Bachelorarbeit, 2021
83 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
2 Phraseologismen
2.1 Was sind Phraseologismen?
2.2 Probleme der Äquivalenzbeziehungen
2.2.1 Voll- und Teiläquivalenz
2.2.2 Falsche Freunde in der Phraseologie
2.3 Weitere Probleme des Phraseologismengebrauchs
3 Bilingualismus
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Das bilinguale mentale Lexikon
4 Phraseologismen aus psycholinguistischer Sicht
4.1 Phraseologismen im mentalen Lexikon
4.2 Die Stellung der Phraseologismen im Spracherwerb
4.3 Verarbeitung von Phraseologismen
4.4 Verwendung von Phraseologismen
5 Praktischer Teil: Umfrage zur Kenntnis ausgewählter Phraseologismen
5.1 Auswahl der Zielgruppe
5.2 Auswahl des Materials
5.3 Herangehensweise und Fragestellungen
5.4 Ergebnisse der Untersuchung
5.4.1 Auswertung der Kenntnis und Gebräuchlichkeit von Phraseologismen
5.4.2 Auswertung der Aufgaben Paraphrasieren und Übersetzen
5.4.3 Auswertung der Übersetzungsaufgabe
5.4.4 Probleme bei den falschen Freunden
5.5 Schlussfolgerungen
6 Fazit
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen beim Verständnis und der Anwendung von Phraseologismen bei polnisch-deutschen Bilingualen. Das primäre Ziel ist es, Sprachschwierigkeiten zu identifizieren, die durch den interlingualen Transfer und den Einfluss der Muttersprache entstehen.
2.2.1 Voll- und Teiläquivalenz
Die Germanistin Regina Hessky spricht von Volläquivalenz bzw. totaler Äquivalenz, „wenn eine phraseologische Einheit in L1 in allen aufgezählten bzw. erforderlichen Bedingungen mit einer phraseologischen Einheit in L2 übereinstimmt“ (1987: 95). Zu diesen Bedingungen gehören nach Laskowski (2004: 603) die denotative Bedeutung, die wörtliche Bedeutung sowie die Struktur. Gläser fügt noch die emotional-expressiven und stilistischen Konnotationen hinzu (1986: 167). Dementsprechend können Ph. im interlingualen Kontext im Falle einer Volläquivalenz in derselben Weise und Situation verwendet werden (Laskowski 2004: 602).
Ein Beispiel für die totale Äquivalenz ist das interlinguale phraseologische Paar den Rubikon überschreiten (DUDEN) und przekroczyć Rubikon (PSFJP) (‚den entscheidenden Schritt tun‘ (DUDEN)). Als Ursache der totalen Äquivalenz sieht Hessky (1987: 95) den geschichtlichen und kulturellen Ursprung. Demnach gebe es Gemeinsamkeiten in der historisch-gesellschaftlichen Entwicklung, den identischen ethisch-moralischen Wertvorstellungen, genauso wie in Sitten und Volksbräuchen. Zudem könne eine dritte Sprache als gemeinsame Herkunft der Übernahme als Grund dienen. Als simpelsten Grund nennt sie jedoch die direkte Übernahme aus der L1 in die L2 (ebd.).
Der russische Sprachwissenschaftler Dmitrij Dobrovol’skij (2004: 283) betont, dass es bei der Übersetzung immer eine Schwierigkeit darstelle, ein absolutes Äquivalent zu finden. Oft gehe dabei ein Teil an semantischer oder pragmatischer Information verloren. Wichtig sei deshalb, nachzudenken, welche Fragen im jeweiligen Kontext von hoher Relevanz sind und auf welche Elemente des Äußerungssinnes notfalls verzichtet werden könne. Hinzu kommt, dass sich ein vermeintliches Volläquivalent im Moment der sprachlichen bzw. schriftlichen Realisierung als nicht passend erweist, wenn die innere Form nicht gänzlich mit dem Kontext übereinstimmt (vgl. Worbs 1994: 161). Abschließend kann gesagt werden, dass die totale Äquivalenz im Bereich der natürlichen Sprachen eher eine Seltenheit darstellt und die Grenzen nicht immer ganz eindeutig zu ziehen sind (vgl. Hessky 1987: 99).
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Phraseologie und Erläuterung der Relevanz für die Arbeit.
2 Phraseologismen: Theoretische Definition von Phraseologismen und detaillierte Analyse der Äquivalenzprobleme zwischen Sprachen.
3 Bilingualismus: Darstellung des Begriffs Bilingualismus und Aufbau des mentalen Lexikons bei zweisprachigen Sprechern.
4 Phraseologismen aus psycholinguistischer Sicht: Erläuterung der kognitiven Prozesse bei der Speicherung, Verarbeitung und Verwendung von Phrasemen.
5 Praktischer Teil: Umfrage zur Kenntnis ausgewählter Phraseologismen: Präsentation und methodische Einordnung der empirischen Untersuchung sowie Auswertung der Ergebnisse.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage zur phraseologischen Kompetenz.
Phraseologismen, Bilingualismus, Äquivalenzbeziehungen, mentale Lexikon, Fremdsprachenerwerb, Translation, Phraseodidaktik, Psycholinguistik, falsche Freunde, Idiomatizität, Sprachkontakt, Paraphrasieren, Interferenz, Konnotation, Sprachkompetenz.
Die Arbeit untersucht Probleme, die bei polnisch-deutschen Bilingualen auftreten, wenn sie auf idiomatische Wendungen (Phraseologismen) in ihren Sprachpaaren treffen.
Die zentralen Themen umfassen die linguistische Definition von Phrasemen, Herausforderungen der Äquivalenz zwischen Polnisch und Deutsch, sowie psycholinguistische Aspekte des bilingualen mentalen Lexikons.
Ziel ist es zu ergründen, welche spezifischen Verständnis- und Anwendungsprobleme bei der Nutzung von Phraseologismen in der Zweitsprache auftreten und ob soziolinguistische Faktoren diese Kompetenz beeinflussen.
Neben einer umfangreichen Literaturanalyse zum theoretischen Rahmen wurde eine empirische Online-Umfrage mit 100 polnisch-deutschen Bilingualen durchgeführt, in der Kenntnisstand und Transferleistung (Paraphrasierung/Übersetzung) getestet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Phraseologismus und Bilingualismus sowie einen umfangreichen praktischen Teil, der die Konzeption, Durchführung und statistische Auswertung der Online-Umfrage umfasst.
Die Arbeit ist insbesondere durch die Begriffe Phraseodidaktik, interlinguale Äquivalenz, falsche Freunde der Phraseologie und bilinguale Sprachkompetenz gekennzeichnet.
Falsche Freunde stellen eine erhebliche Fehlerquelle dar; viele Probanden übertrugen aufgrund der formalen Identität irrtümlich die Bedeutung aus ihrer Erstsprache in die Zielsprache, ohne sich der semantischen Divergenz bewusst zu sein.
Die Analyse zeigt, dass eine längere Aufenthaltsdauer in dem Land, in dem die jeweilige Sprache verwendet wird, tendenziell zu einer höheren phraseologischen Kompetenz führt als ein rein institutioneller Spracherwerb.
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