Bachelorarbeit, 2022
53 Seiten, Note: 2,0
1. Sicherheit auf Kosten der Legitimität?
2. Das Konzept demokratischer Legitimität
2.1 Normative Dimension
2.2 Empirische Dimension
3. Das Prozessmodell der demokratischen Legitimität
3.1 Input-Legitimität
3.2 Throughput-Legitimität
3.3 Output-Legitimität
4. Wahlen in Zeiten von Corona
4.1 Wahlen: Funktionen und Kriterien
4.2 Geheime Wahlen während Corona
4.3 Gleiche Wahlen während Corona
4.4 Faire Wahlen während Corona
4.5 Allgemeine Wahlen während Corona
5. Parlamentarismus in Zeiten von Corona
5.1 Parlamentarismus: Begriff und Aufgaben
5.2 Die Kontrollfunktion während der Pandemie
5.3 Die Öffentlichkeitsfunktion während der Pandemie
5.3.1 Die Öffentlichkeitsfunktion durch Wahlkreisarbeit
5.3.2 Die Öffentlichkeitsfunktion durch öffentliche Debatten
5.4 Die Gesetzgebungsfunktion während der Pandemie
6. Fazit
Die Arbeit untersucht, ob die Corona-Pandemie zu einer Krise demokratischer Verfahren in Deutschland geführt hat, indem sie analysiert, inwieweit Input- und Throughput-Legitimität unter dem Druck der Pandemiebewältigung abgenommen haben.
1. Sicherheit auf Kosten der Legitimität?
Seit März 2020 stellt die Covid-19 Pandemie alle Staaten auf der Welt gleichermaßen vor umfassende Herausforderungen. Seit der Ausbreitung, welche in China ihren Anfang nahm, blieb kein Land vom Virus unberührt. Es ist eine Ausnahmesituation, die von großer Unsicherheit geprägt ist und in der jede Regierung zwischen Sicherheit und Freiheit abwägen muss. Diese Gewährleistung der Sicherheit, aller hier lebenden Bürgerinnen und Bürger, ist einer der wichtigsten, wenn nicht sogar die oberste Aufgabe eines modernen Staates. Der englische Philosoph Thomas Hobbes entwarf hierzu bereits vor hunderten Jahren ein Modell, welches aufzeigt, dass der Gewährleistung der Sicherheit als Aufgabe des Staates oberste Priorität gilt.
In diesem Modell unterscheidet man zwischen dem Staatszustand und dem Naturzustand, wobei zweiterer aufgrund seiner lebensgefährlichen Beschaffenheit als defizitär bezeichnet wird. Das nicht Vorhandensein eines Staates führt laut Hobbes zu einer Welt voller Bedrohungen und Unsicherheit. Aufgrund der Kombination aus mangelnden Ressourcen und der Abwesenheit eines Staates entsteht zwischen den Bewohnern des Naturzustandes eine Feindschaft, welche letztendlich zum Krieg aller gegen alle und jeder gegen jeden führt. Die Annahme dieses Theorems ist, dass nur das Machtmonopol des modernen Staates diesen Kriegszustand beenden könne, indem die Bewohner des Naturzustandes ihre Rechte auf das Machtmonopol des Staates übertragen. Der moderne Staat gewährleistet somit ein sicheres Leben der Menschen, welche vorher, sprich ohne staatliche Anwesenheit, unter ständiger Unsicherheit leben mussten (vgl. Lemke 2020: 13).
1. Sicherheit auf Kosten der Legitimität?: Einleitung in die Problematik des Spannungsfeldes zwischen staatlicher Sicherheit und individueller Freiheit während einer Pandemie.
2. Das Konzept demokratischer Legitimität: Theoretische Herleitung der normativen und empirischen Dimensionen demokratischer Legitimität.
3. Das Prozessmodell der demokratischen Legitimität: Vorstellung des Modells von Input-, Throughput- und Output-Legitimität und deren Bedeutung für den politischen Prozess.
4. Wahlen in Zeiten von Corona: Analyse der Bundestagswahlen unter dem Aspekt, ob demokratische Kriterien durch die Pandemiebedingungen beeinträchtigt wurden.
5. Parlamentarismus in Zeiten von Corona: Untersuchung der parlamentarischen Kontroll-, Öffentlichkeits- und Gesetzgebungsfunktionen während der pandemischen Herausforderungen.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, ob die Demokratie in der Krise als legitim handelndes System bestehen konnte.
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Die Arbeit untersucht, ob die staatlichen Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie zu einer Legitimitätskrise demokratischer Verfahren, insbesondere bei Wahlen und in der parlamentarischen Arbeit, geführt haben.
Das Hauptaugenmerk liegt auf der Funktionsweise des demokratischen Systems in Krisenzeiten, gegliedert in die theoretischen Grundlagen der Legitimität und die praktische Überprüfung von Wahlkriterien sowie Parlamentsfunktionen.
Das Ziel ist es, durch eine Analyse von politischem Prozess und parlamentarischem Handeln zu prüfen, ob die demokratische Legitimität während der Pandemie durch exekutivlastige Entscheidungen geschwächt wurde.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Fundierung durch politikwissenschaftliche Modelle (Kneip/Merkel) und eine darauf aufbauende Analyse von Daten und Studien zu Wahlvorgängen sowie parlamentarischen Aktivitäten.
Es werden die Kontrollfunktion der Opposition, die Öffentlichkeitsfunktion des Bundestages (z.B. Wahlkreisarbeit) und die Gesetzgebungsfunktion hinsichtlich ihrer Stabilität unter Pandemiebedingungen betrachtet.
Die Arbeit kombiniert abstrakte Legitimitätstheorien ("Input" vs. "Throughput") mit konkreten Fallbeispielen und statistischen Daten aus dem deutschen Krisenmanagement der Jahre 2020/2021.
Die Arbeit stellt fest, dass die Befürchtung eines Vertrauensverlusts bei der Briefwahl durch ein gewachsenes Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung teilweise kompensiert wurde, auch wenn die Briefwahl methodisch komplexer ist.
Nein, die Analyse der Gesetzgebungsprozesse und der oppositionellen Kontrollrechte zeigt vielmehr, dass das Parlament trotz der sogenannten "Stunde der Exekutive" handlungsfähig blieb und sein reguläres Tagesgeschäft fortführte.
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