Diplomarbeit, 2009
137 Seiten, Note: 1,0
1. Märchen
1.1. Haupttypen von Märchen und Abgrenzung von benachbarten Gattungen
1.2. Alter und Ursprung des Märchens
1.3. Wichtige Kennzeichne der europäischen Volksmärchens
1.4. Stilmittel
1.5. Das Volksmärchen bei den Gebrüder Grimm
1.5.1. Porträt: Brüder Grimm
1.5.2. Kinder- und Hausmärchen
2. Funktionen der Märchen
2.1. Soziale Funktion
2.2. Psychologische Funktion
2.3. Pädagogische und erzieherische Funktion
2.4. Ästhetische Funktion
3. Theorien zur Entstehungsgeschichte von Märchen
3.1. Die indogermanische Theorie: Auffassungen der Gebrüder Grimm (Basis aller Märchenforschungen)
3.2. Die Wandertheorien
3.2.1. Die Indische Theorie
3.2.2. Die Finnische Schule
3.3. Die anthropologischen Theorien
4. Tiefenpsychologische Zugänge
4.1. Zur tiefenpsychologischen Märchendeutung nach C.G. Jung
4.1.1. Individuation
4.1.2. Schatten
4.1.3. Anima und Animus
4.1.4. Das kollektive Unbewusste
4.1.5. Archetypen
5. Exkurs: Russische Märchen
5.1. Der russische Grimm: Aleksander Afanasjew
5.2. Zur Geschichte und Entwicklung russischer Volksmärchen
5.3. Vladimir Propp und „Morphologie des Märchens“
5.4. Aleksander Puschkin und „Das Märchen von der Toten Zarentochter und die sieben Recken“
6. Einsatz von Märchen in der Sozialen Arbeit
6.1. Einsatz von Märchen im Kindergarten
6.1.1. Notwendigkeit des Zauberhaften für das Kind
6.1.2. Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm als Kinderliteratur? Die Frage der Grausamkeit
6.1.3. Wichtige Punkte zur Märchenauswahl und Erzählatmosphäre
6.1.4. Märchenspiele im Kindergarten
6.2. Märchenarbeit mit Behinderten und kranken Kindern
6.2.1. Sozialer Aspekt der Behinderung
6.2.2. „Ach, wie schön, dass niemand weiß,…“ oder über die Anhaltspunkte für die Arbeit mit Behinderten
6.2.3 Die Heilkräfte der Musikmärchen
6.2.4 Die „inneren“ Konflikte von Schülern mit Verhaltensstörungen
6.2.5. Konfliktbewältigung durch Märchen im Unterricht mit Schülern mit Verhaltensstörungen
6.2.6. Beruhigende Wirkung von Märchen auf hyperaktive Kinder
6.2.7. Märchen und kranke Kinder
6.3. Märchen in Sterbebegleitung
6.3.1. Tod und Sterben als Handlungsfelder der Sozialen Arbeit
6.3.2. Abschied, Tod und Trauer in den Märchen
6.3.3. Einsatz von Märchen in der Hospizarbeit
6.3.4. Gruppenarbeit mit Märchen im Hospiz
6.4. Märchen als „Türöffner“ zu Menschen mit Demenz
6.4.1. Demenz – Alzheimer Syndrom
6.4.2 Irmgard Wessendorf und ihr „Plauderstübchen“
7. Gestalttherapeutische Möglichkeiten innerhalb der Märchenarbeit
7.1. Das Lesen, Vorlesen, Erzählen und Erzählenlassen
7.2. Märchen weiterführen, umformen und abändern
7.3. Märchen erfinden
7.4. Das Malen von Märchen
8. Schussbemerkung
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Wirksamkeit von Märchen als therapeutisches und pädagogisches Medium in der Sozialen Arbeit mit unterschiedlichen Klientengruppen zu untersuchen und an konkreten Praxisbeispielen zu illustrieren.
1. Märchen
„Märchen, vom mittelhochdeutschen „maere“ = Kunde, Nachricht. Kürzere volksläufigunterhaltende Prosaerzählung von phantastisch-wunderbaren Begebenheiten und realitätsfernen Zuständen aus freier Erfindung ohne zeitlich-räumliche Festlegung („Es war einmal…“). Es unterscheidet sich von Mythos durch das Fehlen der Göttersphäre, von der Sage durch Abwesenheit historisch-geographischer Festlegung, von der Legende durch Auspaarung des Religiösen. Kennzeichen sind: Aufhebung der Natur- und Kausalgesetze, Eingreifen übernatürlicher Gewalten ins Alltagsleben, redende und Menschengestalt annehmende Tiere und Tier- oder Pflanzengestalt annehmende, verwunschene Menschen( Metamorphosen), Riesen, Zwerge, Drachen, Feen, Hexen, Zauberer u. a. den Naturgesetzen widersprechende und an sich unglaubwürdige Erscheinungen, die jedoch aus dem Geist des Märchens heraus einfach geschehen und glaubwürdig werden, indem etwas gedanklich mitvollzogene Unwahrscheinlichkeit die andere schon wahrscheinlich macht. Der etymologischer Grund ist einfache schwarz-weiße Weltordnung mit typenhaften guten oder bösen Figuren („böse Stiefmutter“) ohne Psychologie an stereotypen Schauplätzen: Abenteuer und Prüfung der Helden durch gute oder böse Mächte, Belohnung des Guten, Bestrafung des Bösen, je nach dem Grad an Sympathie oder Antipathie für die Hauptgestalt…
Das Märchen ist einfache Form, besonders das anonyme, auch bei Naturvölkern gemeine Volks-Märchen aus mündlicher Überlieferung des Volkes auch in vorliterarische Zeit, geprägt von seiner von Formeln, Redensarten und Sprichwörtern durchsetzten, formalisierten, einsträngigen Erzählweise nach Wiederholung (oft Dreizahl) und Steigerung mit Variationen und Umdichtungen, im Gegensatz zum literarisch fixierten und schriftlich verbreiteten Kunst-Märchen, das als geschichtlich eigenartige Schöpfung einer namentlich bekannten Dichterindividualität Erzählweise und Motive des Volksmärchens übernimmt und mit bewusstem Kunstverstand gestaltet, dabei jedoch teils das unbewusste Phantasiespiel durch allegorische Verkleidung von Gedanken, Tendenzen und Meinungen zerbricht, oder eine eigene übernatürliche Phantasiewelt gestaltet. (Sachwörterbuch der Literatur, 2001, S. 494)
1. Märchen: Definition und gattungsspezifische Bestimmung des Märchens sowie ein Überblick über die Brüder Grimm als Sammler.
2. Funktionen der Märchen: Untersuchung der sozialen, psychologischen, pädagogischen und ästhetischen Wirkungsbereiche des Märchens.
3. Theorien zur Entstehungsgeschichte von Märchen: Vorstellung der wissenschaftlichen Debatte um die Entstehung von Märchen (indogermanische Theorie, Wandertheorien, Finnische Schule).
4. Tiefenpsychologische Zugänge: Erläuterung der Bedeutung von Märchen als Ausdruck innerseelischer Prozesse nach der analytischen Psychologie von C.G. Jung.
5. Exkurs: Russische Märchen: Überblick über russische Sammlertraditionen und die strukturalistische Märchenforschung von Vladimir Propp.
6. Einsatz von Märchen in der Sozialen Arbeit: Detaillierte Darstellung der praktischen Arbeit mit Märchen bei spezifischen Zielgruppen (Kindergarten, Behinderte, Sterbende, Menschen mit Demenz).
7. Gestalttherapeutische Möglichkeiten innerhalb der Märchenarbeit: Beschreibung therapeutischer Methoden wie das Erzählenlassen, Umschreiben, Erfinden und Malen von Märchen.
8. Schussbemerkung: Zusammenfassendes Fazit zur Bedeutung des Märchens als therapeutischer Begleiter in der professionellen Sozialarbeit.
Märchen, Soziale Arbeit, Volksmärchen, Brüder Grimm, Tiefenpsychologie, C.G. Jung, Archetypen, Pädagogik, Kinder- und Jugendhilfe, Sterbebegleitung, Demenz, Gestalttherapie, Methodenvielfalt, Individuation, Russland.
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Märchen als Medium in der Sozialen Arbeit, um bei verschiedenen Klientengruppen Prozesse der Persönlichkeitsentwicklung und Heilung zu unterstützen.
Sie thematisiert die Funktionen des Märchens, wissenschaftliche Theorien zu dessen Entstehung, tiefenpsychologische Deutungen sowie konkrete Anwendungsmöglichkeiten in der Arbeit mit Kindern, Behinderten, Menschen in der Sterbebegleitung und Demenzkranken.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Märchen in der sozialpädagogischen Praxis als Werkzeug zur Aktivierung von Selbstheilungskräften und zur Bewältigung von Krisensituationen bei verschiedenen Zielgruppen eingesetzt werden können.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung von Literatur aus der Märchenforschung, Psychologie und Sozialwissenschaft sowie auf Praxisberichte, um eine Brücke zwischen der Gattung „Märchen“ und der sozialpädagogischen Anwendung zu schlagen.
Neben der theoretischen Herleitung (Funktionen, Forschungstheorien) stehen praxisorientierte Ansätze im Vordergrund, wie Märchen im Kindergarten, in der Hospizarbeit und bei Menschen mit Verhaltensstörungen oder Demenz gezielt methodisch eingesetzt werden können.
Märchen, Soziale Arbeit, Individuation, Heilpädagogik, Sterbebegleitung, Demenz, Gestalttherapie und psychologische Funktionen sind die zentralen Begriffe.
Da die Autorin selbst bis zu ihrem 30. Lebensjahr in Russland aufgewachsen ist, nutzt sie diesen persönlichen kulturellen Hintergrund, um den deutschen Lesern die russische Märchenwelt und die dortigen Forschungstraditionen, wie die von Propp, näherzubringen.
Märchen dienen hier als Symbolsprache des Unbewussten, die es Kindern ermöglicht, eigene Probleme indirekt zu bearbeiten, ohne direkt über ihre Konflikte sprechen zu müssen, was den Einstieg in therapeutische Prozesse erleichtert.
Die Autorin argumentiert, dass diese Elemente für Kinder nicht schädlich sind, da das Märchen in einer anderen Existenzebene spielt und Kindern hilft, sich in einer geschützten Umgebung mit Ängsten und dem Bösen auseinanderzusetzen.
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