Diplomarbeit, 2008
144 Seiten, Note: 1,5
Einführung
I. Kinderarmut in Deutschland – eine Bestandsaufnahme
1 Wandel der Armut in Deutschland
2 Der Armutsbegriff
2.1 Definitionsansätze – Methoden der Armutsmessung
2.1.1 Einkommensarmut
2.1.2 Das Sozialhilfekonzept – politisch normative Armut
2.1.3 Das Unterversorgungskonzept
2.1.4 Das Deprivationskonzept
2.2 Ein kindgerechter Armutsbegriff
2.2.1 Das Deprivationskonzept nach Andreß
2.2.2 Erweitertes Lebenslagemodell nach Chassé/Zander/Rasch
2.2.3 Das Zusammenwirken von vier Lebenslagen nach Hock/Holz
3 Ursachen von Kinderarmut
3.1 Wirtschaftlicher Strukturwandel
3.2 Demografische Entwicklung
4 Formen von Kinderarmut: Das Zusammenwirken von Risiko- und Schutzfaktoren
4.1 Die Elternebene
4.2 Die Kindebene
4.3 Außerfamiliäre Systeme
5 Zwischenfazit
II. Untersuchung der Folgen von Armut für die Entwicklung von Kindern im Grundschulalter
1 Aktueller Forschungsstand zu den Folgen von Kinderarmut
1.1 Materielle Versorgung
1.2 Gesundheit
1.3 Soziale Lage
1.4 Kulturelle Lage
2 Darstellung der Untersuchung
2.1 Motivation
2.2 Fragestellung und Hypothesen
2.3 Untersuchungsmethode
2.4 Untersuchungskriterien
2.4.1 Stichprobe
2.4.2 ExpertInnen
2.4.3 Untersuchungsorte
2.5 Der Untersuchungsverlauf
2.5.1 Fragebogenkonstruktion
2.5.2 Rahmenbedingungen und Rekrutierung
2.6 Problematik: Stichprobenverzerrung
2.7 Datenauswertung
3 Darstellung der Ergebnisse
3.1 Einrichtungen und befragte Personen
3.2 Stichprobenbeschreibung
3.3 Ergebnisse der Hypothesentests
3.3.1 Materielle Versorgung
3.3.2 Physische und psychische Gesundheit
3.3.3 Soziale Lage
3.3.4 Kulturelle Lage
3.3.5 Bildungschancen und Bildungsmilieu
3.4 Lebenslagenvergleich anhand des sozioökonomischen Status
3.5 Weitere Ergebnisse
3.5.1 Wechselwirkung der Lebenslagebereiche
3.5.2 Persönlichkeitsprofile im Gruppenvergleich
4 Zentrale Ergebnisse im Spiegel des aktuellen Forschungsstandes
III. Rollenverständnis und Handlungsansätze der Sozialen Arbeit im Kontext von Kinderarmut
Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen von Kinderarmut auf die kindliche Entwicklung im Grundschulalter. Das primäre Ziel ist es, mittels einer selbstständig durchgeführten, quantitativen Befragung von Fachkräften in Horteinrichtungen herauszuarbeiten, wie sich Armut in den Lebensbereichen Grundversorgung, Gesundheit, Soziales und Kultur konkret auf die Kinder auswirkt und ob Bildungs- und Zukunftschancen ungleich verteilt sind.
3.1 Wirtschaftlicher Strukturwandel
Laut Butterwegge wirkt...
„[...] der Globalisierungsprozess als ‚soziales Scheidewasser’, das die Bevölkerung der Bundesrepublik wie die anderer Länder in Gewinner und Verlierer/innen, diese jedoch wiederum in Marginalisierte (Dauerarbeitslose, Deprivierte und Langzeitarme) einerseits sowie Geringverdiener/innen (prekär Beschäftigte, von Überschuldung Bedrohte und Kurzzeitarme) andererseits spaltet.“
Dieser Tatbestand wird deutlich, wenn man einen genaueren Blick auf die Zahl und vor allem die Struktur der Erwerbslosen und SozialhilfeempfängerInnen richtet.
Tatsache ist, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland steigt – die Quote jener, die laut SGB III keine Beschäftigung haben oder weniger als 15 Wochenstunden arbeiten, wuchs von 4,9% im Jahr 1991 auf aktuelle 8,4%. Die Arbeitslosenquote aller erwerbsfähigen Personen, die nach SGB II und III gemeldet sind, betrug im Jahresdurchschnitt 2006 10,8%. Die Bundesregierung begründet dies in erster Linie mit dem wirtschaftlichen Strukturwandel im Zuge der Globalisierung.
1 Wandel der Armut in Deutschland: Es wird die historische Entwicklung der Armut in Deutschland beschrieben, die sich von einer Randerscheinung zu einem breite Schichten betreffenden Phänomen gewandelt hat.
2 Der Armutsbegriff: Dieses Kapitel erörtert verschiedene methodische Ansätze zur Armutsmessung und entwickelt einen kindgerechten Armutsbegriff, der über rein monetäre Faktoren hinausgeht.
3 Ursachen von Kinderarmut: Hier werden die strukturellen und demografischen Faktoren beleuchtet, die zur Zunahme von Kinderarmut beitragen, insbesondere die Veränderung der Erwerbs- und Familienstrukturen.
4 Formen von Kinderarmut: Das Zusammenwirken von Risiko- und Schutzfaktoren: Es wird analysiert, wie sich Belastungen und Ressourcen auf der Eltern-, Kind- und Systemebene auswirken und die individuelle Entwicklung beeinflussen.
5 Zwischenfazit: Das Kapitel fasst die theoretischen Erkenntnisse aus Teil eins zusammen und bildet die methodische Grundlage für die nachfolgende empirische Untersuchung.
Kinderarmut, Armut, soziale Ungleichheit, kindliche Entwicklung, Grundschulalter, Lebenslageansatz, Ressourcen, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, soziale Exklusion, Bildungschancen, Sozialhilfe, Armutsprävention, Soziale Arbeit, Horteinrichtungen.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Kinderarmut in Deutschland und analysiert deren Ursachen, Erscheinungsformen sowie die Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern im Grundschulalter.
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Bestandsaufnahme von Armut, den individuellen Auswirkungen auf Kinder in vier Lebenslagebereichen und dem Rollenverständnis der Sozialen Arbeit im Kontext dieser Problematik.
Die zentrale Frage ist, wie sich Kinderarmut in Deutschland gestaltet, welche Folgen sie für die Entwicklung von Kindern in materieller, gesundheitlicher, sozialer und kultureller Hinsicht hat und inwiefern Bildungschancen ungleich verteilt sind.
Die Verfasserin führt eine eigene quantitative Untersuchung in Kölner Horteinrichtungen durch, bei der Fachkräfte (ErzieherInnen und SozialpädagogInnen) den Entwicklungsstand und die Lebenslagen von 130 Grundschulkindern beurteilten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Bestandsaufnahme (Teil I), eine empirische Untersuchung der Folgen von Armut (Teil II) und eine Reflexion über das Rollenverständnis und Handlungsansätze der Sozialen Arbeit (Teil III).
Wichtige Begriffe sind Kinderarmut, soziale Ungleichheit, kindliche Entwicklung, Lebenslageansatz, Bildungsarmut, Resilienz, soziale Exklusion und Sozialpädagogik.
Aufgrund von datenschutzrechtlichen Hürden und der schwierigen Erreichbarkeit von betroffenen Familien war der Zugang über Fachkräfte in pädagogischen Einrichtungen der praktikabelste Weg, um objektive und fachlich fundierte Daten zum Entwicklungsstand der Kinder zu erhalten.
Bildung wird als zentraler Faktor für Teilhabe und Zukunftschancen identifiziert. Die Arbeit verdeutlicht den engen Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status der Familie, dem elterlichen Bildungsgrad und den Bildungserfolgen der Kinder.
Die Ergebnisse bestätigen, dass Kinder aus armen Verhältnissen in allen untersuchten Lebenslagebereichen (materielle Versorgung, Gesundheit, Soziales, Kultur) signifikant häufiger Defizite aufweisen und ein hohes Risiko für eine vererbte Armut besteht.
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