Examensarbeit, 2007
112 Seiten, Note: 1
1. Einleitung: Sprachwandel / Ziel und Aufbau der Arbeit
2. Begriffsklärungen
2.1. Bilinguismus und Diglossie
2.2. Dialekt und patois
3. Geschichte des Okzitanischen
3.1. Definitorische Vorbemerkungen: Zur Etymologie von „Okzitanisch“, „Provenzalisch“ und langue d’oc
3.2. Geschichte bis zum Jahre 600 n. Chr.
3.3. Geschichte von 600 bis 900
3.4. Die Trennung langues d’oc und langues d’oïl
3.5. Das Okzitanische und seine Dialekte
3.6. Die okzitanische Schriftsprache und das Vordringen des Französischen – Entwicklungen bis zum 15. Jahrhundert
3.7. Entwicklungen im 15. und 16. Jahrhundert und die Folgen des Edikts von Villers-Cotterêts
3.8. Entwicklungen vom 17. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution
3.9. Die Folgen der Französischen Revolution und Entwicklungen im Napoleonischen Kaiserreich
3.9.1. Fazit: Soziolinguistische Folgen der französischen Sprachpolitik - Sprachkonflikt
3.9.2. Neuer Aufschwung für das Okzitanische
3.9.3. Die Entstehung von Widerstandsgruppen – der Félibrige als Begründer der Zweiten Renaissance
3.9.4. Antworten auf den Félibrige: Panokzitanische Sprachkodifikationen und ihre Folgen bis heute
4. Das Okzitanische im 20. Jahrhundert
4.1. Entwicklungen bis zum Zweiten Weltkrieg
4.2. Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg
4.2.1. Regionalistische Entwicklungen
4.2.2. Der provenzalische Sprachgebrauch: demo –und soziolinguistische Studien
4.2.3. Vergleich mit dem Languedokischen
4.2.4. Orale Praktiken in der Provence – persönliche Beobachtungen
4.3. Das Okzitanische im Schulwesen
5. Die okzitanische Kultur heute
5.1. Die provenzalische Kultur
5.2. Das okzitanische Theater
5.3. Die okzitanische Chanson
5.4. Die provenzalischsprachige Literatur
5.5. Das Okzitanische in den Medien
5.5.1. Die Presse
5.5.2. Das Okzitanische in den modernen Medien Radio und TV
6. Subjektive Einschätzungen und Stellungnahmen von provenzalofonen Interviewpartnern
6.1. Arbeitshypothese – Arbeitsbedingungen
6.1.1. Interview 1
6.1.2. Interview 2
6.1.3. Interview 3
6.2. Synthese der wichtigsten Aussagen der Befragten
7. Fazit: Zusammenfassung und Ausblick
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Geschichte und die moderne soziolinguistische Dynamik der okzitanischen Sprache zu analysieren, wobei der Schwerpunkt auf dem Provenzalischen liegt. Untersucht wird dabei insbesondere, welche Faktoren – von der historischen Sprachpolitik bis zur heutigen sozioökonomischen Situation – dazu geführt haben, dass diese Regionalsprachen in Frankreich zunehmend an Bedeutung verloren haben und nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.
3.4. Die Trennung langues d’oc – langues d’oïl
Aufgrund der zeitlich nicht parallel ablaufenden Romanisierung Nord- und Südfrankreichs entstanden zwischen zirka 800 und 1300 zwei verschiedene romanische Sprachen. Die lingua d’oc (langue d’oc), das Altokzitanische in Südfrankreich und die lingua d’oïl (langue d’oïl), das Altfranzösische in Nordfrankreich, deren Sprachgrenze von Bordeaux nach Lussac, von Lussac nach Montluçon bis zum Süden des Departement Isère verläuft. Allerdings muss betont werden, dass diese Sprachtrennungslinie nur Gültigkeit in Bezug auf die Literatursprachen hat. Im Süden bejahte man mit dem Partikel oc, abgeleitet vom lateinischen hoc, im Norden mit dem Partikel oïl, vom lateinischen hoc ille.
Konsequenterweise weisen daher das Okzitanische und das Französische gravierende Unterschiede auf. So kann man auf der phonetischen Ebene anmerken, dass im Französischen das lateinische ca- einer Palatalisierung unterworfen wurde (lat. carricare > nfrz. charrier [∫]), während es im Okzitanischen, das Nordokzitanische wegen seiner geografischen Nähe ausgenommen, der lateinischen Lautung treu bleibt (okz. carrejar [ka]). Im Französischen wurde zudem ein langes e oder o in offenen, betonten Silben diphthongiert, ein auslautendes, unbetontes a wurde zu [ə] (lat. tela > nfrz. toile). Diese Entwicklung wird der im damaligen Nordfrankreich vorherrschenden Superstratsprache, dem Fränkischen, zugesprochen, woraus sich eine gewaltige Distanzierung vom Latein vollzog.
Ein weiteres Beispiel ist die häufige Elision von Personalpronomina, die im Französischen nicht vorkommt und welche dank der Nähe der okzitanischen Sprache zu den lateinischen Konjugationenformen nicht zu Missverständnissen führt (okz. Sès en vacanças?; fau / fas versus nfrz. Es-tu en vacances?; je fais / tu fais). Auch die Perfektbildung der okzitanischen Hilfsverben zu den deutschen sein und haben gleicht sich in beiden Sprachgruppen nicht, da im Okzitanischen das Perfekt von okz. èsser / èstre mit eben demselben Hilfsverb konstruiert wird und nicht mit okz. aver (nfrz. j’ai été / okz. soi estat). Was die syntaktischen Unterschiede betrifft, so schreibt man dem Okzitanischen eine weniger rigide Reihenfolge als dem Französischen zu, was sich erneut durch seine Nähe zum sehr synthetischen Latein begründen lässt. Diese wenigen Beispiele sollten ausreichen, einige bemerkenswerte Differenzen zwischen dem Französischen und dem Okzitanischen aufzuzeigen.
1. Einleitung: Sprachwandel / Ziel und Aufbau der Arbeit: Erläutert die theoretischen Faktoren des Sprachwandels und legt das Ziel fest, die Dynamik der okzitanischen Dialekte zu untersuchen.
2. Begriffsklärungen: Definiert zentrale Konzepte wie Bilinguismus, Diglossie und den Unterschied zwischen Dialekt und patois im soziolinguistischen Kontext.
3. Geschichte des Okzitanischen: Dokumentiert die historische Entwicklung von der Antike bis zum 19. Jahrhundert sowie die Entstehung verschiedener Kodifizierungsbestrebungen.
4. Das Okzitanische im 20. Jahrhundert: Analysiert die Situation im Schulwesen sowie demo- und soziolinguistische Studien zur Sprachverwendung.
5. Die okzitanische Kultur heute: Beschreibt die aktuelle Präsenz der okzitanischen Kultur in Theater, Chanson, Literatur und den modernen Medien.
6. Subjektive Einschätzungen und Stellungnahmen von provenzalofonen Interviewpartnern: Wertet persönliche Interviews aus, um einen subjektiven Einblick in den Sprachgebrauch und Einstellungen der Sprecher zu gewinnen.
7. Fazit: Zusammenfassung und Ausblick: Zieht Bilanz über die Überlebenschancen des Provenzalischen und diskutiert die Möglichkeiten einer zukünftigen Entwicklung.
Okzitanisch, Provenzalisch, langue d'oc, Diglossie, Sprachwandel, Soziolinguistik, Sprachpolitik, Félibrige, Sprachkodifikation, Sprachgebrauch, Identität, Regionalismus, Minderheitensprachen, Frankreich, Sprachforschung.
Die Arbeit untersucht die geschichtliche Entwicklung, den aktuellen Status und die soziolinguistische Dynamik der okzitanischen Sprache, mit einem besonderen Fokus auf dem Provenzalischen in Südfrankreich.
Zu den zentralen Themen gehören Sprachgeschichte, Soziolinguistik (insbesondere Diglossie und Bilinguismus), die Auswirkungen der französischen Sprachpolitik, Bildungswesen sowie moderne kulturelle Ausdrucksformen wie Medien und Literatur.
Das Ziel ist es, die Einflüsse zu analysieren, die dazu geführt haben, dass okzitanische Dialekte heute eine untergeordnete Rolle spielen, und die Überlebenschancen der provenzalischen Sprache zu bewerten.
Neben einer theoretisch-analytischen Auswertung historischer und soziolinguistischer Literatur basiert die Arbeit auf einer empirischen Komponente in Form von Interviews mit Muttersprachlern und der Analyse von soziolinguistischen Studien.
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung (von der Antike bis zum 20. Jahrhundert), Kodifizierungsversuche, die Rolle der Sprache in Medien und Bildung sowie detaillierte Interviews und eine Synthese der Erkenntnisse.
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Okzitanisch, Provenzalisch, Soziolinguistik, Sprachpolitik, Diglossie und Sprachwandel.
Das durch die französische Bildungspolitik (z.B. das Verbot von Regionaldialekten in der Schule) induzierte Schamgefühl hat über Generationen hinweg das Sprachbewusstsein geprägt, was dazu führte, dass viele Sprecher die Sprache nur noch in privaten oder intimen Kreisen verwenden.
Der Autor äußert sich skeptisch (mit einem klaren "Nein" zur Reversibilität) und betont, dass trotz einer starken kulturellen Verbundenheit der aktive, orale Gebrauch der Sprache stetig abnimmt, da sie kaum mehr als natürliche Verkehrssprache fungiert.
Kulturelle Identität dient als wichtiger, emotionaler Faktor, der zur Gründung von Organisationen und zur Organisation von kulturellen Veranstaltungen führt, selbst wenn der tägliche Gebrauch der Sprache selbst nur noch sehr begrenzt ist.
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