Wissenschaftliche Studie, 2009
18 Seiten, Note: 1
Der Begriff Praxis
1. Einleitung
2. Platon: besonnenes Vorgehen
3. Aristoteles: vernünftiges Vorgehen
4. Kant: Theorie und Praxis
5. Marx und Marxismus: praktische Handlungen
6. Heidegger: Dasein im Handeln
7. Foucault: Macht und Praxis
8. Heller: Theorie und Praxis aus Bedürfnissen
9. Der Methodische Kulturalismus: Wissenschaft aus kultureller Praxis
10. Stekeler-Weithofer: Praxisformen
11. Schluss
Diese Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Theorie und Praxis aus einer ideengeschichtlichen Perspektive. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie verschiedene Denker – von der Antike bis zur Moderne – die Priorität und wechselseitige Abhängigkeit dieser beiden Begriffe definieren und philosophisch begründen.
8. Heller: Theorie und Praxis aus Bedürfnissen
Ágnes Heller (*1929) ist nun die erste in unserer Betrachtung, die eine klare Typologie von Theorie und Praxis aufstellte.
Heller sagt, dass Theorie und Praxis zu einer produktiven Gesellschaft gehören und erst ab einer bürgerlichen Gesellschaft überhaupt möglich sind. Die Arbeitsteilung führt dazu, dass die Intelligenz dazu benutzt wird, Theorien zu liefern. Diese gelangen wie andere Produkte auf den Markt und befinden sich dort in freier Konkurrenz; ihr Ziel ist es, Meinungen zu beeinflussen. Ihre Abnehmer sind Konsumenten, von denen einige eine Praxis wollen. Bis hierhin könnte man sagen, ihrer Meinung nach kommt die Theorie vor der Praxis. Ihr Ziel nun ist es, enge Definitionen des Praxisbegriffes zu finden, stets im Verhältnis zur Theorie. Die Typen ihrer Typologie unterscheiden sich durch ihre Ziele und Aktivitäten.
a) Die partielle Reform: Sie reformiert Teilbereiche durch Fachkräfte, kommt vor einer formulierten Kritik und ist leicht manipulierbar.
b) Die allgemeine Reform: Sie will die Gesamtgesellschaft verändern, ist kritisch, wird nicht von Fachkräften vollzogen, ist Führer von gesellschaftlichen Massen.
c) Die politisch-revolutionäre Bewegung: Sie will die ganze Gesellschaft umwandeln, braucht dafür eine große Basis, während ihre Führung meist eine Minderheit ist.
d) Die umfassende gesellschaftliche Revolution: Sie will das Alltagsleben revolutionieren, hat dadurch eine wachsende Basis, entsteht durch ihre Praxis und ist nicht umkehrbar.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die allgemeine Gegenüberstellung von Theorie und Praxis ein und skizziert den historischen Untersuchungsrahmen der Arbeit.
2. Platon: besonnenes Vorgehen: Das Kapitel beleuchtet den Begriff der Besonnenheit als eine wesentliche Vorstufe zum praktischen Handeln im Kontext des platonischen Dialogs.
3. Aristoteles: vernünftiges Vorgehen: Aristoteles' Ethik wird hinsichtlich der Verbindung von Vernunft, Tugend und dem vernünftigen Streben als Basis für rechtes Handeln analysiert.
4. Kant: Theorie und Praxis: Hier wird Kants philosophische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von theoretischen Prinzipien und deren praktischer Anwendung in Moral und Staatsrecht diskutiert.
5. Marx und Marxismus: praktische Handlungen: Dieses Kapitel betrachtet die marxistische Umdeutung von Praxis als gesellschaftsverändernde Tätigkeit und die Debatten um deren Primat gegenüber der Theorie.
6. Heidegger: Dasein im Handeln: Die Arbeit beleuchtet Heideggers Daseinsbegriff und die Rolle des Handelns in der Welt, wobei auch Bezüge zum Marxismus kritisch hinterfragt werden.
7. Foucault: Macht und Praxis: Im Zentrum stehen Foucaults Analysen von Machtstrukturen und Regierungskunst sowie deren Verschränkung mit historischen Praxen.
8. Heller: Theorie und Praxis aus Bedürfnissen: Dieses Kapitel stellt Hellers Typologie vor, welche die Theorie-Praxis-Beziehung anhand der Entstehung und Befriedigung menschlicher Bedürfnisse in der bürgerlichen Gesellschaft analysiert.
9. Der Methodische Kulturalismus: Wissenschaft aus kultureller Praxis: Es wird die Auffassung der 'Erlanger Schule' dargestellt, welche Wissenschaft und Wissen konsequent als lebensweltliche Handlungspraxis begreift.
10. Stekeler-Weithofer: Praxisformen: Das Kapitel behandelt normative Aspekte von Praxisformen und deren Bedeutung für das menschliche Verstehen und das Entstehen von Wissen.
11. Schluss: Der Abschluss resümiert die behandelten Positionen und stellt fest, dass die Grundfrage nach dem Primat von Theorie oder Praxis weiterhin eine offene philosophische Herausforderung bleibt.
Praxis, Theorie, Philosophie, Handeln, Vernunft, Besonnenheit, Marxismus, Macht, Bedürfnisse, Kulturalismus, Praxisformen, Ideengeschichte, Gesellschaft, Erkenntnistheorie, Handlungstheorie
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Untersuchung der Begriffe 'Theorie' und 'Praxis' und deren historischer Entwicklung sowie gegenseitiger Abhängigkeit.
Zentrale Themen sind die antike Vernunft, das Verhältnis von moralischem Handeln und gesellschaftlichen Zwängen, marxistische Praxisphilosophie, machtkritische Diskurse sowie moderne typologische Ansätze.
Das Ziel ist es, die vielfältigen Positionen und Definitionen des Praxisbegriffs aufzuzeigen und die ungelöste Frage nach dem Ursprungsverhältnis von Theorie und Praxis zu beleuchten.
Der Autor nutzt eine ideengeschichtliche und deskriptive Analyse, um die philosophischen Konzepte verschiedener Denker systematisch zusammenzufassen und gegenüberzustellen.
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische und thematische Analysen, beginnend bei Platon und Aristoteles über Kant und Marx bis hin zu zeitgenössischen Ansätzen von Heller und Janich.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Theorie, Praxis, Handeln, Vernunft, Macht und gesellschaftliche Bedürfnisse charakterisiert.
Heller differenziert zwischen partiellen und allgemeinen Reformen, politisch-revolutionären Bewegungen und umfassenden gesellschaftlichen Revolutionen, die sich in ihren Zielen und ihrer Basis unterscheiden.
Der Kulturalismus begreift Wissenschaft selbst als eine Form der Praxis, die dazu dient, andere Handlungsweisen durch theoretische Grundlagen zu stützen oder kritisch zu hinterfragen.
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