Diplomarbeit, 2002
95 Seiten, Note: 1.3
1 Das Geheimnis der Medien-Zeit
2 Die Ökonomie der Zeit
2.1 Über das Verständnis von Zeit
2.2 Das Zeitverständnis der Ökonomie
2.2.1 Die Allokation von Zeit
2.2.2 Die Zeit in der Neoklassik
2.2.3 Die Zeit im Neoinstitutionalismus
2.3 Die Institutionen der Zeit
3 Medien-Zeit
3.1 Über das Verständnis des Medialen
3.2 Technische Medien-Zeit
3.2.1 Bewegungsintervall
3.2.2 Technisches Intervall
3.2.3 Übertragungsintervall
3.3 Dispositive der Medien-Zeit
3.3.1 Dauer und Geschwindigkeit
3.3.2 Sequentielle Struktur
3.3.3 Zeitliche Perspektive
3.4 Symbolische Formen der Medien-Zeit
3.4.1 Zeit strukturieren
3.4.2 Zeit relativieren
4 Die Ökonomie der Medien-Zeit
4.1 Monetäre Zeit der Medien
4.2 Die Evolution der Zeit-Institutionen
4.3 Der Wert der Medien-Zeit
5 Die Landkarte der Medien-Zeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der „Medien-Zeit“ aus einer interdisziplinären, ökonomischen Perspektive. Ziel ist es, die vielfältigen zeitlichen Bezüge zwischen Medien und Zeit zu erläutern und diese in ein ökonomisches Modell der Allokation von Medien-Zeit zu integrieren, das über rein quantitative Zeitallokationsmodelle hinausgeht.
1 Das Geheimnis der Medien-Zeit
Eigentlich ist es nicht schwer zu erklären, was Allokation von Medien-Zeit bedeutet. Wie der Umgang mit ‚normaler’ Zeit, ist der Umgang mit Medien-Zeit alltäglich und erscheint somit nicht besonders geheimnisumwittert. Medien-Zeit kann vorerst als eine Teilmenge der einem Individuum zur Verfügung stehenden Gesamtzeit betrachtet werden. Von der Frühstückszeitung, dem Radioprogramm im Auto, dem Handy, Internet und Fax bis zum Kino- oder Fernsehprogramm am Abend treffen Menschen tagtäglich Entscheidungen darüber, ob und mit welchen Medien sie ihre Zeit verbringen.
Rein rechnerisch bedeutet dies, dass ein guter Planer 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche bzw. 365 1/4 Tage im Jahr auf eine optimale und effiziente Auswahl von Medienaktivitäten ‚verteilen’ kann. Bereits im Vorfeld sollte ein Mediennutzer demnach Klarheit darüber erlangen, ob er beispielsweise mit Medien kommunizieren, sich durch sie unterhalten lassen oder Informationen erlangen will, um maximale Effizienz aus der Verwendung seiner Zeit zu generieren. Da demnach sowohl die Zeit im Allgemeinen und damit auch die Medien-Zeit im Besondern als eine wertvolle und knappe Ressource betrachtet werden kann, gestaltet sich auch ihre Verwendung unter den ökonomischen Gesichtspunkten der Allokation, was nichts anderes bedeutet, als die optimale Zuordnung knapper Ressourcen auf einen optimalen Verwendungszweck. Und da menschliches Leben zeitlich begrenzt ist, bemühen sich Menschen, mit ihrer Zeit so umzugehen, dass sie nicht das Gefühl haben, sie hätten sie verschwendet. Der Begriff der Medien-Zeit könnte dementsprechend als die Zeit definiert werden, die von Individuen nach einem errechneten Allokationsplan in Medien ‚investiert’ wird.
1 Das Geheimnis der Medien-Zeit: Einführung in die Problematik und Definition von Medien-Zeit als Teilmenge der verfügbaren Lebenszeit, die ökonomischen Allokationsprinzipien unterliegt.
2 Die Ökonomie der Zeit: Gegenüberstellung unterschiedlicher Zeitkonzepte von der Philosophie bis zur neoklassischen Ökonomie und dem Neoinstitutionalismus.
3 Medien-Zeit: Medienwissenschaftliche Untersuchung der technischen und dispositiven Ebenen der Medien-Zeit, die über eine rein chronometrische Betrachtung hinausgehen.
4 Die Ökonomie der Medien-Zeit: Anwendung der Erkenntnisse auf ein ökonomisches Modell, das monetäre, kulturelle und soziale Budgets zur Bewertung der Mediennutzung integriert.
5 Die Landkarte der Medien-Zeit: Zusammenfassendes Fazit, das Medien-Zeit als komplexes Netzwerk beschreibt und ein dynamisches Modell für zukünftige Forschung vorschlägt.
Medien-Zeit, Zeitallokation, Ökonomie der Zeit, Institutionenökonomik, Mediennutzung, Zeitdispositive, Serialität, Montage, Programming, Individualzeit, Kategoriale Zeit, Anschlussfähigkeit, Zeitknappheit, Homo connectus, Nutzenmaximierung.
Die Arbeit analysiert die Allokation von Medien-Zeit und versucht, eine ökonomische Theorie zu entwickeln, die der Vielschichtigkeit von Medien und deren zeitlichen Wirkmechanismen gerecht wird.
Die Themenfelder umfassen die ökonomische Theorie der Zeit, die medienwissenschaftliche Fundierung von Zeitgestalten sowie die institutionenökonomische Analyse individuellen Medienverhaltens.
Das Ziel ist die Überwindung des engen neoklassischen Zeitbegriffs („Zeit ist Geld“) durch ein relationales Modell, das soziale und kulturelle Aspekte der Mediennutzung einbezieht.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Untersuchung, die medienwissenschaftliche Theoriebildungen (z.B. von McLuhan, Innis, Engell) mit ökonomischen Modellen (insbesondere der neuen Institutionenökonomik) verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Medien als Zeitgeber (Kapitel 3) und die ökonomische Modellierung der Medien-Zeit unter Berücksichtigung von Institutionen und individuellen Entscheidungsräumen (Kapitel 4).
Zentrale Begriffe sind neben „Medien-Zeit“ und „Zeitallokation“ vor allem „Dispositive“, „Serialität“, „Montage“ und der „Homo connectus“ als Modell für den modernen Konsumenten.
Das Internet wird als komplexes Archiv und Navigationsraum begriffen, in dem die klassische sequentielle Programmgestaltung durch individuelle Zugriffsmöglichkeiten ersetzt wird, was den Nutzer vor neue Herausforderungen der Orientierung stellt.
Weil Mediennutzung oft einen intrinsischen Wert hat und nicht nur eine Kosten-Nutzen-Rechnung im Sinne einer ökonomischen Arbeitsproduktivität darstellt, sondern soziale Teilhabe und Anschlussfähigkeit generiert.
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