Bachelorarbeit, 2018
46 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Geflüchtete
2.1 Minderjährige Flüchtlinge: Definitionen und Merkmale
2.1.1 Fluchtmotive
2.1.2 Flüchtlingsgruppen und ihre Stellung in Deutschland
2.2 Internationale Schutzabkommen für unbegleitete Minderjährige
2.2.1 Die Genfer Flüchtlingskonvention
2.2.2 Die Kinderrechtskonvention der United Nations (UN)
2.2.3 Die Europäische Menschenrechtskonvention
2.2.4 Das Haager Minderjährigenschutzabkommen (MSA)
2.2.5 Das Statement of Good Practice
3 Zuständigkeit der Jugendhilfe: Standards und Handlungsbedarfe
3.1 SGB VIII und dessen Bedeutung für umF
3.2 Die Inobhutnahme nach § 42 a-f
3.3 Die Verteilung der umF
3.4 Das Clearingverfahren: Aufgaben und Ziele
3.5 Wie sieht das Verfahren beim zuständigen Jugendamt aus?
3.5.1 Verfahren und Methoden der Altersfestsetzung
3.5.2 Die Bedeutung der Vormundschaft
3.5.3 Das Hilfeplanverfahren
3.5.4 Die Unterbringung in der stationären Jugendhilfeeinrichtung
4 Sozialpädagogische Arbeit mit umF in der stationären Jugendhilfe
4.1 Dauerunsicherheit vs. Vertrauen
4.2 Identitätsdiffusion vs. Anerkennung
4.3 Aussichtslosigkeit vs. Zukunftsperspektive
4.4 Entstrukturierte Lebenswelt vs. Alltagsstrukturierung
4.5 Autonomie vs. Betreuung
4.6 Strategien der umF
4.7 Resilienz sowie Risiko- und Schutzfaktoren
4.8 Handlungskonzepte
4.8.1 Ziele, Verweildauer und Phasen-Verlauf der sozialpädagogischen Interventionen
4.8.2 Das Team als Teil des Konzepts
4.8.3 Die Wohngruppe und organisatorische Rahmenbedingungen
4.8.4 Die Hausordnung
4.8.5 Tagesplan und Herstellung von Normalität
4.8.6 Das Bezugsbetreuungssystem
4.8.7 Verselbstständigungsprozess mit dem Ziel der sozialen Integration in die Aufnahmegesellschaft
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogischen sowie strukturellen Chancen und Herausforderungen in der stationären Jugendhilfe bei der Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF) und setzt sich kritisch mit der gesetzlichen Umsetzung sowie dem Spannungsfeld zwischen Asylrecht und Kindeswohl auseinander.
4.1 Dauerunsicherheit vs. Vertrauen
Aufgrund der Trennung von der Familie, den (potentiell traumatischen) Erfahrungen während der Flucht sowie der neuen Herausforderungen in Deutschland, verspüren viele unbegleitete Minderjährige Ängste. Aus den Belastungen, die sich hinsichtlich der unsicheren Zukunftsperspektive entstehe eine Dauerunsicherheit. Zudem hätten einige Geflüchtete wegen ihrer bisherigen Erfahrungen das Vertrauen in Mitmenschen verloren, sodass sich der Aufbau neuer Beziehungen schwierig gestalte (vgl. Stauf, 2012). Außerdem beeinflusse das doppelte Mandat der pädagogischen Fachkräfte den Beziehungsaufbau, da sie zwischen Hilfe und Kontrolle handeln müssen. Zentral für die Arbeit mit umF in der stationären Jugendhilfeeinrichtung sei daher, dass ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen aufgebaut werden muss, um pädagogisch mit ihnen arbeiten zu können. Da die umF sich oftmals ohnmächtig und verunsichert fühlen, gehe die Angstbewältigung mit dem Sicherheit und Vertrauen vermittelnden Beziehungsaufbau einher. Oftmals zeige sich das Bedürfnis nach sozialen Kontakten erst nach einer Phase des Ankommens bzw. wenn die Kinder/ Jugendlichen zur Ruhe kommen konnten. Für den Beziehungsaufbau spiele der Aspekt der Zeit eine relevante Rolle. Erst nachdem sich die umF sicher fühlen und Vertrauen zu Betreuern/innen aufbauen konnten, erzählen sie etwas von ihrer Biografie. Allerdings sollte hierbei angemerkt werden, dass nicht jeder umF psychisch dazu imstande ist, seine Lebens- und Fluchterfahrungen zu berichten (vgl. ebd.). Die Betreuer/innen stellen keinen Elternersatz dar, aber seien „dennoch auf organisatorischer wie auch emotionaler Ebene wichtige und geschätzte Bezugspersonen“, wobei die Verlässlichkeit und das kontinuierliche Handeln zentral für das pädagogische Handeln und letztlich den Beziehungsaufbau seien (Detemple, 2016).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Chancen und Herausforderungen für die sozialpädagogische Arbeit.
2 Geflüchtete: Es werden Begrifflichkeiten, Migrationszahlen, Motive und der rechtliche Rahmen der internationalen Schutzabkommen für unbegleitete Minderjährige dargelegt.
3 Zuständigkeit der Jugendhilfe: Standards und Handlungsbedarfe: Dieses Kapitel behandelt die gesetzliche Verantwortung des Jugendamtes, Verfahrensabläufe wie die Inobhutnahme, Clearingverfahren und die Bedeutung von Vormundschaft und Hilfeplanung.
4 Sozialpädagogische Arbeit mit umF in der stationären Jugendhilfe: Kern dieses Abschnitts sind die pädagogischen Interventionsstrategien im Alltag, die Bewältigung von Traumata und die Unterstützung des Verselbstständigungsprozesses in stationären Wohngruppen.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Handlungsfelder, wobei die Kindeswohlzentrierung als primäres Ziel der Jugendhilfe betont wird.
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, umF, Jugendhilfe, stationäre Unterbringung, Kindeswohl, Clearingverfahren, SGB VIII, Sozialpädagogik, Traumabewältigung, Vormundschaft, Alltagsstrukturierung, Verselbstständigung, Identitätsbildung, Migrationspädagogik, Aufenthaltsstatus.
Die Arbeit befasst sich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen der stationären Jugendhilfe bei der Betreuung und Unterstützung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (umF) unter Berücksichtigung ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit.
Das primäre Ziel ist es, die pädagogische Arbeit im Kontext von Wohngruppen zu untersuchen und aufzuzeigen, wie Jugendliche trotz rechtlicher Unsicherheiten stabilisiert und auf ein selbstständiges Leben in der Aufnahmegesellschaft vorbereitet werden können.
Die Schwerpunkte liegen auf den gesetzlichen Rahmenbedingungen (SGB VIII), den Aufnahmeprozessen, der psychologischen Identitätsarbeit, der Resilienzförderung sowie der praktischen Gestaltung des alltäglichen Betreuungssystems in Heimen und Wohngruppen.
Das Clearingverfahren dient der systematischen Abklärung der individuellen Bedürfnisse des Minderjährigen, um eine passgenaue Hilfemaßnahme zu planen und physische sowie emotionale Grundbedürfnisse zeitnah sicherzustellen.
Der Hauptteil analysiert spezifische Handlungsstrategien im Umgang mit Traumata, die Bedeutung von Alltagsroutinen, die Rolle von Bezugsbetreuern und die Notwendigkeit, Autonomie unter Berücksichtigung der individuellen Biografie zu fördern.
Wichtige Begriffe sind unter anderem umF, Kindeswohl, SGB VIII, stationäre Jugendhilfe, Trauma, Bezugsbetreuung, Identitätsdiffusion und Resilienz.
Die Vormundschaft wird als ein zentrales Bindeglied und Sicherheitselement identifiziert, wobei kritisch angemerkt wird, dass in der Praxis oft Engpässe bei der zeitnahen Bestellung bestehen, die das Kindeswohl potenziell gefährden können.
Das Erlernen der Sprache wird nicht nur als Mittel zur Kommunikation gesehen, sondern dient den Jugendlichen primär zur Identitätsgestaltung, zum Knüpfen sozialer Kontakte und als Hoffnungsträger zur Erlangung eines gesicherten Aufenthaltsstatus.
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