Magisterarbeit, 2008
104 Seiten, Note: gut
1. Einleitung
1.1.Positionierung im wissenschaftlichen Diskurs
2. Identitätsbildung
2.1. Zusammenfassung Identitätsbildung
2.2. Sinn
3. Narrative Identität und Interviewform
3.1. (Interkulturelle) Kommunikation
3.2. Das narrativ-biographische Interview
3.3. Das Interview als soziale Situation
4. Hintergrundrecherche für mögliche Themenfelder
4.1. Migration
4.1.1. Allgemein
4.1.2. Heterogene Diaspora
4.1.3. Die jüngste Phase der Migration von Chinesen
4.1.4. Stigmatisierung und Chineseness
4.1.5. Loyalität und Autorität
4.1.6. Wandel des primären sozialen Umfelds
4.2. Künstler
4.2.1. Künstlerbegriff im Westen und China
4.2.2. Künstler als Intellektuelle
4.2.3. Niederschlagung der Proteste: Tiananmen 1989
4.3. Gesetzlicher Rahmen
5. Praktische Durchführung und Auswertung
5.1. Das Raster
5.2. Die Fragen
5.3. Trankskriptionsregeln
5.4. Die Auswertung der Interviews
5.4.1. Auswertung IP1
5.4.2. Auswertung IP2
5.4.3. Auswertung IP3
5.4.4. Auswertung IP4
5.4.5. Zusammenfassende Analyse
5.4.6. Das Spektrum der Identitätsbildungen
6. Schlussbemerkung
Diese Arbeit untersucht die Identitätsbildung chinesischer Künstler in Wien. Ziel ist es, durch narrativ-biographische Interviews zu analysieren, wie die Migrationserfahrung und die künstlerische Tätigkeit zur Konstruktion einer persönlichen Identität in einem fremden kulturellen Umfeld beitragen.
4.1.1. Allgemein
Für die längste Zeit in der Menschheitsgeschichte wurde die Migration nur in ihren spezifischen Ausprägungen wahrgenommen, wie Reisen, Eroberung oder Flucht. Da der Begriff „Migration“ ein so großes Spektrum an Phänomenen abdeckt, ist es schwierig ihn klar zu definieren. Die allgemeine Bezeichnung für ethnische Chinesen, die außerhalb Chinas leben ist 海外华人 (haiwai huaren). 华侨 (huaqiao) werden diese genannt, wenn sie einen chinesischen Pass besitzen. (Pan 1999:104,105) Allerdings wurde der Begriff huaqiao politisch aufgeladen. Er wurde von der chinesischen Regierung popularisiert, um die Loyalität der Chinesen zu ihrem Vaterland zu fördern. (Wang 1996:3) Für Chinesische Migration gibt es eine Fülle von Bezeichnungen: „Sojourning“, also der zeitlich begrenzte Aufenthalt entfernt von der Heimat, war für die längste Zeit die einzig akzeptable Selbst- und Fremdbezeichnung in den Augen der Chinesen, die im Ausland lebten.
Dies hatte verschiedene Gründe, unter anderem weil andere Formen der Migration eher negativ besetzt waren. Zum einen die von Autoritäten angeordnete unfreiwillige Migration, yimin shibian, die Umsiedlung aus Gründen der Grenzverteidigung, und yimin tongcai, die Umsiedlung wegen Hungersnöten oder Naturkatastrophen. „Freiwillige Migration war auch negativ besetzt, und zwar mit dem Begriffen liumin, für Menschen die aus anti-sozialem, verantwortungslosem Verhalten heraus die Heimat verließen, wie z. B. Verbrecher. (Wang 1996:2-4) Seit der Ming-Dynastie (1368-1644) bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war Emigration sogar offiziell verboten. (Wang 1996:6) Es hatte sich also eine „Sojourner-Mentalität“ entwickelt, mit einer Einstellung, dass man sich nur temporär im Ausland aufhält, und früher oder später wieder nach China zurückginge. Und zwar selbst bei Chinesen, die über Generationen im Ausland lebten. (Wang 1996:11) Erst mit der Festigung der Nationalstaaten nach 1945, setzte sich auch eine Mentalität der Migration, mit dem Ziel sich niederzulassen, bei den Chinesen durch.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Identitätsbildung bei chinesischen Migranten in Wien, positioniert im Kontext der Overseas Chinese Studies.
2. Identitätsbildung: Theoretische Auseinandersetzung mit Identitätskonstruktionen durch Autoren wie Erikson, Ricoeur und Luhmann sowie die Bedeutung von Sinnbildung.
3. Narrative Identität und Interviewform: Erörterung der narrativ-biographischen Interviewmethode als Instrument zur Erfassung persönlicher Lebensgeschichten im interkulturellen Kontext.
4. Hintergrundrecherche für mögliche Themenfelder: Historischer und soziologischer Überblick über chinesische Migration, Künstlerbegriffe und die Auswirkungen politischer Ereignisse wie Tiananmen 1989.
5. Praktische Durchführung und Auswertung: Detaillierte Darstellung der Interviewführung sowie Einzelanalyse der vier Interviewpartner (IP1-IP4) hinsichtlich ihrer Identitätskonstruktion.
6. Schlussbemerkung: Resümee der Forschungsergebnisse, die zeigen, dass sich Identitätsbildung bei den untersuchten Künstlern zwischen traditioneller Heimatverbundenheit und individueller künstlerischer Autonomie bewegt.
Identitätsbildung, Migration, Chinesische Diaspora, Künstler, Narrativ-biographische Interviews, Overseas Chinese Studies, Sojourner-Mentalität, Chineseness, Akkulturation, Sinnkonstruktion, Integration, Lebensgeschichte, Kunsttheorie, Interkulturelle Kommunikation, Tiananmen 1989.
Die Arbeit erforscht, wie sich die Identität chinesischer Künstler verändert, nachdem sie nach Wien immigriert sind.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Themen Migration, künstlerische Identitätskonstruktion, den Einfluss des kulturellen Hintergrunds sowie soziale und politische Aspekte der chinesischen Diaspora.
Das primäre Ziel ist es, die Veränderlichkeit und Konstruktion persönlicher Identität durch den Prozess der Migration zu erfassen und zu verstehen, welche Rolle die Kunst dabei spielt.
Die Autorin nutzt das narrativ-biographische Interview, um Lebensgeschichten aufzuzeichnen und diese mithilfe soziologischer und philosophischer Identitätstheorien auszuwerten.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine historische Hintergrundrecherche zu Migration und Künstlerbildern sowie die praktische Auswertung von vier ausführlichen Experteninterviews.
Schlüsselbegriffe sind narrative Identität, Sojourner-Mentalität, Chineseness, Akkulturation und die theoretische Unterscheidung zwischen "Gast-Mentalität" und "Siedler-Mentalität".
Das Ereignis wird als einschneidender Bruch beschrieben, der viele der Befragten desillusionierte und für einige den ausschlaggebenden Impuls zur Emigration aus China lieferte.
IP3 distanziert sich stärker von einer rein künstlerischen Identität und betont seine ethnische Identität sowie sein Engagement für traditionelle chinesische Werte innerhalb der chinesischen Community in Wien.
Es erklärt, wie chinesische Intellektuelle trotz gesellschaftlicher Einschränkungen oder staatlicher Regeln Freiräume für ihre Arbeit finden und diese produktiv nutzen können, statt in offene Opposition zu treten.
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