Bachelorarbeit, 2022
45 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Erläuterung zentraler Begriffe
2.1 Antisemitismus und seine Erscheinungsformen
3. Theoretischer Hintergrund
3.1 Strukturprinzip der „Personifizierung“ nach Haury und Primärquellen zur Erklärung von Antisemitismus
3.2 Deprivationskonzept
3.3 Sozialer Wandel in der Spätmoderne und Herleitung der Hypothesen
4. Methoden
4.1 Vorstellung des Datensatzes
4.2 Beschreibung des methodischen Vorgehens
5. Empirische Analyse
5.1 Operationalisierung und deskriptive Befunde
5.1.1 Abhängige Variable: antisemitische Einstellung
5.1.2 Unabhängige Variable: absolute Deprivation (Schichtzugehörigkeit)
5.1.3 Unabhängige Variable: absolute Deprivation (wirtschaftliche Lage)
5.1.4 Unabhängige Variable: relative Deprivation
5.2 Bivariate Befunde
5.3 Mehrebenenanalyse
5.3.1 Modell 1: Nullmodell
5.3.2 Modell 2: Random Intercept mit Kovariaten auf Level 1 und Level 2
5.3.3 Modell 3: Random-Slope-Modell mit „cross level interaction“ – relative Deprivation
5.3.4 Modell 4: Random-Slope-Modell mit „cross level interaction“ – absolute Deprivation (wirtschaftliche Lage)
5.3.5 Modell 5: Random-Slope-Modell mit „cross level interaction“ – absolute Deprivation (Schichtzugehörigkeit)
5.4 Bestimmung des Modellfit
6. Diskussion der Ergebnisse und Fazit
Die Bachelorarbeit untersucht den Einfluss von sozialer Deprivation, differenziert in ihre absoluten und relativen Ausprägungen, auf die Übernahme antisemitischer Einstellungen in Deutschland. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, ob individuelle Deprivationserfahrungen oder strukturelle Benachteiligungen in bestimmten Regionen (insbesondere den neuen Bundesländern) die Bildung antisemitischer Vorurteile begünstigen.
3.3 Sozialer Wandel in der Spätmoderne und Herleitung der Hypothesen
Aus den Theorien zur Genese des Antisemitismus ergibt sich ein deutlicher Zusammenhang von sozialen Krisen und dem Aufkommen antisemitischer Ressentiments. Dabei dienen die antisemitischen Narrative oft der „Rationalisierung“ komplexer und schneller Strukturwandel, wie sie im Zeitalter der Industrialisierung in sehr intensiver Form gegeben waren (vgl. Beyer, 2015).
Für das gegenwärtige Zeitalter der Spätmoderne stellt sich nun die Frage, inwiefern diese Theorien für westliche Industrienationen, wie Deutschland, noch haltbar sind. Das Phänomen des beschleunigten sozialen Wandels im Kontext der Spätmoderne, wurde theoretisch von dem Soziologen Hartmut Rosa ausgearbeitet. Im Hinblick auf die Forschungsfrage (Sind sozial deprivierte Personen signifikant antisemitischer eingestellt?) dieser Arbeit, ist sein Ansatz insofern relevant, als dass er mit seiner Theorie beleuchtet, dass auch in Gesellschaften mit einer funktionalen Differenzierung und damit auch der Ausbildung der unterschiedlichen Teilsystemen, ein Missverhältnis zwischen diesen Teilsystemen entstehen kann (vgl. Rosa, 2013, S. 101-104). Jenes Missverhältnis benennt Rosa als „Desynchronisation“ und meint damit im Wesentlichen, dass die Beschleunigungsgrade, ob technologisch oder normativer Natur, in den gesellschaftlichen Teilsystemen unterschiedlich verlaufen und zur Folge haben, dass die Funktionsweise des gesamten Systems gehemmt wird (vgl. Rosa, 2013, S. 104f.). „Für Subjekte ist es zur zentralen Aufgabe geworden ihr Leben so zu führen und zu gestalten, dass sie in der Lage sind, 'im Rennen zu bleiben', ihre Konkurrenzfähigkeit sicher zu stellen und nicht aus dem Hamsterrad zu fallen. [...] Die Geschwindigkeit sozialer Veränderungen und die Instabilität von Hintergrundbedingungen machen es absolut gefährlicher, einen 'Lebensplan' zu entwickeln und ihm zu folgen.“ (Rosa, 2011, S. 233). Rosa charakterisiert die Individuen der Spätmoderne in Folge des beschleunigten sozialen und technologischen Wandels als zwangsläufig kompetitiv.
1. Einleitung: Beschreibt die Relevanz der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen sozialer Deprivation und antisemitischen Narrativen in der Spätmoderne.
2. Erläuterung zentraler Begriffe: Definiert antisemitische Phänomene und deren Erscheinungsformen, insbesondere im Kontext historischer und aktueller gesellschaftlicher Debatten.
3. Theoretischer Hintergrund: Erläutert die theoretischen Ansätze der Deprivation und der Personifizierung zur Erklärung der Entstehung von Antisemitismus.
4. Methoden: Stellt den Allbus-Datensatz von 2016 sowie das methodische Vorgehen der quantitativen Sekundäranalyse vor.
5. Empirische Analyse: Präsentiert die univariaten sowie bivariaten Befunde und führt die statistischen Mehrebenenmodelle (1 bis 5) durch.
6. Diskussion der Ergebnisse und Fazit: Fasst die Resultate zusammen, bewertet die aufgestellten Hypothesen und reflektiert die Implikationen der Ergebnisse für die antisemitisierungskritische Bildungsarbeit.
Soziale Deprivation, Antisemitismus, Allbus-Datensatz, Mehrebenenanalyse, relative Deprivation, absolute Deprivation, Antisemitismus-Index, Strukturwandel, Spätmoderne, Desynchronisation, Gesellschaftsanalyse, Quantitative Forschung, Rechtsextremismusforschung, Vorurteile, soziale Ungleichheit.
Die Arbeit untersucht, inwieweit soziale Deprivation – also das Gefühl oder die Erfahrung von Mangel – die Neigung zur Übernahme antisemitischer Einstellungen beeinflusst.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf Antisemitismusforschung, der Theorie der sozialen Deprivation, der Analyse von gesellschaftlichen Strukturwandeln und der Bedeutung regionaler Unterschiede innerhalb Deutschlands.
Das Hauptziel ist es zu ergründen, ob sozial benachteiligte Personen signifikant häufiger antisemitische Einstellungen vertreten und welche Rolle dabei die Unterscheidung zwischen relativer und absoluter Deprivation spielt.
Es handelt sich um eine quantitative Sekundäranalyse auf Basis des Allbus-Datensatzes von 2016, wobei statistische Mehrebenenanalysen eingesetzt werden, um individuelle und kontextuelle Faktoren zu berücksichtigen.
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen (Personifizierung, Deprivationskonzept) dargelegt, die Datengrundlage erläutert und eine umfangreiche statistische Prüfung der aufgestellten Hypothesen durchgeführt.
Soziale Deprivation, Antisemitismus, Mehrebenenanalyse, relative und absolute Deprivation sowie der Allbus-Datensatz.
Die Arbeit untersucht mittels einer Kontexthypothese, ob Personen in strukturell schwächeren Regionen stärker antisemitisch eingestellt sind, wobei dies im Modell differenziert statistisch geprüft wird.
Diese komplexen Modelle erlauben es der Autorin, nicht nur den Haupteffekt der Deprivation zu messen, sondern auch zu prüfen, wie sich dieser Effekt je nach regionalem Kontext verändert.
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