Diplomarbeit, 2009
91 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Das Krankenversicherungssystem in Deutschland
2.1 Aufgaben und Ziele der GKV
2.2 Der Versichertenkreis der GKV
2.2.1 Pflichtversicherung und Versicherungsfreiheit
2.2.2 Freiwillige Mitgliedschaft in der GKV
2.2.3 Familienversicherung
2.3 Die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung
2.3.1 Die Entwicklung der Beitragssätze im Rahmen der Beitragssatzstabilität
2.4 Das Solidarprinzip der GKV
2.4.1 Umverteilung in der GKV
2.4.2 Der Risikostrukturausgleich (bis 2008)
3 Gründe für einen Reformbedarf der gesetzlichen Krankenversicherung
3.1 Die Erosion der Einnahmebasis
3.2 Belastung des Faktors Arbeit durch steigende Lohnnebenkosten
3.3 Demographieabhängigkeit des GKV-Umlagesystems
3.4 Ausgabenseitige Probleme der GKV
3.5 Gerechtigkeitsdefizite in der GKV
3.5.1 Verstöße gegen die horizontale Gerechtigkeit
3.5.2 Verstöße gegen die vertikale Gerechtigkeit
3.5.3 Verstöße gegen die intergenerative Gerechtigkeit
4 Finanzierung der GKV über eine Gesundheitsprämie
4.1 Das Gesundheitsprämienmodell von Rürup/Wille
4.1.1 Elemente des Reformvorschlages
4.1.2 Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Wirtschaftswachstum
4.1.3 Verteilungswirkung und Gerechtigkeit
4.2 Das Schweizer Gesundheitssystem als Reformoption für die GKV?
4.2.1 Elemente des Reformvorschlages
4.2.2 Beurteilung und Übertragbarkeit auf das deutsche Gesundheitssystem
4.3 Das Zukunftsmodell von Henke u.a (2002)
4.3.1 Elemente des Reformvorschlages
4.3.2 Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Wirtschaftswachstum
4.3.3 Verteilungswirkung und Gerechtigkeit
5 Finanzierung der GKV über eine Bürgerversicherung
5.1 Elemente des Reformvorschlages der SPD
5.1.1 Das Zwei-Säulen-Modell
5.1.2 Das Kapital-Steuer-Modell
5.2 Finanzielle Wirkungen der Bürgerversicherung unter Annahme des Zwei-Säulen-Modells
5.3 Auswirkung auf den Arbeitsmarkt
5.4 Verteilungswirkung und Gerechtigkeit
6 Finanzierung der GKV über einen Gesundheitsfonds
6.1 Die Idee hinter dem Gesundheitsfonds
6.2 Der Reformvorschlag des wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium der Finanzen
6.3 Der Gesundheitsfonds im Rahmen des GKV-WSG
6.3.1 Elemente der Reform
6.3.2 Einfluss auf den Arbeitsmarkt
6.3.3 Verteilungswirkung und Gerechtigkeit
6.3.4 Mehr Wettbewerb durch den Gesundheitsfonds?
7 Diskussion und Bewertung der Reformvorschläge
7.1 Neutralität auf dem Arbeitsmarkt
7.2 Schaffung von horizontaler, vertikaler und intergenerativer Gerechtigkeit
7.2.1 Schaffung von horizontaler Gerechtigkeit
7.2.2 Schaffung von vertikaler Gerechtigkeit
7.2.3 Schaffung von intergenerativer Gerechtigkeit
7.3 Generierung von Wettbewerbsimpulsen auf Anbieter- und Nachfrageseite
8 Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht verschiedene Reformansätze zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland vor dem Hintergrund ökonomischer Defizite des bisherigen Systems. Das primäre Ziel ist es, die Modelle Gesundheitsprämie, Bürgerversicherung und Gesundheitsfonds anhand der Kriterien Beschäftigungsfreundlichkeit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit ökonomisch zu analysieren und zu bewerten.
3.1 Die Erosion der Einnahmebasis
Die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung ist seit den siebziger Jahren geprägt von ständig wiederkehrenden Finanzierungsdefiziten. Zahlreiche Reformbemühungen sollten die Finanzierung der GKV sichern, führten jedoch meist nur zu kurzfristigen Verbesserungen. Ein nachhaltiger Effekt konnte nicht erreicht werden. Die durchschnittlichen allgemeinen Beitragssätze sind zwischen 1970 und 2005 von 8,2% auf 13,8% angestiegen. Dies zeigt, dass lediglich durch Beitragssatzsteigerungen, die im Rahmen der Beitragssatzstabilität als letzte Option vorgesehen sind, eine Finanzierung der GKV-Ausgaben sichergestellt werden konnte.
Die Einnahmeseite der GKV besteht, wie bereits erörtert wurde, zum überwiegenden Teil aus Beitragseinnahmen und zu einem kleinen Teil aus sonstigen Einnahmen. Die Beitragseinnahmen sind auf Grund der festgelegten Beitragsbemessungsgrundlage signifikant von der Lohnentwicklung und der Beschäftigungsentwicklung abhängig. Die nachfolgenden Grafiken zeigen eine negative Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Beobachtungszeitraum (Abb. 3.1). Die Gruppe der Beitragszahler nahm hiernach ab, was bei steigenden Leistungsausgaben im gleichen Zeitraum (Abb. 3.2) bedeutet, dass der einzelne Beitragszahler einen höheren Anteil zu finanzieren hat. Abb. 3.3 stellt die Entwicklung der Lohnquote dar. Während die Lohnquote über den Zeitraum 1991 bis 2003 um 4,7% abnahm, stieg der Ausgabenanteil am nominalen BIP um 4,4% an. Einer Zunahme des Ausgabenanteils steht also eine Abnahme der Finanzierungsbasis gegenüber.
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert die Finanzierungsdefizite des deutschen Gesundheitssystems und stellt die drei Reformkonzepte Gesundheitsprämie, Bürgerversicherung und Gesundheitsfonds zur ökonomischen Analyse vor.
2 Das Krankenversicherungssystem in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die Aufgaben, den Versichertenkreis, die Finanzierungsmechanismen und das Solidarprinzip der GKV vor den Reformen.
3 Gründe für einen Reformbedarf der gesetzlichen Krankenversicherung: Hier werden die Ursachen für den Reformbedarf, insbesondere Einnahmeerosion, steigende Lohnnebenkosten, Demographieabhängigkeit und Gerechtigkeitsdefizite, analysiert.
4 Finanzierung der GKV über eine Gesundheitsprämie: Das Kapitel untersucht Gesundheitsprämienmodelle, insbesondere das Modell von Rürup/Wille sowie das Schweizer System, hinsichtlich ihrer ökonomischen Auswirkungen.
5 Finanzierung der GKV über eine Bürgerversicherung: Es werden die Elemente des SPD-Modells der Bürgerversicherung sowie deren finanzielle Wirkungen und Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt dargestellt.
6 Finanzierung der GKV über einen Gesundheitsfonds: Dieses Kapitel widmet sich der Entstehung und Ausgestaltung des Gesundheitsfonds im Rahmen des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes und prüft dessen Effekte.
7 Diskussion und Bewertung der Reformvorschläge: Hier werden die untersuchten Modelle vergleichend an den Kriterien Neutralität auf dem Arbeitsmarkt, Gerechtigkeit und Wettbewerbsimpulsen gemessen.
8 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass das bisherige System nicht zukunftsfähig ist und empfiehlt eine medizinische Grundversorgung mit Gesundheitsprämie als langfristig effizientesten Weg.
Gesetzliche Krankenversicherung, GKV, Gesundheitsprämie, Bürgerversicherung, Gesundheitsfonds, Solidarprinzip, Lohnnebenkosten, Demographischer Wandel, Beitragsbemessungsgrenze, horizontale Gerechtigkeit, vertikale Gerechtigkeit, intergenerative Gerechtigkeit, Arbeitsmarkt, Reformbedarf, Nachhaltigkeit
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Reformvorschläge zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland vor dem Hintergrund wiederkehrender Finanzierungsdefizite.
Im Zentrum stehen die Konzepte der Gesundheitsprämie, der Bürgerversicherung sowie die als Kompromiss umgesetzte Lösung des Gesundheitsfonds.
Ziel ist die ökonomische Bewertung, welches der genannten Modelle den Kriterien Beschäftigungsfreundlichkeit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit am besten gerecht wird.
Es wird eine theoretische, ökonomische Analyse durchgeführt, die neben der Auswertung von Daten auch mikroökonomische Modelle zur Anreizwirkung auf den Arbeitsmarkt nutzt.
Die Arbeit identifiziert eine Erosion der Einnahmebasis durch Lohnentwicklung, steigende Belastungen des Faktors Arbeit, demographische Anfälligkeit sowie erhebliche Gerechtigkeitsdefizite.
Die Arbeit bewertet die Vorschläge anhand ihrer Auswirkungen auf die Arbeitsmarktneutralität, die Einhaltung horizontaler, vertikaler und intergenerativer Gerechtigkeit sowie ihre Fähigkeit, Wettbewerbsimpulse zu generieren.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Gesundheitsfonds keines der ökonomischen Kernprobleme nachhaltig löst, sondern eher einen politisch motivierten Zwischenschritt darstellt.
Das Modell wird aufgrund der Abkopplung der Finanzierung vom Faktor Arbeit und der Verlagerung der Umverteilung auf das Steuersystem als am ehesten zukunftsfähig und beschäftigungsfreundlich bewertet.
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