen, während der passive Nihilismus (Schwäche) in Ohnmacht, Sinnverlust und der bloßen Verneinung des Lebens verharrt.
Die Arbeit argumentiert, dass soziale Medien durch den ständigen Bestätigungsdrang und die Abhängigkeit von äußeren Reizen zu Müdigkeit, Erschöpfung und einem Gefühl der Entfremdung beitragen, was das Entstehen individueller, aktiver Sinngebung erschwert.
Der durch die Leistungsgesellschaft erzeugte Zeitdruck und die "Verpassensangst" werden als Ausdruck eines Lebens gedeutet, das nach dem Wegfall eines ewigen Jenseits durch möglichst effiziente Ausschöpfung der Lebenszeit eine existenzielle Lücke zu füllen versucht.
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