Magisterarbeit, 2005
244 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
TEIL 1
1. Biographischer Hintergrund zu Max Frisch
2. Max Frisch und Literatur
3. Max Frisch und Philosophie:
4. Allgemeine Bemerkungen zur Existenzphilosophie
5. Einzelne existenzphilosophische Positionen
5.1 Sören Kierkegaard
5.2 Martin Heidegger
5.3 Jean-Paul Sartre
5.4 Albert Camus
TEIL 2
1. Identität und Selbstverwirklichung
2. Zentrale Aspekte der Identitätsentwicklung
2.1 Freiheit
2.2 Tod
2.3 Bezug zur Zeit
2.4 Selbstverhältnis
2.5 Wiederholung
2.6 Der religiöse Bereich
2.7 Schuld
2.8 Angst und Verzweiflung
2.9 Bezug zur Welt
2.10 Der künstlerische Bereich
2.11 Der zwischenmenschliche Bereich
2.11.1 Bildnisproblematik
2.11.2 Entfremdete Beziehungen
2.11.3 Stillers Freundschaften
2.11.4 Stillers familiäre Beziehungen
2.11.5 Beziehungen zwischen Mann und Frau
2.11.5.1 Rolf und Sibylle
2.11.5.2 Stiller und Sibylle
2.11.5.3 Stiller und Julika
3. Stillers Existenzwerdung
3.1 Überblick über Stillers Entwicklung
3.2 Die Höhlengeschichte
4. Korrespondenz von Form und Inhalt
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman „Stiller“ von Max Frisch im Hinblick auf existenzphilosophische Aspekte und deren Korrespondenz mit der Gedankenwelt des Autors. Ziel ist es, die Parallelen und Gegensätze zwischen existenzphilosophischen Positionen und dem individuellen Selbstfindungsprozess des Protagonisten Anatol Stiller herauszuarbeiten.
2.1 Freiheit
Analog zur Existenzphilosophie nimmt der Freiheitsbegriff im Werk von Max Frisch – und insbesondere im Roman „Stiller“ – eine zentrale Rolle ein.
Dabei erfährt der Begriff Freiheit verschiedene Deutungsvarianten. Einerseits manifestiert sich in der Sehnsucht nach Freiheit der Wunsch nach Aufhebung äußerlicher Zwänge, andererseits findet eine Auseinandersetzung mit der existenzphilosophischen Bedeutung als Wahlfreiheit, die die Annahme der menschlichen Unvollkommenheit beinhaltet, statt.
Aufbruchstimmung als ein Zeichen von Freiheitsdrang kann als zentrales Motiv von Frischs Literatur angesehen werden. Beispiele hierfür sind Jürg Reinharts Flucht aus der bürgerlichen Ordnung in „J’adore ce qui me brûle oder Die Schwierigen“, die Variationen der eigenen Existenz im Roman „Mein Name sei Gantenbein“ und im Stück „Biografie“, die Suche nach dem „wirklichen“ Leben in der Erzählung „Bin oder Die Reise nach Peking“, der Ausbruchswunsch aus der alltäglichen Ordnung im Stück „Santa Cruz“ sowie der Ausbruchsversuch aus derselben durch den Staatsanwalt in „Graf Öderland“. Dabei wird deutlich, dass sich diese Aufbruchstimmung auf verschiedenen Ebenen vollzieht – „manche in Wirklichkeit, manche im Wachtraum.“
Biographischer Hintergrund zu Max Frisch: Dieser Abschnitt skizziert den Lebenslauf von Max Frisch unter Berücksichtigung von für das Werk relevanten Details wie seiner Ausbildung, der Zweigleisigkeit zwischen Architektur und Literatur sowie privaten Einflüssen.
Max Frisch und Literatur: Hier werden die Schreibmotivation, zentrale Motive wie die Identitätssuche und die theoretische Literaturauffassung von Frisch, insbesondere seine Skepsis gegenüber ideologischen Festlegungen, dargelegt.
Max Frisch und Philosophie: Das Kapitel beleuchtet Frischs distanziertes Verhältnis zu theoretischer Philosophie und zeigt auf, dass philosophische Einflüsse eher als unbewusste Analogien zu seinem persönlichen Erfahrungshorizont zu verstehen sind.
Allgemeine Bemerkungen zur Existenzphilosophie: Diese Einführung definiert Existenzphilosophie als Strömung, die das subjektive Sein des Menschen ins Zentrum stellt und die Notwendigkeit zur individuellen Lebensgestaltung betont.
Einzelne existenzphilosophische Positionen: Eine detaillierte Betrachtung der Positionen von Kierkegaard, Heidegger, Sartre und Camus bildet das theoretische Fundament für die Analyse des Romans.
Identität und Selbstverwirklichung: Der erste Teil der Analyse widmet sich dem Identitätsbegriff und grenzt diesen zwischen psychologisch-soziologischen Ansätzen und dem existenzphilosophischen Verständnis ab.
Zentrale Aspekte der Identitätsentwicklung: Diese umfassende Unterkapitel-Reihe untersucht spezifische existenzielle Themen wie Freiheit, Tod, Zeit, Schuld, Angst und den zwischenmenschlichen Bereich im Roman „Stiller“.
Stillers Existenzwerdung: Das Kapitel analysiert den Individuationsprozess von Stiller und interpretiert die „Höhlengeschichte“ als zentrales Gleichnis seiner Selbstwerdung.
Korrespondenz von Form und Inhalt: Abschließend wird nachgewiesen, wie die formale Gestaltung, insbesondere die Tagebuchform, die existenzphilosophische Thematik des Romans kongruent widerspiegelt.
Max Frisch, Stiller, Existenzphilosophie, Identität, Selbstverwirklichung, Freiheit, Tod, Entfremdung, Bildnisproblematik, Existentialismus, Kierkegaard, Heidegger, Sartre, Camus, Tagebuchform
Die Magisterarbeit untersucht den Roman „Stiller“ von Max Frisch unter dem Aspekt existenzphilosophischer Fragestellungen. Es wird analysiert, inwieweit Frischs Protagonist Stiller einen existenzphilosophischen Grad an Identität erreicht.
Zentrale Themen sind die Identitätssuche, der Versuch der Selbstverwirklichung, der Umgang mit der eigenen Endlichkeit (Tod), die Bildnisproblematik in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie die Bedeutung von Freiheit und Verantwortung.
Das Ziel ist die Präsentation der Parallelen und Gegensätze zwischen den Gedanken in Frischs „Stiller“ und den zentralen Aussagen der Existenzphilosophie, ohne dabei eine bewusste intendierte philosophische Lehre zu unterstellen.
Die Autorin nutzt primär die textimmanente Interpretation im Vergleich mit existenzphilosophischen Positionen von Sören Kierkegaard, Martin Heidegger, Jean-Paul Sartre und Albert Camus.
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Teil 1 bietet den theoretischen Hintergrund (Biographie, Philosophie, existenzphilosophische Grundlagen). Teil 2 analysiert den Roman „Stiller“ detailliert anhand existentieller Kategorien wie Identität, Freiheit, Tod, Angst und zwischenmenschlicher Beziehungen.
Wichtige Begriffe sind Max Frisch, Stiller, Existenzphilosophie, Identität, Selbstverwirklichung, Freiheit, Bildnisproblematik, Existentialismus sowie die genannten Philosophen.
Das Bildnisverbot dient im Roman als zentrales Motiv, das die Unzulänglichkeit darstellt, einen Menschen auf ein festes Bild festzulegen, da dies seine Freiheit zur Entwicklung und Veränderung einschränkt.
Die Tagebuchform korrespondiert mit der Offenheit und Subjektivität der Existenzphilosophie; sie ermöglicht das Fragmentarische und die ständige Revision von Standpunkten, was dem Prozess der Identitätssuche entspricht.
Das Ende ist bewusst mehrdeutig gestaltet. Während das „Verstummen“ Stillers als Zeichen für eine gefundene Identität und Unabhängigkeit gedeutet werden kann, sehen andere Interpreten darin bloße Resignation oder das Scheitern an der Lebensaufgabe.
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