Examensarbeit, 2017
70 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
I.) Erster Teil: Heilsgeschichtliche und typologisch-allegoretische Tradition
1.) Bibelallegorese und typologisch gedeutete Heilsgeschichte
2.) Das Universum als ein von Gott geschaffener Bedeutungsträger
3.) Tiere als Bedeutungsträger
4.) Gute und böse Tiere
II.) Zweiter Teil: Drache und Hirsch
1.) Der Drache
2.) Der Hirsch
III.) Dritter Teil: Der Heilige Tristan
1.) Antagonismus von Drache und Hirsch
2.) Helden und Heilige
3.) Tristan und Heiliger Georg
4.) Der Charismatiker Tristan
5.) David-Orpheus-Tristan-Typologie
6.) Das neues Minne-Evangelium
IV.) Vierter Teil: Heilsgeschichte der Minne
1.) Die Ambivalenz von Eber und Hirsch
2.) Die Ambivalenz von ere und minne
3.) Daz lebende brôt der edelen herzen
Die vorliegende Arbeit untersucht die heilsgeschichtliche Dimension von Gottrieds „Tristan“, indem sie die tierischen Bedeutungsträger Drache, Hirsch und Eber im Kontext der mittelalterlichen typologisch-allegoretischen Tradition analysiert und deren epische Funktion für die Gesamtkonzeption des Romans sowie die Vereinbarkeit von sündhafter Liebe und Heilsgeschichte hinterfragt.
II.) Zweiter Teil: Drache und Hirsch
Der trache der waere eteswâ dâ, | und stapfet ouch des endes sâ | und reit unlange, unz er gesach | sîner ougen ungemach, | den egeslîchen trachen. | Der warf ûz sînem rachen | rouch unde vlammen unde wint | alse des tiuveles kint | und kêrte gein im aldort her. | Tristan der sancte daz sper, | daz ors er mit den sporen nam. | Sô swinde er dar gerüeret kam, | daz er’m daz sper zem giele în stach, | sô daz ez ime den rachen brach | und innen an dem herzen want […] (Gottfried von Straßburg, Tristan, V. 8965-8979)
Tristan begegnet dem feuer- und rauchspeienden Drachen in der Wildnis von Irland und muss im Motiv des Drachenkampfes neben der als symptomatisch geltende Waffe des feurigen Odems auch die messerscharfen Zähne und Klauen sowie dessen Schläge überstehen. Der Drache hat sich zu einer infernalischen Plage für das Land und die Bevölkerung entwickelt. Auf Geheiß des Königs von Irland erhält deshalb derjenige Ritter die Vermählung mit seiner Tochter Isolde als Belohnung, dem es gelingt den Drachen zu töten.
Einleitung: Es wird die Forschungsfrage nach den heilsgeschichtlichen Dimensionen in Gottfrieds „Tristan“ gestellt, basierend auf der mittelalterlichen Naturauffassung und der Bedeutung von Tieren als Bedeutungsträgern.
I.) Erster Teil: Heilsgeschichtliche und typologisch-allegoretische Tradition: Das Kapitel erläutert die Grundlagen der mittelalterlichen Bibelauslegung, Allegorese und Typologie, sowie die Rolle der Schöpfung als „Buch Gottes“ und Bedeutungsträger.
II.) Zweiter Teil: Drache und Hirsch: Hier werden die spezifischen Motive des Drachen als Repräsentant des Bösen und des Hirsches als christlich konnotiertes Symbol im Kontext des Romans analysiert.
III.) Dritter Teil: Der Heilige Tristan: Die Untersuchung fokussiert auf die Rolle Tristans als „Gotteskrieger“ und „Heiliger“, unter Vergleich mit der Figur des Heiligen Georg und typologischen Parallelen zu David und Orpheus.
IV.) Vierter Teil: Heilsgeschichte der Minne: Dieses Kapitel thematisiert die Ambivalenz von Eber und Hirsch sowie von Ere und Minne, um das Konzept eines „Minneevangeliums“ im Spannungsfeld von sündhafter Liebe und religiösen Motiven zu prüfen.
Gottfried von Straßburg, Tristan, Heilsgeschichte, Typologie, Allegorese, Physiologus, Drachenkampf, Hirschsymbolik, Ebersymbolik, miles Christi, Minne, Ere, Minneevangelium, Mittelalterliche Literatur, Religiöse Allusionen.
Die Arbeit analysiert die religiösen und heilsgeschichtlichen Dimensionen im „Tristan“ Gottfrieds von Straßburg, insbesondere durch die Untersuchung der Tiersymbolik (Drache, Hirsch, Eber), um ein tieferes Verständnis für die Gesamtkonzeption des Werks zu gewinnen.
Zentral sind die mittelalterliche Typologie- und Allegoreselehre, die Rolle von Tieren als heilsgeschichtliche Bedeutungsträger sowie die Charakterisierung Tristans als Heiliger oder Gotteskrieger im Kontext der höfischen Welt.
Die Studie untersucht, inwieweit tierische Bedeutungsträger zur Interpretation des „Tristan“ als eine Art „Minneevangelium“ beitragen können und wie sich darin die Ambivalenz zwischen sündhafter Liebe und christlicher Heilsgeschichte auflösen lässt.
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Methode der typologisch-allegoretischen Analyse sowie den Vergleich mit mittelalterlichen Wissensspeichern (wie dem „Physiologus“, „Legenda aurea“ oder augustinischen Schriften), um religiöse Allusionen zu deuten.
Der Hauptteil analysiert die Tradition der Tierdeutung, führt die Symbole Drache, Hirsch und Eber ein und setzt diese mit den Figuren Tristan und Isolde sowie weiteren religiösen Vorbildern wie dem Heiligen Georg, David und Orpheus in Bezug.
Wichtige Begriffe sind Allegorese, Heilsgeschichte, Tristan-Hirsch-Drache-Konglomerat, miles Christi, Minneevangelium, minne, ere und die christlich-mittelalterliche Tiersymbolik.
Der Autor argumentiert, dass Tristan Merkmale eines Heiligen oder Gotteskriegers aufweist, deren Handeln über die rein weltliche Bewährung eines Ritterhelden hinausgeht und eine tiefere heilsgeschichtliche Bedeutung transportiert.
Sie gilt als Kulminationspunkt, da hier die allegorische Feindschaft zwischen Hirsch und Drache (sowie zwischen Gut und Böse) in eine exhaustiver Analogie zum Verhalten Tristans übersetzt wird, wodurch sein Status als charismatischer Außenseiter/Heiliger untermauert wird.
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