Bachelorarbeit, 2008
47 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Zeitarbeit in Deutschland
2.1 Genese und Institutionalisierung
2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.2.1 Das Kündigungsschutzgesetz
2.2.2 Teilzeit- und Befristungsgesetze
3. Verortung im sozialen Raum
3.1 Die Selbstdarstellung von Zeitarbeitsunternehmen
3.2 Die Haltung der Gewerkschaften
3.3 Zeitarbeit in der öffentlichen Wahrnehmung
4. Perspektiven und Interessen der Akteure
4.1 Die Perspektive der Kundenunternehmen
4.1.1 Kostenersparnis
4.1.2 Flexibilität und Schnelligkeit
4.1.3 Zeitarbeit als Personalstrategie
4.2 Interessen der Zeitarbeitsunternehmen
4.2.1 Gewinnerzielungsabsicht
4.2.2 Expansionsstrategien
4.2.2.1. Spezialisierung
4.2.2.2 Funktionswandel
4.2.2.3 Qualifikation der Zeitarbeitnehmer
4.3 Perspektiven und Interessen von Zeitarbeitnehmern
4.3.1 Sicherung der wirtschaftlichen Existenz
4.3.2 Wahrnehmung von Arbeitsmarktchancen
4.3.3 Expansion der Berufserfahrung
5. Der Arbeitskraftunternehmer als neuer Arbeitnehmertypus
5.1 Wandel der Erwerbsstrukturen
5.2 Autonomiegewinn und Leistungsdruck
5.3 Selbstökonomisierung der Arbeitskraft
5.4 Gesellschaftliche Folgen
6. Das Modell der Zeitarbeitnehmerarbeit
6.1 Prekarität
6.2 Der Arbeitnehmer in der Zeitarbeit
6.2.1 Sozialbeziehungen
6.2.1.1 Kontrolle
6.2.1.2 Die Konstitution einer neuen Rolle
6.3 Zum Wert der Zeitarbeitnehmerarbeit
6.3.1 Ökonomische und ideelle Werte
6.3.2 Stellenwert und Anerkennung
6.4 Zeitarbeitnehmerarbeit und Beruflichkeit
6.4.1 Arbeitszufriedenheit
6.4.2 Die Brückenfunktion der Zeitarbeitnehmerarbeit
6.5 Zeitarbeitnehmerarbeit als Herrschaftsinstrument
6.6 Zeitarbeitnehmerarbeit als Konsumgut?
7. Zusammenfassung und Einordnung des Modells in den theoretischen Bezugsrahmen
8. Schlussbemerkung und Ausblick
Diese Arbeit zielt darauf ab, ein soziologisches Modell der "Zeitarbeitnehmerarbeit" zu entwickeln, um dieses atypische Beschäftigungsverhältnis analytisch zu erfassen und in den arbeitssoziologischen Kontext einzuordnen. Dabei wird insbesondere untersucht, wie sich die Interessen der beteiligten Akteure – Zeitarbeitsunternehmen, Kundenunternehmen und Zeitarbeitnehmer – in einer prekären Konstellation zueinander verhalten.
Die Selbstdarstellung von Zeitarbeitsunternehmen
Die meisten Zeitarbeitsunternehmen versuchen daher in ihren Unternehmens selbstbeschreibungen, durch eine gute Präsentation ihrer Leistungen auch Vorurteile gegen Zeitarbeit auszuräumen, so wirbt zum Beispiel die Firma Randstad in ihrem Internetauftritt wie folgt für sich: „Unsere Leistungen: Festes Einkommen: gesichert Sicherer Job: vorhanden Abwechslungsreiche Arbeit: versprochen Weiterbildung, Qualifizierung, Aufstiegschancen: gewährleistet Tatkräftige Unterstützung beim Jobstart: geregelt Namhafter, leistungsstarker Arbeitgeber: garantiert“
Diese Schlagworte hören sich auf ersten Blick attraktiv und seriös an – halten jedoch einer kritischen Hinterfragung nicht stand. So schreibt Randstad z. B. stolz weiter unter den Punkt „Tatkräftige Unterstützung beim Jobstart: „Manche Vorurteile sind hartnäckig. Auch wenn es um Zeitarbeit geht. Vergessen Sie’s: Bei Randstad zählen Sie als Mensch. Darum gibt es bei uns regionale Betriebsräte...“
Diese Formulierung vermittelt den Eindruck, als hätte das Unternehmen selbst die Betriebsräte installiert – wer sich eingehender mit der Thematik beschäftigt, weiß, dass sich Betriebsräte, also die Vertreter der Arbeitnehmer, stets aus Eigeninitiative bilden – und i. d. R. nicht auf Anweisung oder Organisation durch den Arbeitgeber.
Die Bildung eines Betriebsrates dürfen Arbeitgeber weder verhindern noch verbieten, vielleicht soll klar gestellt werden, dass Randstad sich an gesetzliche Auflagen hält. Die Einhaltung von Gesetze wiederum sollte selbstverständlich sein und nichts, was man stolz betonen müsste. Im Folgenden heißt es unter diesem Punkt: “...Einen fairen Tarifvertrag, geschlossen mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Einen kostenlosen werksärztlichen Dienst.
Auch hier bestehen Unklarheiten: Es wird nicht erklärt, was mit „tatkräftiger Unterstützung beim Jobstart“ im Zusammenhang mit dem Tarifvertrag und den Betriebsräten gemeint ist, es ist auch unklar, was der Begriff „Jobstart“ bedeutet. Sind damit die ersten Tage des Zeitarbeitnehmers im Kundenunternehmen gemeint – wenn ja, in welcher Beziehung steht dies zu Tarifverträgen und in welcher Weise könnten hier die Betriebsräte des Zeitarbeitsunternehmens aktiv werden?
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Wandel zu atypischen Beschäftigungsverhältnissen in Deutschland und begründet die Notwendigkeit eines neuen soziologischen Modells für Zeitarbeitnehmerarbeit.
2. Zeitarbeit in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die Genese, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die wachsende Bedeutung der Zeitarbeitsbranche sowie deren Deregulierung.
3. Verortung im sozialen Raum: Es wird analysiert, wie sich verschiedene Akteure im Feld des Arbeitsmarktes positionieren und wie die Branche versucht, ihr öffentliches Ansehen zu prägen.
4. Perspektiven und Interessen der Akteure: Hier stehen die divergierenden Interessen von Kundenunternehmen, Zeitarbeitsunternehmen und den Zeitarbeitnehmern im Fokus der Analyse.
5. Der Arbeitskraftunternehmer als neuer Arbeitnehmertypus: Das Modell des Arbeitskraftunternehmers wird eingeführt, um den Wandel von Erwerbsstrukturen und die steigende Eigenverantwortung zu verdeutlichen.
6. Das Modell der Zeitarbeitnehmerarbeit: Im Hauptteil wird die Zeitarbeitnehmerarbeit als prekäre Arbeitsform detailliert analysiert, inklusive Rollenkonstitution, Kontrollmechanismen und der Brückenfunktion.
7. Zusammenfassung und Einordnung des Modells in den theoretischen Bezugsrahmen: Das entwickelte Konzept wird systematisiert und seine soziologische Verortung zusammenfassend reflektiert.
8. Schlussbemerkung und Ausblick: Es folgt ein Fazit über die Rolle der Zeitarbeit als Indikator für sozialen Wandel und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Arbeitsmarkt.
Zeitarbeit, Leiharbeit, Arbeitskraftunternehmer, Prekarität, Arbeitsmarkt, Interessenkonflikte, Normalarbeitsverhältnis, Sozialbeziehungen, Deregulierung, Flexibilität, Arbeitszufriedenheit, Machtstrukturen, Personalstrategie, Transformation, Beschäftigungsunsicherheit
Die Arbeit analysiert die soziologischen Aspekte der Zeitarbeitnehmerarbeit als ein atypisches, prekäres Beschäftigungsverhältnis in Deutschland.
Die Schwerpunkte liegen auf den Interessenlagen der beteiligten Akteure, der Institutionalisierung der Branche, dem Konzept der Prekarität und der Rolle von Zeitarbeitnehmern im Vergleich zum Modell des Arbeitskraftunternehmers.
Das Ziel ist die Konzeption eines soziologischen Modells zur Beschreibung der Zeitarbeitnehmerarbeit als Idealtypus, um die Dynamiken und die prekäre Stellung dieser Beschäftigten besser zu verstehen.
Die Arbeit nutzt die Methode der idealtypischen Konstruktion nach Max Weber, ergänzt durch eine Auswertung empirischer Studien und aktueller arbeitsmarktpolitischer Diskurse.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Prekarität, den Kontrollmechanismen im Entleihbetrieb (On-Site-Management), der Konstitution der Rolle des Zeitarbeitnehmers und der sogenannten "Brückenfunktion" der Zeitarbeit.
Die zentralen Begriffe umfassen Zeitarbeit, Prekarität, Arbeitskraftunternehmer, Transformation von Arbeitskraft, Deregulierung und Interessenkonflikte der Akteure.
Die Brückenfunktion ist zwar ein zentrales Argument der Befürworter für den Statuswechsel in eine Festanstellung, die empirische Datenlage deutet jedoch darauf hin, dass dies oft spekulativ bleibt und die Arbeit stattdessen ein Armuts- und Abstiegsrisiko birgt.
Gewerkschaften verhalten sich ambivalent; sie kritisieren die Zeitarbeit als Mittel zur Tarifflucht und Disziplinierung, waren jedoch gleichzeitig an der Aushandlung von Manteltarifverträgen für die Branche beteiligt.
Dieses Modell wird gewählt, weil es den Wandel in den Erwerbsstrukturen und die Verlagerung der Verantwortung für die Arbeitsleistung auf den Arbeitnehmer selbst hervorhebt, was eine Parallele zur Situation des Zeitarbeitnehmers aufweist.
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