Magisterarbeit, 2002
107 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
1.1 Vorbemerkung zur Verwendung des Begriffs ‚Wasserfrau’
2. Liebe, Sprache, Kunst: Die thematischen Aspekte im einzelnen und in ihren Zusammenhängen
2.1 Kunst, Sprache, Liebe: Zusammenhänge
2.2 Der Aspekt ‚Kunst’ in Bezug zur Wasserfrau
2.3 Zur Kunstfigur Undine/Wasserfrau
2.3.1 Zur Entstehung der zentralen Wasserfrauenfigur der Undine in der Romantik
2.3.2 Wasser als imaginärer Raum und die Wasserfrau als aquatische Muse
2.3.3 Grenzfigur Wasserfrau
2.4 Pygmalion und die Wasserfrauen
2.5 Der Aspekt ‚Sprache’ in der Wasserfrauenliteratur
2.6 Das Phänomen ‚Liebe’ in der Wasserfrauenliteratur
2.6.1 Liebe – eine Erfahrungsmodalität der Erkenntnis
2.6.2 Liebe als Kommunikationsform und Sprache
2.6.3 Utopisches Moment der Liebe: Wandlung und Belebung durch Liebe
2.6.4 Liebe als Fiktion und Mythos
3. Textanalysen vor dem Hintergrund der Aspekte von Liebe, Sprache und Kunst
3.1 Friedrich de la Motte Fouqués „Undine“ – Integration von Poesie in die Gesellschaft durch Liebe?
3.2 Hans Christian Andersens „Die kleine Seejungfrau“ – Erzählung bewegt
3.2.1 Exkurs: ‚Mignon’ als Kunstfigur und Parallele zur Kunstfigur der Wasserfrau
3.2.2 „Die kleine Seejungfrau“
3.3 Oscar Wildes „Der Fischer und seine Seele“ – Kunstliebe und Sprache als Verführungsinstrument
3.4 Jean Giraudoux’ „Undine“ – Kunst und Liebe als ‚wahre’ Illusion
3.5 Ingeborg Bachmanns „Undine geht“ – Utopien von Sprache und Liebe
4. Schluß
Die vorliegende Arbeit untersucht die utopischen Momente in der europäischen Wasserfrauenliteratur, die über das Zusammenspiel der Aspekte Liebe, Sprache und Kunst vermittelt werden. Ziel ist es, unabhängig von einer reinen Geschlechterproblematik zu zeigen, inwiefern die Wasserfrau als übernatürliches Geschöpf und Inkarnation dieser Bereiche eine nichtentfremdete Existenz entwerfen kann, während sie zugleich als Projektionsfläche für menschliche Sehnsüchte und Ängste dient.
2.3.2 Wasser als imaginärer Raum und die Wasserfrau als aquatische Muse
In der Romantik bekam das Element des Wassers einen hohen Stellenwert eingeräumt, da es durch seine fließende, formlose und wandelbare Gestalt als poetischer Stoff sogar als Quelle der Poesie selbst angesehen wurde. Als Element ohne Grenzen, das man als der menschlich beschränkten Welt diametral entgegengesetzt dachte, entsprach es in seinen Eigenschaften den romantischen Vorstellungen eines poetisch-utopischen Raumes und – wegen seiner Verschmelzungsfähigkeit – der grenzenlosen Liebe. Aber auch nach der Romantik bleibt weiterhin die Bedeutung der Natur und speziell die der Wasserwelt als Ursprung des Imaginären bestehen, so wie auch die Figur der Wasserfrau als Repräsentantin dieser sprachlosen Sphäre und damit des vorsprachlichen Zustandes fortlebt.
Als Verkörperung des poetischen Elements verleihen die Wasserfrauen, wie schon die Sirenen des HOMERischen Mythos, der sprachlosen Natur eine Stimme und eine Gestalt, die es der Natur erst ermöglicht, für den Menschen hör- und sichtbar und damit überhaupt verständlich zu werden. In dieser Vermittlerrolle zwischen dem Menschen und dem Chaotischen der Natur können die Wasserfrauen als Musen fungieren, wie auch die direkte Abstammung der Sirenen als Töchter der Musen nahelegt.
Eine Begegnung mit den Wasserfrauen ist – wie auch schon diejenige Odysseus’ mit den Sirenen – immer eine Begegnung mit dem Imaginären und Vorsprachlichen, das sich in der unmittelbaren ästhetischen Wirkung von Gesang, Stimme und Schönheit äußert. Auf diese Weise vernehmbar geworden, bedarf die Stimme der Natur einer Art Übersetzung, die durch den Mensch, vornehmlich Künstler/Dichter, der sie hört, in den sprachlichen Bereich überführt wird, indem er der sprachlosen Natur eine begriffliche Sprache verleiht und sie somit in Poesie oder Kunst umformen kann.
1. Einleitung: Einführung in den mythischen Kern des Wasserfrauenstoffes und Definition des methodischen Vorgehens anhand ausgewählter europäischer Texte.
2. Liebe, Sprache, Kunst: Die thematischen Aspekte im einzelnen und in ihren Zusammenhängen: Theoretische Untersuchung des utopischen Potentials von Liebe, Sprache und Kunst als Mittel zur Wirklichkeitserschaffung und Grenzüberschreitung in der Literatur.
3. Textanalysen vor dem Hintergrund der Aspekte von Liebe, Sprache und Kunst: Exemplarische Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf Werke von Fouqué, Andersen, Wilde, Giraudoux und Bachmann.
4. Schluß: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Zerrissenheit des Menschen zwischen gesellschaftlicher Realität und dem utopischen Streben nach einem nichtentfremdeten Leben.
Wasserfrau, Undine, Liebe, Sprache, Kunst, Romantik, Utopie, Literaturwissenschaft, Imaginäres, Pygmalion, Beseelung, Mythen, Sprachkritik, Identität, Sehnsucht
Die Arbeit analysiert die utopischen Aspekte in der europäischen Wasserfrauenliteratur und untersucht, wie Liebe, Sprache und Kunst als mediale Ebenen genutzt werden, um eine nichtentfremdete Existenz jenseits der gesellschaftlichen Realität darzustellen.
Zentral sind die Untersuchung von Wirklichkeitsüberschreitung, die Rolle der Kunst als "Anderes" gegenüber der Gesellschaft, die Bedeutung der Sprache als Mittel der Wahrheitsfindung sowie die Motivik von Liebe als Utopie und Scheitern.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wasserfrauenfiguren in der Literatur als Repräsentantinnen für ein Streben nach Ganzheitlichkeit fungieren und inwiefern sie durch das Dreieck von Liebe, Sprache und Kunst als Trägerinnen utopischer Momente dienen.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Grundlegung der thematischen Aspekte mit einer fundierten literaturwissenschaftlichen Textanalyse der ausgewählten Werke.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Vorab-Betrachtung der Begriffe und eine anschließende detaillierte Textanalyse der Werke von Fouqué, Andersen, Wilde, Giraudoux und Bachmann.
Wasserfrau, Undine, Utopie, Liebe, Sprache, Kunst, Imaginäres, Sehnsucht, Beseelung und Pygmalion-Motiv sind die maßgeblichen Begriffe.
Während bei Andersen die Erlangung einer Seele als Erlösung aus einer begrenzten Existenz und als Befreiung verstanden wird, betrachtet Wilde die Seele eher als gesellschaftliches Konstrukt, dessen Verlust für den Menschen eine Befreiung in den ästhetischen Raum ermöglicht.
Bei Bachmann dient die Stimme als Ausdruck der sprachlichen Bemühung und der Grenzgängerschaft der Wasserfrau, die erst durch das Sprechen mit dem Menschen aus ihrem vorsprachlichen Zustand heraustritt, wobei ihr Monolog die kritische Auseinandersetzung mit der "schlechten Sprache" der Gesellschaft widerspiegelt.
Das tragische Ende resultiert aus der Unfähigkeit des Ritters, das Wesen Undines wahrhaftig zu erkennen, da er Fiktion und Realität vermischt und Undine schlussendlich den Verrat durch die gesellschaftliche Bindung zu Bertha nicht überleben kann.
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