Diplomarbeit, 2008
118 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Anthropologische Grundlagen
2. 1. Die Mängel und der Reichtum des Menschen
2. 2. Die Kultur des Menschen
2. 3. Umwelt und soziale Mimesis
3. Experimente
3. 1. Die „Ursprache“ des Menschen
3. 2. Der Affe und das Kind
4. Wilde Kinder
4. 1. Isolierte Kinder
4. 1. 1. Victor von Aveyron
4. 1. 1. 1. Entdeckung
4. 1. 1. 2. Ausgangszustand des Jungen
4. 1. 1. 3. Wissenschaftler und Fürsorgende
4. 1. 1. 4. Entwicklung, Fortschritte und Rückschläge
4. 2. Wolfskinder
4. 2. 1. Amala und Kamala
4. 2. 1. 1. Entdeckung
4. 2. 1. 2. Ausgangszustand der Mädchen
4. 2. 1. 3. Wissenschaftler und Fürsorgende
4. 2. 1. 4. Entwicklung, Fortschritte und Rückschläge
4. 3. Eingesperrte Kinder
4. 3. 1. Genie
4. 3. 1. 1. Entdeckung
4. 3. 1. 2. Ausgangszustand und Vergangenheit des Mädchens
4. 3. 1. 3. Wissenschaftler und Fürsorgende
3. 3. 1. 4. Entwicklungen, Fortschritte und Rückschläge
5. Gemeinsame Besonderheiten zwischen den Wilden Kindern
6. Das literarische Bild des Wilden Kindes
7. Schluss
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Phänomen der sogenannten „wilden Kinder“ anthropologisch zu untersuchen und wissenschaftlich einzuordnen. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwieweit die menschliche Natur durch genetische Grundlagen determiniert ist oder durch soziale Umwelt und Erziehung geformt wird, wobei die Fallbeispiele als Analysebasis dienen.
3. 2. Der Affe und das Kind
Wesentlich authentischer als diese eher einleitende Geschichte gestaltet sich das Experiment von Dr. Winthrop Kellogg im Jahre 1933, das später unter dem Namen the child and the ape veröffentlicht wurde. Der wissenschaftlich interessierte Arzt ließ seinen zehn Monate alten Sohn Donald mit dem ca. sieben bis acht Monate alten Affen Gua aufwachsen. Er wollte herausfinden, wie sich der Affe entwickelt, welche Fähigkeiten er erwirbt und welche Wesenszüge zum Vorschein kommen, wenn dieser Affe nicht in seiner natürlichen, tierischen Umwelt aufwächst, sondern in einer ausschließlich menschlichen Umgebung.
Entscheidend dabei war, dass der Affe und das Kind vollkommen gleich behandelt und erzogen werden sollten, sodass Dr. Kellogg aufgrund der „Konstante“ Erziehung die genetischen und biologischen Unterschiede zwischen Mensch und Tier genauestens beobachten konnte. Da es in dieser Zeit bereits ethisch nicht vertretber gewesen wäre, ein menschliches Kind allein in tierischer Umwelt aufwachsen zu lassen, um wissenschaftliche Erkenntnisse in der Anlage – Umwelt – Problematik zu gewinnen, hat dieser Arzt folglich das Experiment umgekehrt, also den Affen in menschlicher Umwelt aufwachsen lassen.
1. Einleitung: Einführung in die anthropologische Urfrage, was den Menschen zum Menschen macht, und Vorstellung der Thematik der „wilden Kinder“ als Studienobjekt.
2. Anthropologische Grundlagen: Darstellung menschlicher Eigenheiten wie Instinktarmut, Lernfähigkeit, Weltoffenheit und die Bedeutung der Kultur.
3. Experimente: Kritische Betrachtung historischer Versuche, die menschliche Natur durch die Isolation von Säuglingen oder durch das Aufziehen von Tieren in menschlicher Obhut zu erforschen.
4. Wilde Kinder: Detaillierte Kategorisierung und Analyse der Einzelschicksale von isolierten (Victor), wolfs- (Amala und Kamala) und eingesperrten Kindern (Genie).
5. Gemeinsame Besonderheiten zwischen den Wilden Kindern: Synthese der Beobachtungen, insbesondere hinsichtlich der sensorischen Anpassungen und der Schwierigkeiten beim Spracherwerb.
6. Das literarische Bild des Wilden Kindes: Analyse der mythologischen und literarischen Faszination, die vom Idealbild des „Edlen Wilden“ bis hin zu modernen Romanen und Filmen reicht.
7. Schluss: Zusammenfassende philosophisch-pädagogische Einordnung der Ergebnisse und Bekräftigung der Notwendigkeit einer menschlichen Umwelt für die Entfaltung menschlicher Wesensmerkmale.
Wilde Kinder, Anthropologie, Pädagogik, Anlage-Umwelt-Problem, Mimesis, Spracherwerb, Isolation, Wolfskinder, Menschsein, Entwicklungspsychologie, Sozialisation, Instinktreduktion, Symbolfähigkeit, Identität, Erziehung.
Die Arbeit untersucht das Wesen des Menschen anhand von Fallbeispielen „wilder Kinder“, die ohne normale soziale Interaktion aufwuchsen, um die Bedeutung von Anlage und Umwelt zu beleuchten.
Zu den Kernpunkten gehören die pädagogische Anthropologie, der Spracherwerb, die Rolle der Nachahmung (Mimesis) sowie die historische und literarische Rezeption von isolierten Kindern.
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten in der Entwicklung dieser Kinder zu identifizieren und anthropologische Fragen zum Menschsein vor dem Hintergrund ihrer extremen Lebensumstände zu diskutieren.
Die Autorin nutzt eine vergleichende Fallstudienanalyse, die auf historischen Berichten und anthropologischer Forschungsliteratur basiert.
Der Hauptteil analysiert detailliert drei Gruppen: isolierte Kinder (Victor von Aveyron), Wolfskinder (Amala und Kamala) und eingesperrte Kinder (Genie).
Die zentralen Begriffe sind Wilde Kinder, Mimesis, Spracherwerb, Anlage-Umwelt-Problem, Menschsein, Identität und pädagogische Anthropologie.
Während bei Victor primär die soziale Isolation in der Natur im Vordergrund stand, war Genie über Jahre extremer häuslicher Gewalt und systematischer Deprivation ausgesetzt, was ihre Entwicklung und psychische Verfassung massiv beeinträchtigte.
Die Sprache wird als fundamentale Brücke zur Welt betrachtet; ohne eine sprachliche Umwelt in der sensiblen Phase ist eine normale intellektuelle und soziale Entwicklung laut der Autorin kaum möglich.
Die Benennungsexplosion zeigt Kamalas wachsendes Bedürfnis, ihre Umwelt aktiv zu kategorisieren, was als ein wesentlicher Fortschritt in ihrem Spracherwerbsprozess nach der Resozialisierung gewertet wird.
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