Bachelorarbeit, 2022
72 Seiten, Note: 1,8
1. Einleitung / Problemaufriss / Stand der Forschung
2. Theoretische Entwicklung im Kontext Jugendalter
3. Die soziale Konstruktion von Geschlecht
4. Patriarchat und Männlichkeit
4.1. Hegemoniale Männlichkeit
4.2. Untergeordnete Männlichkeit
4.3. Komplizenhafte Männlichkeit
4.4. Marginalisierte Männlichkeit
4.5. Toxische Männlichkeit
5. Toxische Männlichkeit als Produkt von Bewältigung
6. Habitus toxischer Männlichkeit als Reproduktionsfaktor
6.1. Strategie / Feld
6.2. Kapital
6.3. Habitus
7. Darstellungsformen toxischer Männlichkeit
7.1. Individuelle Aspekte toxischer Männlichkeit
7.2. Strukturelle Aspekte toxischer Männlichkeit
7.2.1. Manspreading
7.2.2. Pornografie
7.2.3. Marginalisierung weiblicher Expertinnen
7.2.4. Gender Data Gap
8. Auftrag Sozialer Arbeit im Kontext SGB VIII
9. Grundhaltung sozialpädagogischer Interventionen
9.1. Reflexive Arbeit
9.2. Feministische Jungenarbeit
9.3. Förderung feministischer Themenstellungen/Sozialpolitische Maßnahmen
10. Fazit
11. Forderungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung, Reproduktion und die sozialpädagogischen sowie sozialpolitischen Interventionsmöglichkeiten gegenüber toxischer Männlichkeit im Kontext der Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie toxische Männlichkeit in der postmodernen Gesellschaft entsteht, wie sie sich reproduziert und welche Handlungsansätze der Sozialen Arbeit zu deren Abbau beitragen können.
1. Einleitung / Problemaufriss / Stand der Forschung
Toxische Männlichkeit ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und durchzieht alle Bereiche des sozialen Miteinanders. Über Jahrhunderte der gesellschaftlichen Entwicklung hinweg, haben sich Männlichkeitsvorstellungen auf der Zielfolie von Wettkampf, Härte, Stärke, Unnachgiebigkeit, Emotionslosigkeit, Risikohandeln und letztlich Gewalt zur patriarchalen Grundordnung manifestiert (vgl. Tippe 2021, S.29ff.). Männer dominieren in gesellschaftlichen Schlüsselpositionen, sei es Politik, Wirtschaft, Sport oder in den Medien. Die Paradigmen der männlichen Dominanz sind dabei in allen Facetten dieser Felder wiederzufinden. Unterwerfen sich Individuen diesen Spielregeln nicht, werden sie ausgegrenzt, erniedrigt oder gedemütigt. Ökonomischer Erfolg und gesellschaftliches Ansehen sind nur erreichbar, wenn die Paradigmen männlicher Herrschaft akzeptiert werden und sich ihnen angepasst wird.
Insbesondere für Frauen, Homosexuelle, Transsexuelle, non-binäre, oder Queers, u. a., stellt die patriarchale Grundordnung und die sich in ihr befindliche toxische Männlichkeit, Quelle der Ungleichbehandlung dar. Ob sie im Dunkeln verängstigt sind, wenn sie einem Mann begegnen, im beruflichen Kontext dabei zusehen müssen wie ihre Ideen von männlichen Kollegen als deren eigene ausgegeben werden, Männer in geschmackloser Weise im öffentlichen Raum agieren, bis auf das schmerzlichste bevormundet werden, oder gar Opfer sexueller Belästigungen und Gewalt werden, wie sich im Verlauf der ‚#metoo Bewegung gezeigt hat. Toxische Männlichkeit ist in der Lebenswelt dieser Personen allgegenwärtig und Zentrum ihrer Qualen. Doch auch abseits, individueller Folgen sind die Auswüchse toxischer Männlichkeit zu beobachten. Klimawandel, Kriege, Prostitution, Pornografie, Massentierhaltung, oder Rassismus können gleichsam Folgen toxischer Männlichkeit sein. Als aktuelle Beispiele mit beinah fulminantem Vorzeigecharakter können die Ukraine-Krise und die Corona-Pandemie herangezogen werden.
1. Einleitung / Problemaufriss / Stand der Forschung: Grundlegende Einführung in das Problemfeld der toxischen Männlichkeit als gesamtgesellschaftliches Phänomen und Darlegung des Forschungsinteresses.
2. Theoretische Entwicklung im Kontext Jugendalter: Analyse der Adoleszenz als Lebensphase und deren Bedeutung für die Herausbildung von Identität unter den Vorzeichen der gesellschaftlichen Beschleunigung.
3. Die soziale Konstruktion von Geschlecht: Herleitung von Geschlecht als soziales Projekt und Konstruktion durch Performanz, um die theoretische Basis für spätere Analysen zu legen.
4. Patriarchat und Männlichkeit: Differenzierung verschiedener Männlichkeitstypen (hegemonial, untergeordnet, komplizenhaft, marginalisiert) nach dem Konzept von Connell.
5. Toxische Männlichkeit als Produkt von Bewältigung: Erklärungsansatz, warum Individuen gewalttätige Verhaltensmuster zur Sicherung der Handlungsfähigkeit in kritischen Lebensphasen entwickeln.
6. Habitus toxischer Männlichkeit als Reproduktionsfaktor: Anwendung des Habitus-Konzepts nach Bourdieu, um zu erklären, wie toxische Männlichkeit in Gruppen und Lebensstilen reproduziert wird.
7. Darstellungsformen toxischer Männlichkeit: Konkrete Beschreibung toxischer Auswüchse unterteilt in individuelle Gewalthandlungen und strukturelle Benachteiligungen.
8. Auftrag Sozialer Arbeit im Kontext SGB VIII: Diskussion des rechtlichen Rahmens und der gesetzlichen Verpflichtung zur Förderung der Gleichberechtigung in der Jugendhilfe.
9. Grundhaltung sozialpädagogischer Interventionen: Vorstellung konkreter Handlungsansätze wie Reflexive Arbeit, Jungenarbeit und politischer Forderungen zur Dekonstruktion patriarchaler Muster.
10. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse mit dem Fokus auf die Notwendigkeit, toxische Männlichkeit aktiv zu dekonstruieren.
11. Forderungen: Konkrete politische und pädagogische Empfehlungen zur Förderung der Geschlechtergleichstellung.
Toxische Männlichkeit, Patriarchat, Adoleszenz, Soziale Arbeit, Hegemoniale Männlichkeit, Habitus, Bewältigungstheorem, Gender, doing gender, Sozialisation, Jungenarbeit, Reproduktion, Machtverhältnisse, Geschlechtergerechtigkeit, Intervention.
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der toxischen Männlichkeit, ihrer Entstehung, Reproduktion und den Möglichkeiten, ihr seitens der Sozialen Arbeit zu begegnen.
Die Themenfelder umfassen sozialwissenschaftliche Geschlechtertheorien, das Lebensbewältigungstheorem, den Habitus-Begriff, strukturelle Benachteiligungen im Alltag sowie Konzepte der Jungenarbeit.
Die Zentrale Frage untersucht, wie toxische Männlichkeit entsteht und reproduziert wird, um daraus Interventionsmaßnahmen abzuleiten, die patriarchale Strukturen dekonstruieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und greift auf zentrale Konzepte der Geschlechter- und Sozialisationsforschung zurück, insbesondere von Connell, Böhnisch und Bourdieu.
Im Hauptteil erfolgen die theoretische Einbettung der Männlichkeitskonfigurationen, die Analyse der Lebensbewältigung junger Männer, die Untersuchung von Darstellungsformen wie Gewalt oder struktureller Diskriminierung sowie die Entwicklung sozialpädagogischer Ansätze.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Toxische Männlichkeit, Patriarchat, Habitus, Adoleszenz, Hegemonie und Soziale Arbeit.
Die Adoleszenz ist eine kritische Lebensphase, in der Jugendliche nach Identität und Anerkennung streben. Unter dem Druck der Umwelt und fehlenden männlichen Vorbildern wird toxische Männlichkeit oft als "sicherer Hafen" oder Bewältigungsstrategie für Unsicherheit und Orientierungslosigkeit genutzt.
Interventionen setzen auf reflexive Arbeit und feministische Jungenarbeit. Dies beinhaltet die Auseinandersetzung mit der eigenen „Täterschaft“, das Aufbrechen von Geschlechterstereotypen und das Schaffen geschützter Räume zur Reflexion von Geschlechterrollen.
Das Konzept hilft zu verstehen, wie Männlichkeit nicht nur bewusst gestaltet, sondern durch ständige soziale Wiederholung in den Körper eingeschrieben und damit „habitualisiert“ wird, was die Reproduktion von Machtverhältnissen erklärt.
Die aktuelle Familienpolitik reproduziert teilweise traditionelle Rollen. Der Autor fordert eine Erweiterung des Elterngeldes, um Väter an der Carearbeit zu beteiligen und den Kreislauf patriarchaler Erziehungsmuster zu durchbrechen.
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